Aurich

Prozess um Steuerhinterziehung: Zermürbt im Antragshagel

Franziska Otto
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Von Franziska Otto
| 28.10.2021 16:49 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das Amtsgericht in Aurich. Archivfoto: Banik
Das Amtsgericht in Aurich. Archivfoto: Banik
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Im Prozess um Steuerhinterziehung gegen einen ehemaligen Wiesmoorer Bürgermeister-Kandidaten stellte dessen Verteidiger erneut eine Flut von Anträgen. Bei den Beteiligten zeigte sich Resignation.

Aurich/Wiesmoor - Starke Nerven mussten alle Anwesenden im Prozess um Steuerhinterziehung gegen den ehemaligen Wiesmoorer Bürgermeister-Kandidaten Christian Rademacher-Jelten haben. Sein Verteidiger, Dr. Bernd Wagner, betrat den Saal im Amtsgericht Aurich am Donnerstag mit einem Stapel Papier, der dem Vorsitzenden Richter Markus Gralla beim Prozessbeginn nicht entging. „Wir setzen fort und ich sehe neue Anträge“, sagte er mit falscher Begeisterung in der Stimme.

Neben Rademacher-Jelten ist noch dessen ehemaliger Geschäftspartner angeklagt. Den beiden Männern wird vorgeworfen, insgesamt rund 250.000 Euro an Steuern mit ihrer Firma hinterzogen zu haben. Geschäfte der Firma waren unter anderen Unternehmensberatungen, eine Videothek und eine Autovermietung. Der Geschäftspartner gestand bereits an einem vorherigen Verhandlungstag. Im Gegenzug soll er mit einer Bewährungsstrafe davonkommen.

Viele Einwände und Anträge

Schon am ersten Verhandlungstag hatte Wagner Richter Gralla kaum zu Wort kommen lassen. Immer wieder hatte er ihn bei der Vernehmung von Zeugen unterbrochen und die Fragetechnik des Richters kritisiert. Auch am Donnerstag war Grallas Redeanteil in der rund zweieinhalb Stunden dauernden Verhandlung gering. Es wurden keine Zeugen mehr gehört.

Eigentlich sollte die Beweisführung geschlossen werden – doch dagegen hatte der Verteidiger einiges einzuwenden. Er wollte mehr Zeugen hören. Richter Gralla lehnte das ab mit dem Verweis, dass die besagten Personen in Italien und Griechenland sind, statt wie angegeben in Aurich und Oldenburg. Außerdem würde eine Befragung keinen Erkenntnisgewinn bringen, sagte er.

Beim nächsten Mal Plädoyers

Kaum zehn Minuten vergingen im Prozess, ohne dass der Verteidiger etwas einzuwenden hatte. Immer wieder musste Gralla die Sitzung unterbrechen, um sich mit seinen Schöffen über die Anträge zu beraten. Wagner forderte zum Beispiel einen Sachverständigen, der ein Gutachten zu den Erlös-Chancen der Videothek Rademacher-Jeltens erstellen sollte. Auch das wurde vom Richter abgelehnt.

Während Wagner seine Anträge und Einsprüche formulierte, zeigte sich bei den Prozessbeteiligten Resignation. Staatsanwalt Jan Wilken legte seine Stirn fast durchgängig in Falten. Der Verteidiger des Geschäftspartners, Eberhard Schlette, kämpfte gegen die Müdigkeit. Immer wieder fielen ihm die Augen zu und sein Kinn sank auf die Brust.

Nachdem die zusätzlichen Anträge Wagners von Gralla abgeschmettert wurden, stellte der Richter fest, dass noch genügend Zeit für die Staatsanwaltschaft und die Verteidiger wäre, um zu plädieren. Staatsanwalt Wilken war damit einverstanden – Wagner nicht. Er brauche deutlich mehr Zeit zur Vorbereitung, Experten müssten konsultiert werden, sagte er. Sollte von ihm nun ein Plädoyer verlangt werden, dann würde er eine Aussetzung des Verfahrens beantragen, sagte der Verteidiger.

So weit ließ Gralla es nicht kommen. Die Plädoyers können warten, sagte der Richter, bis zum nächsten Verhandlungstag am 8. November ab 10.30 Uhr.

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