Südbrookmerland
Nach Wechsel zur FWG: SPD-Chefs zwischen Wut und Frust
Die SPD-Fraktionschefs wurden von Sophia Ulferts-Dirksens Wechsel zur Freien Wählergemeinschaft überrumpelt. Sie sind wütend – und spekulieren über die ihre Hintergründe.
Südbrookmerland - Überraschung und Wut herrschen am Mittwoch bei der Fraktionsspitze der Südbrookmerlander SPD-Fraktion vor. Der Wechsel von Sophia Ulferts-Dirksen zur Freien Wählergemeinschaft hat Stefan Kleinert (Noch-Fraktionschef), Hange Ukena und Helga Gloger (neue Doppelspitze) überrumpelt. Alle drei sind sauer. Sie fühlen sich von ihrer Ex-Parteikollegin betrogen.
Stefan Kleinert konnte seine Entrüstung kaum in Worte fassen. Er erfuhr am Mittwoch durch die ON von Ulferts-Dirksens Wechsel. Es habe zwar Gerüchte innerhalb der Reihen der Partei gegeben, sagte Kleinert. Aber daran geglaubt, dass sie einen wahren Kern haben könnten, habe er nicht. „Ich bin wirklich völlig überrascht.“
„Wir wussten immer, sie holt nicht viele Stimmen“
Kurz nach der Entrüstung übernahmen bei Kleinert Wut und Unverständnis. Nun findet er auch deutliche Worte. Ulferts-Dirksen sei immerhin über die SPD-Liste reingekommen. „Wir wussten immer, sie holt nicht viele Stimmen.“ Dass sie nun über die SPD zur FWG-Fraktion wechselt, sei völlig inakzeptabel. „Das ist wirklich verwerflich. Ein einziger Betrug an den Wählern.“
Ulferts-Dirksen hatte nur Hange Ukena am Mittwoch über ihren Austritt selbst informiert. Für ihn kam die Nachricht aus dem Nichts – zuvor habe es keinen Auslöser gegeben, womit das Verhalten Ulferts-Dirksens nachvollziehbar wäre. Streitereien gebe es zwar, die seien aber in der Politik ganz normal. Ulferts-Dirksen sagte den ON hingegen, dass es in den vergangenen Tagen mehrere Situationen gegeben habe, die sie zu ihrem Entschluss gebracht hätten.
Fraktionschefs spekulieren über Abkommen
Über die Hintergründe für den Wechsel spekulieren die Südbrookmerlander SPD-Chefs. „Ich denke, dass es ein Abkommen gab“, sagte Ukena. Dasselbe vermutet Kleinert: „Ich weiß nicht, was die FWG ihr dafür geboten hat.“ Sie stützen diese Thesen auf einen Bericht der ON über die FWG. Darin sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende, Ralf Geiken, dass er sich Ulferts-Dirksen gut wieder als Vorsitzende des Bauausschusses und des Gemeinderates vorstellen könne. In trockenen Tüchern ist das aber noch lange nicht.
Helga Gloger geht bei ihren Vermutungen über die Hintergründe zum Wechsel noch einen Schritt weiter. „Sie wurde wohl gekauft und mit Posten geködert“, sagte sie. Immerhin sei Ulferts-Dirksen selbstständig auf die FWG zugegangen. Die SPD hätte wahrscheinlich weder den Vorsitz beim Bauausschuss noch beim Rat besetzt, dort habe die FWG voraussichtlich die erste Wahl. „Sieht aus, als wäre ihr der Posten wichtiger als die Parteizugehörigkeit“, sagte Gloger.
Fragwürdig finden die Parteichefs, dass sich Ulferts-Dirksen erst vor wenigen Wochen zur Schriftführerin wählen ließ. „Ich melde mich dafür doch nicht, wenn ich keine Lust mehr auf die Partei habe“, sagte Ukena.