Eisenbahnverkehr
Rückbau der Friesenbrücke hat begonnen
Nach der Überführung des Kreuzfahrtriesen ist jetzt mit dem Rückbau der Friesenbrücke bei Hilkenborg begonnen worden. Auch die Gleise im Bereich der Brücke werden abgebaut.
Hilkenborg/Weener - Die Deutsche Bahn beginnt jetzt mit dem Rückbau der Friesenbrücke bei Hilkenborg. Wie angekündigt, haben die Arbeiten nach der erfolgten Überführung des Kreuzfahrtriesen „Aida Cosma“ von der Papenburger Meyer-Werft zur Nordsee begonnen. Aktuell werden Gleisanlagen auf der Westoverledinger Seite im Bereich der Brücke abgebaut.
„Zusätzlich wird ein Ponton über die Ems zur Baustelle gebracht, welcher für den Rückbau des Überbaus benötigt wird. Dieser wird zunächst für weitere Arbeiten technisch ausgerüstet“, teilte eine Bahnsprecherin auf Anfrage mit. Der Kran auf dem Ponton ist bereits bei der Brücke angekommen.
Überbauten werden später von einem Schwimmkran ausgehoben
„Außerdem werden vorbereitende Arbeiten an der Brücke vorgenommen, sodass ein Aushub der Überbauten mithilfe eines Schwimmkrans erfolgen kann“, führte die Unternehmenssprecherin aus. Insgesamt sei vorgesehen, die wasserseitigen Überbauten innerhalb der nächsten Monate zurück zu bauen. „Unsere Planung beinhaltet ebenfalls, dass Material, welches für die vorbereitenden Arbeiten sowie den Rückbau vorgesehen ist, größtenteils über die Schiene in den Hafen Papenburg geliefert wird. Von dort werden Materialien mit dem Schiff zur Baustelle transportiert, womit Anlieferungen durch Lastkraftwagen minimiert werden“, sagte die Bahn-Pressesprecherin.
Gerade beim Thema Lastkraftwagen und mögliche Schäden durch die schweren Fahrzeuge bestehe Klärungsbedarf. Denn während der Einrichtung der Baustelle auf einer landwirtschaftlichen Fläche in Hilkenborg in unmittelbarer Nähe der Eisenbahnbrücke sind Schäden an der dortigen Kreisstraße 22 entstanden. Aus diesem Grund wurde die Nutzung für den nicht-landwirtschaftlichen Verkehr vorerst auf eine Last von 20 Tonnen beschränkt. Das bestätigte Philipp Koenen, Pressesprecher des Landkreises Leer, auf Anfrage. Nach seinen Angaben gebe es mit Blick auf die Nutzung der Kreisstraße und der Anbindung der Baustellen-Zufahrten noch Klärungsbedarf, so Koenen. „Eine Sondernutzungserlaubnis konnte noch nicht erteilt werden.“
Regelmäßig gibt es eine „Umwelt-Baubesprechung“
Der Kreissprecher weist darauf hin, dass für die Einhaltung des Planfeststellungsbeschlusses grundsätzlich das Eisenbahnbundesamt zuständig sei. Einige Nebenbestimmungen beträfen aber auch den Landkreis Leer. In diesen Fällen stehe die Kreisbehörde in Kontakt mit der Deutschen Bahn und dem Eisenbahnbundesamt. So finde derzeit alle zwei Wochen eine “Umwelt-Baubesprechung“ statt. Daran nehmen je nach Bedarf unterschiedliche Fachämter des Landkreises teil, erläutert Koenen. Dazu zählen die Untere Naturschutz-, Deich-, Wasser- oder Abfall- und Bodenschutzbehörde. Zudem ist das Straßen- und Tiefbauamt als Straßenlastbauträger der K 22 eingebunden.
Wunderline Groningen-Bremen
Die 173 Kilometer lange Bahn-Strecke zwischen Bremen und Groningen wird als Wunderline bezeichnet. Sie verbindet Norddeutschland mit dem Norden der Niederlande. 124 Kilometer der Strecke verlaufen dabei über deutschen Boden. Die Züge fahren nach der geplanten Fertigstellung im Jahr 2024 dann auch über die neue Eisenbahnbrücke über die Ems.
„Um eine schnellere und komfortablere Verbindung zwischen den beiden Städten Bremen und Groningen zu ermöglichen, wird die Strecke ausgebaut“, teilte die Deutsche Bahn mit. Durch den Ausbau sind höhere Geschwindigkeiten für die Züge möglich.
Aktuell besteht diese Verbindung allerdings nicht. Denn die Züge stoppen in Leer beziehungsweise in Weener. Denn bei einem Schiffsunfall auf der Ems im Dezember 2015 ist die Eisenbahnbrücke über die Ems durch einen Frachter zerstört worden. Um den durchgängigen Zugverkehr so schnell wie möglich wieder aufnehmen zu können, ist geplant, die Überführung als sogenannte Drehbrücke neu zu bauen. Mit der Fertigstellung der Eisenbahnbrücke wird 2024 gerechnet. Bis dahin pendeln Busse zwischen Leer und Weener. Ende 2024 soll auch die neue geplante Bahnhaltestelle in Ihrhove fertiggestellt sein. Sobald die Wunderline den Betrieb aufnimmt, werden auch in Ihrhove Züge halten.
Ursprünglich hieß es vonseiten der Bahn, dass für den Abbruch der Brückenpfeiler, die in der Ems stehen, sogenannte Lockerungssprengungen notwendig seien. „Es sind keine Sprengungen mehr vorgesehen, es erfolgt ein klassischer Abbruch mittels Hydraulikbagger“, so die Bahnsprecherin. Zuvor wird um die Pfeiler ein Spundwandkasten in die Ems gerammt. „So soll der Eintrag des Abbruchguts in den Fluss vermieden werden“, heißt es weiter. Die Entsorgung erfolgt per Schiff. Auf einer landwirtschaftlichen Fläche bei Hilkenborg in unmittelbarer Nähe zur Brücke ist eine provisorische Baustelle eingerichtet worden. Dort sind laut Bahn unter anderem Bürocontainer aufgestellt worden. Außerdem soll die Fläche als Lagerplatz für Baumaterialien und und Abbruchgut genutzt werden.
Kalkulierte Kosten stiegen von 66 auf 125 Millionen Euro
Der offizielle Start für den Brückenneubau war Ende Juli mit einer kleinen Feierstunde auf dem Fahrgastschiff Warsteiner Admiral direkt vor der Friesenbrücke.
Wie berichtet, sind die geschätzten Kosten für den Neubau der geplanten Drehbrücke stetig gestiegen, von 66 Millionen auf jetzt 125 Millionen Euro. Geplant ist, dass die Eisenbahnbrücke Ende 2024 in Betrieb genommen werden soll.