Osnabrück

Villa der Familie Holt: Makler senkt Preis für Luxusimmobilie

| 03.11.2021 15:36 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Villa der Familie Holt in Bakum, Landkreis Vechta, steht derzeit zum Verkauf. Nun wurde der Preis gesenkt. Foto: Matthias Niehues
Die Villa der Familie Holt in Bakum, Landkreis Vechta, steht derzeit zum Verkauf. Nun wurde der Preis gesenkt. Foto: Matthias Niehues
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Schnäppchenjäger aufgepasst: Die zum Verkauf stehende Familien-Villa des mutmaßlichen Millionenbetrügers Hendrik Holt und seiner Verwandtschaft ist im Preis gesenkt worden. Günstig ist das Luxusobjekt aber immer noch nicht.

Auf diversen Immobilienportalen wird das Gebäude mit zehn Zimmern, Fahrstuhl, Sauna und 10.000 Quadratmeter großem Grundstück mittlerweile für „nur noch“ 1,6 Millionen Euro angeboten. Darüber hatte zunächst die „Oldenburgische Volkszeitung“ berichtet. Ursprünglich war ein Preis von 2,2 Millionen Euro aufgerufen worden.

Laut OV sei der anfangs angedachte Preis nicht zu realisieren gewesen. Deswegen habe die beauftragte Maklerin die Mindestkaufsumme um 600.000 Euro reduziert - in Absprache mit den Gläubigern der in weiten Teilen unter Betrugsverdacht stehenden Familie. Die Einnahmen des Verkaufs sollen in die Schadenswiedergutmachung fließen. (Weiterhören: Der Fall Holt im Podcast „Windmacher“)

Ein Pferd bleibt Pflicht

Allerdings bleibt es trotz Preissenkung bei einer Voraussetzung für mögliche Käufer: Sie müssen ein Pferd halten. Das ist in dem Wohngebiet in der Ortschaft Bakum vorgeschrieben. Die Familie Holt soll sich an diese Vorgabe nicht gehalten haben. (Weiterlesen: Fall Holt: Drei Bentleys, ein Geständnis und kein Pferd)

Hendrik Holt soll gemeinsam mit einer Schwester, seinem Bruder sowie seiner Mutter internationale Energiekonzerne um mehr als zehn Millionen Euro betrogen haben, in dem sie teilweise oder ganz erfundene Windparkprojekte verkauften.

Die Mutter bewohnte gemeinsam mit weiteren Familienmitgliedern die Luxusimmobilie im Landkreis Vechta. Hendrik Holt lebte offiziell in Andorra, bei Aufenthalten in Deutschland gastierte er häufiger im Berliner Adlon-Hotel. Hier wurde er im April 2020 auch festgenommen.

Vor dem Landgericht in Osnabrück läuft derzeit der Prozess gegen die aus dem Emsland stammenden Familienmitglieder sowie deren Finanzdirektor Heinz L.. Dabei haben sich bislang keine Zweifel daran ergeben, dass die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft nicht korrekt sein könnten.

Strafrabatt gegen Geständnis?

Möglicherweise werden die Angeklagten, die bislang zur Anklage geschwiegen haben, zeitnah Geständnisse vor Gericht ablegen und Fragen beantworten. Im Gegenzug erhoffen sie sich Strafrabatt.

Die Staatsanwaltschaft zeigte sich jedenfalls bereit, einen Deal einzugehen. Im Fall von Hendrik Holt könnte sie sich eine achtjährige Gefängnisstrafe vorstellen. Dessen Verteidiger hatten sieben Jahre ins Spiel gebracht. Die Wirtschaftsstrafkammer hatte noch keine Tendenz erkennen lassen.

(Weiterhören: Der Fall Holt im Podcast „Windmacher“)

Joe Thérond, Verteidiger von Mutter Holt, hatte für seine Mandantin als strafmildernd angeführt, dass sie als einzige der Angeklagten schon vor Auffliegen der mutmaßlichen Betrugsmasche über Vermögen verfügt habe. Dies habe sie nun verloren. Zudem sei zu bedenken, dass die Emsländerin bei einer geständigen Einlassung vor der Herausforderung stünde, ihre eigenen Kinder zu belasten.

Die Staatsanwaltschaft hatte nicht nur die Villa im Landkreis Vechta beschlagnahmt. Auch Luxusfahrzeuge, Schmuck und weitere Wertgegenstände wurden sichergestellt und sind - etwa der Fuhrpark der Holts - mittlerweile versteigert worden.

Luxuriöser Lebensstil

Die Familie pflegte offenbar einen sehr teuren Lebensstil. In von der Polizei abgehörten Telefongesprächen soll darüber gesprochen worden sein, wie es weitergehen könnte, wenn es hart auf hart käme - wohl eine Anspielung auf ein Auffliegen des mutmaßlichen Betruges. Mit zwei Millionen Euro, so die Kalkulation in den Gesprächen, käme man für etwa zwei Jahre hin.

Ob die Familie solche Summen noch ihr eigen nennen kann, ist allerdings fraglich. Die Staatsanwaltschaft hat Insolvenzverwalter Malte Köster mit der Ermittlung weiteren Vermögens beauftragt. Dabei konnte Köster nach eigenen Angaben bereits erste Erfolge erzielen. In einer „einschlägigen Steueroase“ wurde ein Millionenbetrag entdeckt. Nach Informationen unserer Redaktion soll es sich bei der Steueroase um Mauritius handeln.

Im Prozess wurde bereits deutlich, dass die Angeklagten viel Zeit darauf verwendeten, Geldeingänge auf einem Konto bei einer Bank im Emsland ins Ausland zu transferieren. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

Weiterhören: Der Fall Holt im Podcast „Windmacher“.

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