Osnabrück

Holt-Prozess in Osnabrück: Nur Käsebrote und Büroarbeit – und kein Deal für Heinz L.?

Nina Kallmeier
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Von Nina Kallmeier
| 28.10.2021 17:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Prozess um Hendrik Holt und seine Mitstreiter wurde fortgeführt. Welche Rolle hatte seine Mutter? Foto: Swaantje Hehmann
Der Prozess um Hendrik Holt und seine Mitstreiter wurde fortgeführt. Welche Rolle hatte seine Mutter? Foto: Swaantje Hehmann
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Welche Rolle spielten die einzelnen Beteiligten im Fall Holt beim mutmaßlichen Betrug mit fingierten Windparks? Ein Blick auf Hendrik Holts Mutter – und warum es für Heinz L. keinen Deal geben könnte.

Auf den Bildern der Sport-Wirtschaftsgala 2018 im Emsland kommt Mutter Holt sympathisch rüber. Sie lächelt auf dem Preisträgerbild, auf dem nicht wie sonst in der Außendarstellung später üblich ihr Sohn Hendrik Holt zu sehen ist. Dieser war an dem Abend zwar ebenfalls anwesend, allerdings auf dem Podium - schließlich war das Unternehmen Holt einer der Sponsoren der Gala. Und auch Finanzdirektor Heinz L. war ins Emsland gekommen - allerdings nur kurz, ihm habe die Lasagne nicht geschmeckt, die den Abend serviert wurde, sagte ein Medienfachmann, der früher für die Holts gearbeitet hat, vor Gericht aus.

In Gesprächen wird Hendrik Holts Mutter oft als typische Emsländerin beschrieben, bodenständig und verwurzelt. Welche Rolle spielte sie im mutmaßlichen Betrug mit Windrädern, wegen dem sie sich zusammen mit ihrer Tochter und ihrem Sohn, Hendrik Holt und Heinz L. vor dem Landgericht Osnabrück verantworten muss?

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Rolle im Hintergrund des mutmaßlichen Betrugs?

Ein ehemaliger Geschäftspartner beschrieb ein Geschäftstreffen so: Sie sei ihm ohne Funktion vorgestellt worden, halt die Mutter. Käsebrötchen und Kaffee habe er von ihr bekommen.

Sie habe keinen Hintergrund im Windparkgeschäft, sagte auch ein Umweltgutachter aus, mit dem die Holts zusammengearbeitet hatten. Entsprechend überrascht sei er gewesen, als Mutter Holt ihn zu einem Termin mit einem Samtgemeindebürgermeister begleitete. Im Vorfeld habe er mit Hendrik Holt über den Termin gesprochen.

Das fehlende Wissen sei im Gespräch aufgefallen. Zumal es ein besonderes werden sollte. Anberaumt worden war es seitens des Bürgermeisters, wie der Umweltgutachter schilderte. Und dieser konfrontierte unter anderem Mutter Holt und ihn mit einem Schreiben, das er unterschrieben haben sollte. Der Inhalt: Der Samtgemeindebürgermeister äußerte sich mutmaßlich positiv über die Realisierbarkeit eines von Holt geplanten Projekts. Das Problem: Das Gegenteil war der Fall, das Schreiben nicht von ihm unterschrieben, schilderte der Umweltgutachter die Vorwürfe des Tages.

Zur Klärung des Vorfalls habe er auf dem Rückweg Hendrik Holt angerufen, nicht dessen Mutter konfrontiert. Daran habe er gar nicht gedacht.

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Für Online-Überweisungen zuständig?

Aus Ermittlungen soll hervorgehen, dass Mutter Holt auch für die Anweisung von Zahlungen zuständig war. Eine Polizeibeamtin, die als Finanz- und Vermögensermittlerin im Verfahren gegen Hendrik Holt, seine Mutter und Schwester sowie seinen Bruder und Finanzdirektor Heinz L. eingesetzt worden war, ordnet ihr Online-Überweisungen zu. Für diese sei Hendrik Holts‘ Mutter ermächtigt gewesen. Allerdings wies deren Verteidiger darauf hin, dass das Empfänger-Handy der TAN-Nummer auf Sohn Hendrik Holt zugelassen sei. Aus der Telefonüberwachung sei zu schließen, dass jedoch lediglich die Mutter dieses Handy nutze, sagte die Polizeibeamtin aus.

Fortgesetzt wird der Prozess um den mutmaßlichen Windkraftbetrug in der kommenden Woche. Bislang schweigen sämtliche Angeklagte zu den Vorwürfen. Allerdings haben sowohl die Anwälte von Hendrik Holt als auch die des Bruders, der Schwester und der Mutter bereits signalisiert, Interesse an einer Verständigung zu haben.

Kommt der Deal?

Anders steht es bei Finanzdirektor Heinz L.. An Verständigungsgesprächen sind seine Anwälte bislang nicht beteiligt. Seine Verteidiger wollen aber ein Angebot des Gerichts prüfen. Auch einen Vorschlag zum Strafmaß haben sie bislang nicht gemacht. Ob es dann eine Verständigung geben wird, ließ Richter Norbert Carstensen offen.

Anklagevertreter Nils Leimbrock hat bereits einen möglichen Strafrahmen präsentiert, sollten die Angeklagten gestehen: Bis zu acht Jahre für das Duo Heinz L. und Hendrik Holt. Nicht mehr als vier Jahre für dessen Mutter und Bruder. Und maximal drei Jahre und drei Monate für die Schwester.

Der Verteidiger der Mutter signalisierte, dass er sich eine dreijährige Freiheitsstrafe für seine Mandantin vorstellen könne. Zu bedenken gab er, dass sie die einzige der Angeklagten sei, die bereits vor Beginn der mutmaßlichen Betrügereien über Vermögen verfügte, das nun über den Insolvenzverwalter zur Schadenswiedergutmachung zur Verfügung stünde. Das müsse bei der Strafzumessung berücksichtigt werden.

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