Aurich
Mahnung: Antisemitismus ist in Deutschland nicht verschwunden
Auf dem Synagogenplatz am Hohen Wall in Aurich wurde der Pogromnacht gedacht. Die Redner zeigten sich von aktuellen Vorfällen in Deutschland tief betroffen
Aurich - Beim Gedenken an die Pogromnacht hat die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) Ostfriesland am Dienstagabend in Aurich ein klares Zeichen gegen Antisemitismus und Israelhass gesetzt. Deren Vorsitzender Ulrich Kötting verurteilte auf dem Synagogenplatz am Hohen Wall den „starken Antisemitismus in Deutschland“.
Umso wichtiger ist es nach Überzeugung der Auricher Ökumene und der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, sich die Verbrechen in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland bewusst zu machen. Es dürfe sich niemals wiederholen, was damals geschah. „Es hat sich ereignet, und deswegen kann es sich wieder ereignen. Wir müssen jetzt handeln“, so Kötting.
Schweigen und Wegsehen machen schuldig
Auch Pastor Jens Frisch vom Ostfriesischen Gemeinschaftsverband kam zu Wort. In seiner Ansprache stellte er sich immer wieder die Frage: „Wer stellte sich dazwischen?“ Denn das taten im Jahr 1938 zu wenige. Man habe sich raushalten und unpolitisch bleiben wollen. Frisch wolle niemanden verurteilen, der sich damals nicht dazwischen gestellt habe – aber er wolle mahnen. „Dieser Tag mahnt uns persönlich, dass Schweigen und Wegsehen schuldig machen“, sagte er.
Auch Frisch betonte die Aktualität von Antisemitismus in Deutschland. Ob auf Schulhöfen, unter deutschen Politikern oder auf Festen – Antisemitismus sei „quer durch die ganze Gesellschaft“ ein Thema, so Frisch. Er appellierte: „Es liegt an uns. Die Geschichte darf sich nicht wiederholen.“
Im Anschluss an das Gedenken am Hohen Wall liefen die Besucher gemeinsam zum Standort der ehemaligen jüdischen Volksschule in der Kirchstraße. Dort stellten sie Lichter ab und legten einen Kranz in Gedanken an die verfolgten und ermordeten Juden nieder. Zum Abschied sangen alle zusammen das jüdische Lied „Hevenu Shalom Alechem“. Die Zeilen „Wir wollen Frieden für alle, Frieden für die ganze Welt“ beendeten die Veranstaltung.