Berlin
Kinderimpfstoff: Jugendärztepräsident warnt vor Impfdruck der Politik
Nach dem Start des Zulassungsverfahrens für einen Corona-Impfstoff für Kinder durch die EMA hat Kinder- und Jugendärztepräsident Thomas Fischbach die Politik vor Impfdruck auf Familien gewarnt.
Er gehe zwar davon aus, dass der von Biontech entwickelte Kinderimpfstoff schon bald in der EU zugelassen werde, sagte der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) im Gespräch mit unserer Redaktion. „Wir als Verband raten aber dringend, anschließend die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) abzuwarten.“
Spahns Einmischung im Sommer "übergriffig und kontraproduktiv“
Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hatte am Montag das Zulassungsverfahren für einen Impfstoff für Kinder ab fünf Jahren gestartet, bislang ist das Vakzin erst ab 12 Jahren zugelassen.
Dass Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und andere Politiker im Sommer schon Impfungen von Kindern ab 12 eingefordert hatten, bevor Mediziner und Wissenschaftler dazu rieten, sei „übergriffig und kontraproduktiv“ gewesen und habe viel Verwirrung bei Patienten und in Familien sowie Arztpraxen verursacht, kritisierte Fischbach. „Daher sollte sich auch Herr Spahn jetzt tunlichst zurückhalten. Ihm fehlt die Expertise, und wir Kinder- und Jugendärzte äußern uns auch nicht zu Themen, von denen wir nichts verstehen.“
Long Covid „sicher häufiger, als behauptet wird“
Grundsätzlich sei es durchaus positiv, dass ein verträglicher und wirksamer Impfstoff für kleinere Kinder in Aussicht stehe. So gebe es trotz überwiegend milder Verläufe doch eine relevante Anzahl von Long-Covid-Fällen auch in der Altersgruppe, das Phänomen trete „sicher häufiger auf, als behauptet wird“, so Fischbach.
Dennoch müsse genau geklärt werden, für wen ein Kinderimpfstoff wirklich sinnvoll eingesetzt werden könne, sagt er. „Diese Frage muss die Ständige Impfkommission auf Grundlage ausreichender Daten beantworten, ohne politischen Druck, aber auch ohne unnötigen Zeitverzug.“