Rostock
2G-Regel und teure Tests: Impfzweifler-Paar bleibt beim Nein zum Piks
Kathrin und Robert Weber* bezeichnen sich selbst ausdrücklich nicht als Verschwörungstheoretiker – gegen Corona impfen lassen wollen sie sich trotzdem nicht. Eine Entscheidung mit weitreichenden Folgen. Auch für ihre drei Kinder.
Keine Corona-Impfung. Nicht jetzt und auch nicht in naher Zukunft. Das steht für Kathrin (38) und Robert Weber* (40) aus Mecklenburg-Vorpommern fest. „Wir sehen weder eine medizinische noch eine moralische Verpflichtung dazu“, sagt Kathrin. Dasselbe gelte für ihre Kinder, zwei von ihnen älter als 12 Jahre.
Für ihre Familie und sich nimmt sie lieber eine Corona-Erkrankung in Kauf, als vermeintliche Nebenwirkungen einer Impfung. „Wäre die Krankheit schlimmer, würden wir nach der Impfung lechzen“, bestätigt Robert Weber. Sie alle seien gesund und achteten auf ihre Ernährung, mit einem schweren Verlauf im Falle einer Infektion rechneten sie deshalb nicht.
Die Webers zweifeln nicht daran, dass die bisher zugelassenen Vakzine gegen eine Infektion schützen, sondern fürchten vermeintliche Impfschäden. Dass die Impfstoffe in so kurzer Zeit entwickelt wurden, mache sie misstrauisch, sagt Kathrin Weber - gerade der mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer. Sie habe Angst, dass die Präparate Autoimmunerkrankungen hervorrufen könnten.
Zudem schütze man mit der Impfung niemanden außer sich selbst, sind die beiden überzeugt - denn die Möglichkeit, sich zu infizieren und andere anzustecken, bleibe bestehen, wenn auch mit deutlich geringerer Wahrscheinlichkeit.
Bekanntenkreis ist größtenteils geimpft
Kathrin und Robert Weber heißen nicht wirklich so: Um ihre Kinder zu schützen, wollen sie anonym bleiben. In ihrem Bekanntenkreis gehen sie offen mit ihrer Entscheidung gegen die Impfung um, sagt Robert Weber: „Wir prahlen nicht damit. Aber ich finde, dass die Menschen im Gespräch bleiben müssen.“ Der Großteil ihres sozialen Umfeldes sei geimpft, gleichzeitig hätten sie fünf Ärzte in ihrem Bekanntenkreis, die die Impfung vor allem von jungen Menschen kritisch sähen, sagt Robert Weber.
Im Alltag hielten sie sich strikt an die Hygiene-Regeln, versichern die Webers. Sie hätten einen Vorrat an Selbsttests aus der Drogerie zuhause und nähmen zweimal pro Woche die Schnelltests in Anspruch, die ihr Arbeitgeber ihnen zur Verfügung stellt.
Bis vor Kurzem gab es bei negativem Ergebnis einen schriftlichen Nachweis - mit dem die beiden in den nachfolgenden 24 Stunden ins Restaurant oder Kino gehen konnten Das sei jetzt vorbei, berichtet Kathrin Weber. Sie hält das für reine Schikane, denn einen medizinischen Grund für die Verweigerung eines Nachweises könne sie nicht erkennen.
Verzichten statt Schnelltests selbst zahlen
Seit dem 11. Oktober gibt es auch die kostenlosen Bürgertests nur noch für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, für Schwangere und Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können - nun müssen die Webers die Schnelltests für Konzert oder Restaurant selbst bezahlen. Das soll aber die Ausnahme bleiben: Sie haben sich schon jetzt entschieden, zu verzichten, sagt Robert Weber: „Wir können dann eben nicht am öffentlichen Leben teilnehmen“. Zwischen 10 und 30 Euro müssten sie bei den Testzentren in ihrer Umgebung pro Person bezahlen. „Staatlich erlaubter Wucher“, nennt Kathrin Weber diese Preise.
Ihre drei Kinder würden weiterhin zweimal pro Woche in der Schule getestet. Sie mache sich aber Sorgen, dass sie von Klassenfahrten oder Freizeitveranstaltungen ausgeschlossen werden könnten, bei denen die 2G-Regelung herrscht, sagt Kathrin Weber. Impfen lassen will sie ihre Kinder trotzdem nicht - und die drei trügen diese Entscheidung mit, betont sie: „Sie werden natürlich von uns geprägt“.
Schließen Impfung in ein paar Jahren nicht aus
Gleichzeitig hätten sie den dreien auch erklärt, dass man noch nicht wissen könne, „wer am Ende Recht behält“, sagt Kathrin Weber. „Es kann sein, dass wir uns total irren.“ Ihr Mann und sie würden es nicht ausschließen, dass sie sich in ein paar Jahren doch noch impfen lassen - wichtig sei ihnen, dass sie diese Entscheidung selbst treffen können, nicht auf Druck von Politik und Gesellschaft.
Und wenn sich eines ihrer Kinder doch noch Impfen lassen möchte? „Das wäre zunächst recht problematisch für uns“, gibt Robert Weber zu. Er würde zusammen mit dem Kind mit mehreren Ärzten sprechen wollen, die verschiedene Ansichten hinsichtlich der Impfung vertreten. „Sollte es hart auf hart kommen und das Kind nach allen Diskussionen und Abwägungen auf die Impfung aus medizinischen Gründen bestehen, würden wir wohl zustimmen. Aber darum müssen wir uns zum Glück keine Sorgen machen“, stellt er klar.
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Einen sogenannten „Freedom-Day“, an dem alle Corona-Maßnahmen außer Kraft treten, würde das Paar begrüßen. Seiner Meinung nach sollte der Staat den Menschen alle Rechte zurückgeben, die er in den vergangenen Monaten eingeschränkt habe - damit sich die Menschen aus medizinischen Gründen für die Impfung entscheiden würden, nicht, um wieder feiern oder essen gehen zu können. „Im Moment ist es eine sehr emotionale Debatte“, sagt Kathrin Weber. „Vielleicht würde es dann wieder um die Impfung gehen.“
„Wir sind überhaupt keine Verschwörungstheoretiker“
Eines ist ihnen besonders wichtig: „Wir sind überhaupt keine Verschwörungstheoretiker“, versichert der 40-Jährige. „Wir haben uns immer schon informiert.“ Sie hätten regelmäßig den Corona-Podcast mit dem Virologen Christian Drosten gehört, verfolgten die Berichterstattung zum Thema und die Entwicklung der Sieben-Tage-Inzidenz. „Wir wollen nicht in unserer Blase bleiben“, sagt Kathrin.
Trotzdem fühlten sie sich nicht genug informiert, um sich guten Gewissens für die Impfung entscheiden zu können. Ihrer Meinung nach herrscht ein Ungleichgewicht in der Berichterstattung: Die Impfung gegen das Virus werde als einzige Möglichkeit propagiert, die Pandemie zu bekämpfen. Inzidenz und Hospitalisierungsrate würden tagesaktuell bekannt gegeben, Daten zur Häufigkeit von Impfschäden dagegen nicht, kritisiert Kathrin Weber.
* Name von der Redaktion geändert