Hamburg

Der nächste Musical-Hit? „Die Eiskönigin“ gewährt erste Einblicke

Ralf Döring
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Von Ralf Döring
| 25.10.2021 20:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Frostig schön: Sabrina Weckerlin als Eiskönigin Elsa (rechts) und Celena Pieper als Anna posieren im Bühnenbild des Musicals „Die Eiskönigin“ fürs Foto. Foto: Christian Charisius/dpa
Frostig schön: Sabrina Weckerlin als Eiskönigin Elsa (rechts) und Celena Pieper als Anna posieren im Bühnenbild des Musicals „Die Eiskönigin“ fürs Foto. Foto: Christian Charisius/dpa
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„Die Eiskönigin“ war ein riesiger Erfolg auf der Kinoleinwand und als Musical am Broadway und im Londoner West-End. Jetzt kommt das Stück nach Hamburg, und vorher gab es erste Einblicke in die Produktion.

Plötzlich wird’s eisig. Die Orchester im Graben nimmt einen gewaltigen Aufschwung, Soundeffekte klirren, und in Sekundenschnelle überzieht eine Eisschicht das wuchtige Holzportal, das die Bühne umrahmt. Die dunklen, reich verzierten Bretter verschwinden hinter einem blaugetönten Panzer, und zur Krönung schiebt sich ein frostiges Gebilde aus Eiszapfen von links auf die Bühne des Theaters an der Elbe. Ein Schlüsselszene des Musicals „Die Eiskönigin“, das dort am 8. November seine Premiere erlebt.

Ein erster Eindruck von der „Eiskönigin“:

An diesem Montagnachmittag geht es darum, für die neue Produktion der Stage Entertainment zu werben. Also öffnet das Team den Vorhang einen Spaltbreit und lüftet ein paar der gut gehüteten Geheimnisse.

Perfekte Inszenierung

Schon diese Präsentation ist perfekt inszeniert: Die beiden Hauptdarstellerinnen Sabrina Weckerlin und Celena Pieper werden im rotsamtenen Foyer des Theaters von Fernsehteam zu Fernsehteam gereicht, Regisseur Adrian Sarple gibt Interviews, die musikalische Beraterin Annbritt duChateau und Choreograf Charlie Williams, die Produzentin Kerstin Schnitzler. Die Kernaussage der Interviews wird dabei im vielstimmigen unisono vorgetragen und überrascht nur wenig: Alles sind so gut gelaunt, als wäre Musical das Leichteste der Welt. Das Stück ist magisch, alle sind überwältigt, alle sind stolz und glücklich, Teil einer solchen Produktion zu sein. Vor allem nach dem Lockdown.

Groß sind eben nicht nur die Emotion auf, sondern auch hinter der Bühne: Nach dem ersten Durchlauf habe sie „Tränen in den Augen“ gehabt, sagt Pieper, und vielleicht spielt bei der Rührung auch der Umstand eine Rolle, dass es für sie, nach dem Musicalstudium in Osnabrück, die erste Hauptrolle in einer riesigen Produktion ist. Aber auch die weitaus erfahrenere Weckerlin bestätigt das Glücksgefühl: Bühnenkünstler leben eben für die Bühne und fürs Publikum. Und da ist es schon ein besonderer Moment, nach anderthalb Jahren Abstinenz zum ersten Mal wieder mit Orchester, in Kostümen und fertigem Bühnenbild auf der Bühne zu stehen, zu singen, zu tanzen.

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Nun muss ein Musicalunternehmen wie Stage Entertainment ohne Fördergelder auskommen. Das heißt: „Die Eiskönigin“ muss einschlagen. Produzentin Schnitzler ist aber gelassen; das Stück bringt die besten Voraussetzungen für einen Erfolg mit. Schon der Animationsfilm „Die Eiskönigin - völlig unverfroren“ spielte der Produktionsfirma Disney 1,3 Milliarden Dollar in die Kassen, das Musical, ebenfalls eine Disney-Produktion, avancierte unter dem Titel „Frozen“ am Broadway zum erfolgreichsten Stück am St. James Theatre. Bis Corona die Aufführungsserie stoppte.

Strenge Corona-Auflagen

Seit sieben Wochen probt nun das Hamburger Team für die Deutschlandpremiere, Corona-bedingt mit einem halben Jahr Verspätung. Deshalb soll, nein: darf Corona jetzt keine Chance haben. Deshalb gelten für die Gäste dieser Vorschau strengste Auflagen: Kontaktdaten zu hinterlegen, ist obligatorisch, der Schnelltest auch, selbst für Geimpfte und Genesene. Im Theater herrscht Maskenpflicht, und jeder Körperkontakt wird strengstens untersagt; nicht einmal die Begrüßung mit Faust oder Ellbogen ist erlaubt.

Immerhin: Der Vorverkauf läuft gut, sagt Produzentin Schnitzler. Das „dennoch“ spricht sie nicht aus, aber es schwingt leise mit: Noch löst die Vorstellung voller Säle bei Teilen des Publikums Unbehagen aus. Tatsächlich lässt Stage Entertainment auch da Vorsicht walten: Während der Premiere wird das Publikum mit Maske im Publikumsraum sitzen. Zumindest nach derzeitigem Stand.

Und was gibt es zu erleben? Eine Szene präsentiert einen Großteil des Ensembles, mit heiterer Musik und einer Celena Pieper, die die naive Impulsivität der Anna mitreißend in Schauspiel, Tanz und Gesang überträgt.  Dunkle Holzkulissen, wallende Kleider und schmucke Uniformen erzeugen Mittelalter-Schloss-Feeling, und für die authentische Dosis Probenatmosphäre arbeitet Choreograf Williams noch ein bisschen mit dem Ensemble, mit einem „Darling“ hier und einem „wonderful“ da. Das Musical ist halt vorwiegend heiter.

Die zweite Szene zeigt die faszinierend unterkühlte Welt der Eiskönigin: Eisblumen und -kristalle funkeln in floralen Mustern um die Wette, und hier kommt Anna, begleitet von Rentier Sven und Schneemann Olaf. Damit bekommen die Zuschauer eine Ahnung davon, wie geschickt die Musicalmacher die Zeichentrick-Vorlage auf die Bühne übertragen haben: Das Rentier bewegt sich ziemlich authentisch - was Regisseur Sarple im Gespräch noch mal nachdrücklich betont -, der Schneemann ist eine Puppe, und für die besonderen Effekte sorgen Licht und Video. Das Duett der beiden Schwestern ist eindringlich mit der nötigen Portion Musicalpomp - wenn der große Rest der „Eiskönigin“ ebenso gut gelungen ist, erwartet Musicalliebhaber ein bewegender Abend.

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