Aurich

Mit Baseballschläger Hochzeitsgäste verprügelt: Brüder verurteilt

Christiane Norda
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Von Christiane Norda
| 21.10.2021 19:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Vor dem Amtsgericht mussten sich drei Brüder wegen gefährlicher Körperverletzung und schweren Landfriedensbruchs verantworten. Archivfoto: Banik
Vor dem Amtsgericht mussten sich drei Brüder wegen gefährlicher Körperverletzung und schweren Landfriedensbruchs verantworten. Archivfoto: Banik
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Drei Brüder hatten auf einer Hochzeit in Großefehn mit Baseballschlägern Gäste verprügelt und einen Massentumult ausgelöst. Vor Gericht versuchten sie, ihre Tat herunterzuspielen.

Aurich - Vor dem Amtsgericht ist am Donnerstag ein 37-Jähriger wegen gefährlicher Körperverletzung und schweren Landfriedensbruchs zu drei Jahren Haft verurteilt. Seinem 33-jährigen Bruder ließ sich lediglich die Beteiligung am Landfriedensbruch nachweisen. Er erhielt eine zweijährige Bewährungsstrafe und muss 1000 Euro an eine Opferhilfeorganisation zahlen. Ein weiterer Bruder wurde freigesprochen. Zeugen hatten den 27-Jährigen entlastet.

Die drei Brüder waren angeklagt, auf einer türkischen Hochzeitsfeier in Großefehn mit rund 700 Gästen eine Familie angegriffen zu haben, die sich aus Schleswig-Holstein als geladene Gäste eingefunden hatten. Nach Überzeugung des Schöffengerichts um Dr. Markus Gralla hatte der 37-Jährige einen 62-jährigen Mann und dessen 60-jährige Frau sowie deren 38-jährige Tochter mit einem Baseballschläger geschlagen und alle drei schwer verletzt. Anschließend hatte er gemeinsam mit dem 33-Jährigen auf das Auto eines Ehepaares eingeschlagen und es stark demoliert.

Streit entzündete sich an Eheschließung

Wie berichtet, war der Familienstreit im Sommer 2019 wegen einer missliebigen Eheschließung eskaliert. Eine Tochter der angereisten Familie hatte einen Italiener geheiratet, was bei ihren Verwandten in Ostfriesland auf Ablehnung gestoßen war. In der Verhandlung hatten die Angegriffenen einstimmig angegeben, zunächst als normale Gäste an der Feier teilgenommen zu haben, bis sie vor einem bevorstehenden Angriff gewarnt worden seien und die Party hätten verlassen wollen.

Vor der Tür habe es einen großen Tumult gegeben, an dem rund 300 Menschen beteiligt gewesen seien. Vater und Mutter seien geschlagen, der Tochter sei gegen Kopf und Körper getreten worden. Vater und Tochter hätten im Krankenhaus behandelt werden müssen. Das umstrittene Ehepaar habe sich in sein Auto gerettet, auf das zwei der Angeklagten mit Baseballschlägern eingedroschen hätten. Die 60-jährige Zeugin hatte zunächst Bedenken geäußert, in Anwesenheit der Angeklagten auszusagen. Sie belastete den 37-Jährigen schwer. „Wir haben heute noch Angst vor ihm“, erklärte sie. Stein des Anstoßes sei ihr italienischer Schwiegersohn gewesen. Der 36-jährige habe regelrecht flüchten müssen. Der berichtete, das Geschehen sei ihm wie ein Film erschienen. „Ich hatte Angst um mein Leben“, sagte er.

Angeklagte versuchten, Tat herunterzuspielen

Während der Verhandlung hatten die Angeklagten versucht, die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft herunterzuspielen und sich dabei auf ihr enges Verwandtschaftsverhältnis zu den Opfern berufen. Es sei zum Streit gekommen, ja, aber nicht zu den beschriebenen Gewaltausbrüchen. Inzwischen habe man sich wieder vertragen, weitere Hochzeiten in selber Besetzung stünden an.

Obwohl die Zeugenaussagen mitunter „widersprüchlich und nicht konstant“ gewesen seien, zweifelte das Schöffengericht nicht an der Schuld der Angeklagten. In dem Tumult und mit ihrer Angst hätten die Angegriffenen nicht immer klare Zuordnungen treffen können, hieß es in der Urteilsbegründung. Scharf verurteilte Richter Gralla die Motive für die gewaltsamen Übergriffe. Sie hätten ihre Opfer aus „rassistischen Gründen“ attackiert. Er warf dem 37-Jährigen eine entsprechende Gesinnung vor, die sich auf das Urteil strafverschärfend auswirke. Es sei unbegreiflich, dass eine Staatsangehörigkeit ein Problem darstelle, befand er. Darum habe hier ein Exempel statuiert werden müssen.

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