Aurich

Klimaschutz mit Auto und Bahn

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 03.11.2021 19:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Nikolai Heinzel (von links), Jannis Renken und Fenna de Beer engagieren sich im Kreisverband Aurich der Jungen Union. Foto: Heino Hermanns
Nikolai Heinzel (von links), Jannis Renken und Fenna de Beer engagieren sich im Kreisverband Aurich der Jungen Union. Foto: Heino Hermanns
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Schon deutlich länger als Grüne oder Linke hat die CDU im Kreis Aurich eine Jugendorganisation. Die Junge Union setzt sich auch für Klimaschutz ein – nur anders.

Aurich - Die Jugend in Ostfriesland wird politischer. Diesen Eindruck kann man gewinnen, wenn man sich die Aktivitäten der vergangenen Jahre anschaut. Seit 2019 demonstrieren junge Menschen regelmäßig auch in Aurich für mehr Klimaschutz. Und in den vergangenen Wochen haben sich mit der Grünen Jugend und der Linksjugend gleich zwei Jugendorganisationen von Parteien neu formiert. Vor allem in den so genannten sozialen Medien gab es für die jungen Leute auch viel Gegenwind.

Klimaunion der CDU will Bahnstrecken reaktivieren

Schon viele Jahre gibt es im Landkreis Aurich die Junge Union (JU) als Jugendorganisation der CDU. Auch diese Gruppe setzt sich für mehr Klimaschutz ein, sagt Kreisvorsitzender Jannis Renken (Großefehn) im ON-Gespräch. Er verweist auf die Klimaunion, die gegründet worden sei, um zusammen mit CDU und CSU eine wirksame 1,5 Grad-Politik zu betreiben. Auch für die Reaktivierung der Bahnstrecken in Ostfriesland setze die Junge Union sich ein. Allerdings sei die neue Klimaunion noch nicht auf lokaler Ebene organisiert. Selten habe es online Gegenwind für die JU gegeben. „In der ‚echten‘ Welt gab es bisher keine Anfeindungen“, so Renken. Im Gegensatz zu den jungen Grünen und Linken sieht Renken aber auch den Bedarf für die Auricher Ortsumfahrung und die B210n.

Fenna de Beer hat Agrarwissenschaften studiert. Sie will den Hof ihrer Eltern übernehmen. Foto: Heino Hermanns
Fenna de Beer hat Agrarwissenschaften studiert. Sie will den Hof ihrer Eltern übernehmen. Foto: Heino Hermanns

Heftigen Gegenwind für diese Politik der Union hätte sie aber nicht erhalten, sagt Fenna de Beer. Die 25-Jährige Agrarwissenschaftlerin ist grade für die CDU in den Norder Stadtrat gewählt worden. Sie könne aber ein wenig nachvollziehen, wie sich heftige Kritik bei Umweltschutzthemen anfühle. Denn das sei ihr bei ihrer politischen Arbeit für die Landjugend widerfahren. „Wir haben uns vor dem Eintritt in das Biosphärenreservat kooperativ verhalten und auch Forderungen gestellt. Das kam nicht gut an bei bestimmten Gruppen.“

JU-Vorsitzender fordert mehr Jugendparlamente

Nikolai Heinzel ist 16 Jahre alt. Er besucht das Auricher Gymnasium Ulricianum und ist seit Kurzem Mitglied bei der Jungen Union. Ob er mit seinen Ansichten bei anderen Menschen aneckt, ist nicht so wichtig für den Schüler. „Ich habe meine Meinung, die ich vertrete.“ Diese Meinung müssten natürlich nicht alle teilen. Auch mit JU und CDU stimme er nicht zu 100 Prozent überein. „Das gibt es aber wohl bei keiner Partei.“

Nikolai Heinzel besucht die elfte Klasse des Gymnasiums Ulricianum in Aurich. Foto: Heino Hermanns
Nikolai Heinzel besucht die elfte Klasse des Gymnasiums Ulricianum in Aurich. Foto: Heino Hermanns

Themen setzen, neue Gedanken einbringen. „Die Leute in der Jungen Union haben Lust“, sagt Fenna de Beer. Die JU sei sehr viel dynamischer als die Mutterpartei CDU. Es gebe viele Ideen, der Zusammenhalt sei gut. Ausdrücklich müsse Jugendlichen weiter die Gelegenheit zur politischen Mitarbeit gegeben werden, sagt Renken. Deswegen müssten im Landkreis Aurich weitere Jugendparlamente als Angebote eingerichtet werden. Derzeit gibt es solche Gremien in Brookmerland und in Norden.

Keine Zusammenarbeit mit der Linksjugend

Die Ziele beim Klimaschutz mögen zwar denen der Grünen oder der Linkspartei ähneln. Der Weg dorthin ist es aber nicht. „Für das Klimas muss man die Marktmechanismen nutzen“, so Renken. Er spricht von einer „Gewinnmaximierung der Nachhaltigkeit“. Nikolai Heinzel ist auf der ersten Fridays for Future-Demonstration in Aurich noch mitgelaufen. „Aber die Leute dort waren mir ein bisschen zu rechthaberisch“, sagt er. Ein Großteil der Demonstranten hätte noch kein Einkommen, hätte nie Steuern gezahlt oder sich mit Spritpreisen beschäftigt, so der 16-Jährige. Grade im Kreis Aurich könne Klimaschutz nur zusammen mit der Landwirtschaft gemacht werden, so Heinzel. Das sieht Fenna de Beer genauso. Früher hätte es in den Räten viel mehr Landwirte gegeben. Das sei heute aus Zeitgründen nicht mehr möglich.

Jannis Renken studiert derzeit in Bonn Politikwissenschaften. Foto: Heino Hermanns
Jannis Renken studiert derzeit in Bonn Politikwissenschaften. Foto: Heino Hermanns

Die Jugendlichen der Grünen und der Linken wollen in Aurich zusammenarbeiten, um etwas zu bewirken. Mit den Grünen kann Renken sich das auch vorstellen. „Mit der Linken gibt es aber keine Schnittstellen“, erteilt er solchen Überlegungen auch in der Lokalpolitik eine klare Absage.

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