Osnabrück

Mord im Klosterwald: So verzerrt sieht Sexualstraftäter Jörg N. Frauen

Laura Nowak
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Von Laura Nowak
| 09.11.2021 15:52 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Emsländer Jörg N. soll 2015 eine Studentin im Klosterwald Loccum ermordet haben. (Archivfoto) Foto: Swaantje Hehmann
Der Emsländer Jörg N. soll 2015 eine Studentin im Klosterwald Loccum ermordet haben. (Archivfoto) Foto: Swaantje Hehmann
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Dem Emsländer Jörg N. wird vorgeworfen, vor sechs Jahren die 23-Jährige Judith Thijsen getötet zu haben. Beim Prozess vor dem Landgericht Osnabrück wurde nun das Frauenbild des verurteilten Sexualstraftäters erörtert.

Als Judith Thijsen im September 2015 ermordet wurde, befand sich Jörg N. als Freigänger in der Maßregelvollzugsanstalt Bad Rehburg in Niedersachsen. Bei seiner Zeugenaussage machte der Leiter der Station, auf der Jörg N. die meiste Zeit untergebracht war, nun deutlich: Der Angeklagte fühlte sich von Frauen dominiert.

Der gebürtige Emsländer Jörg N. wurde bereits wegen Sexualdelikten verurteilt. In drei Fällen überfiel er die Frauen zunächst, würgte sie und versuchte sie dann zu vergewaltigen. Auch Judith Thijsen soll vor ihrem Tod im Klosterwald von Loccum gewürgt worden sein. Zu den Tatvorwürfen schweigt Jörg N. bislang.

Ungleiche Beziehungen geführt

„In der Regel hat er sich von Frauen dominiert und im Hintertreffen gefühlt“, beschrieb der Stationsleiter. Ähnliches schilderte eine Krankenpflegerin des Maßregelvollzugs bei einem früheren Verhandlungstermin: „Er hat gesagt, die Frauen wollen immer nur sein Bestes und das war sein Geld.“

Schon in Jörg N.s Kindheit habe seine Mutter in der Familie „salopp gesagt die Hosen angehabt“, sagte der Stationsleiter. Sie sei die zentrale Figur gewesen, der Vater dagegen eher blass. Später habe Jörg N. asymmetrische Beziehungen geführt: „Er hat sich Frauen gesucht, die er dominieren konnte, aber sich in der Beziehung dann selbst dominiert gefühlt.“ 

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Psychiater: Überfälle auf Frauen um „mit Gefühlen umzugehen“

Eine seiner Taten habe Jörg N. damit begründet, dass die Frau ihm falsche Hoffnungen gemacht habe. Zunächst habe die Beziehung zu der Frau einvernehmlich geschienen. Doch das habe sich geändert, N. habe sich „zurückgewiesen gefühlt“. Als „klar wurde, da läuft nichts“, sei es zu dem Übergriff gekommen. Jörg N.s ehemaliger Psychiater sagte bei einem früheren Verhandlungstermin, sich zu betrinken und in diesem Zustand Frauen zu überfallen, sei N.s Form „mit seinen Gefühlen umzugehen“.

Im Gegensatz zu anderen Zeugen erinnerte sich der Stationsleiter noch an viele Details, obwohl der fragliche Zeitraum mittlerweile sechs Jahre zurückliegt. Auch in seiner Ehe habe sich Jörg N. nicht gleichberechtigt gefühlt. Seine Exfrau sei ihm zwar intellektuell unterlegen gewesen, habe ihn aber dennoch dominiert. Jörg N. sei geschlagen worden. Schließlich eskalierte die Beziehung derart, dass er wegen Vergewaltigung verurteilt wurde.

Stationsleiter: Auch mit anderer Partnerin Abhängigkeitsbeziehung

Auch während seiner Zeit im Maßregelvollzug führte Jörg N. eine Beziehung. Das Personal habe diese kritisch gesehen, die Frau habe eine Behinderung gehabt. Der Diplompsychologe betonte: „Sie stand in einer Abhängigkeitsbeziehung zu Jörg N.“ Sie habe nach Bad Rehburg ziehen wollen, Jörg N. habe geplant, sie zu heiraten. Eine schwierige Ausgangslage für Jörg N.s weitere Zeit im Maßregelvollzug, fanden der Stationsleiter und die Mitarbeiter. „Aus unserer Erfahrung ist Therapie nicht möglich, wenn der Partner immer am Fenster steht und winkt“, sagte er vor dem Landgericht Osnabrück. Sie hätten deshalb in Erwägung gezogen, die Therapie von Jörg N. an einem anderen Ort fortzusetzen. Die Beziehung endete dann, nach Aktenlage im Sommer 2014, stellte der Richter fest. Aus welchem Grund wusste der Stationsleiter jedoch nicht.

Der nächste Verhandlungstermin ist am Mittwoch, 10. November.

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