Osnabrück
Warum Rentner sich freuen, aber auch gewarnt sein sollten
Die Freude ist groß über die sich abzeichnenden Rentensteigerungen. Eine nachhaltige Wende zum Besseren bedeuten die Anhebungen aber nicht. Ein Kommentar.
Zweimal hintereinander ein Rentenplus von gut fünf Prozent: Wenn sich die Prognosen der Rentenschätzer bewahrheiten, dann dürfen sich die Rentnerinnen und Rentner in den kommenden zwei Jahren auf deutlich mehr Geld freuen. Das ist ihnen zu gönnen, hat es doch im laufenden Jahr im Westen eine Nullrunde gegeben und im Osten nur eine Mini-Anhebung um 0,7 Prozent. Angesichts der wieder deutlich steigenden Lebenshaltungskosten werden vor allem Bezieher kleiner Renten sehnsüchtig auf das Plus warten.
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Aber auch wenn die sich abzeichnenden Anhebungen rekordverdächtig sein könnten: Ein Signal für eine nachhaltige Wende in der gesetzlichen Rentenversicherung sind sie nicht. Denn sie sind vor allem auf die wieder anziehende Beschäftigung und das Auslaufen der Kurzarbeit nach dem Höhepunkt der schweren Corona-Krise zurückzuführen. Das stärkt die Einkommen und damit letztlich auch die daran gekoppelten Renten.
Solche Effekte können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es durch die Rentenreformen der Vergangenheit schmerzhafte Einschnitte gegeben hat und dass die mittleren und langfristigen Aussichten keinesfalls Grund zum Jubeln bieten. Denn das Rentenniveau wird absehbar spürbar sinken, wenn der Gesetzgeber nicht eingreift. Das heißt: Die gesetzliche Rentenversicherung wird ihrem historischen Ansatz, ein einigermaßen den Lebensstandard sichernder „Lohnersatz“ zu sein, immer weniger gerecht.
Für Menschen mit gutem Einkommen, die zusätzlich privat vorsorgen können, ist das kein Problem, für Millionen von Geringverdienern aber schon. Das spricht eindeutig dafür, die gesetzliche Rentenversicherung wieder zu einer deutlich stärkeren Säule der Altersvorsorge zu machen. Sündhaft teure Notoperationen wie die aufwändige Grundrente könnte man sich dann wohl sparen.