Aurich
Jung, kämpferisch, links: Auricher Jugendliche wollen sich einmischen
Klimaschutz, legale Drogen und bessere Busverbindungen: In Aurich hat sich die Linksjugend „Solid“ gegründet. Streitbar wolle man sein, kündigen die Gründungsmitglieder an.
Aurich - Mit Argwohn beobachten viele Erwachsene immer noch Jugendliche, die sich politisch engagieren. Das gilt vor allem dann, wenn die jungen Leute sich poltischen Forderungen anschließen, die Veränderungen von jedem einzelnen erfordern. So wurde die neue Grünen-Jugend, die sich Ende September in Aurich gegründet hat, in den so genannten sozialen Medien heftig beschimpft. Genügt hatte die Pressemitteilung, dass die Jugendorganisation sich gegründet hatte. Das Foto dazu zeigte die Jugendlichen mit einem Lastenfahrrad – mehr brauchte es nicht, um einen Sturm der Entrüstung im Internet auszulösen.
Verbot des Verfassungsschutzes gefordert
Ähnliches erwartet nun auch Jasper Adden. Der 17-Jährige hat zusammen mit anderen Jugendlichen, darunter Jayden Maurer und Kai Beitelmann die Linksjugend „Solid“ in Aurich gegründet. Insgesamt hat die Nachwuchsorganisation der Linkspartei in Aurich 15 Mitglieder.
Unumstritten ist „Solid“ bundesweit nicht. Einige Landesverbände stehen unter der Beobachtung des Verfassungsschutzes. Sie gelten zum Beispiel in Bayern und Baden-Württemberg als „linksextremistische Bestrebung“. Jasper Adden hat dazu eine klare Meinung: „Wir fordern die Abschaffung des Verfassungsschutzes.“ Denn es handle sich um willkürliche Beobachtungen, die unverhältnismäßig seien. Die Ursache liegt laut Adden im „Problem des Rechtsextremismus im Verfassungsschutz und dem Rechtsruck in den Behörden allgemein.“ Das sind allerdings keine Aussagen speziell der Auricher Gruppierung, sondern gibt die bundesweite Ansicht der „Linksjugend wieder.
„Nach der Bundestagswahl hat die Linke vermehrt Zulauf von jüngeren Leuten bekommen“, sagt Jayden Maurer im ON-Gespräch. Da habe der Gedanke nahegelegen, die Linksjugend auch formal zu gründen. Maurer ist schon seit mindestens zwei Jahren politisch aktiv. Er engagiert sich bei „Fridays for Future“, organisiert die Demonstrationen in Aurich mit. Vermischen will er beides nicht. Gleichwohl steht der Klimaschutz auch bei der Linksjugend ganz oben auf der Agenda. „Die Linke hat das konsequenteste Klimaschutzprogramm, das umsetzbar ist“, sagt Jasper Adden. Er ist erst vor zwei Monaten in die Partei eingetreten, kurze Zeit nach Jayden Maurer. Der Wahlkampf für die Kommunal- und die Bundestagswahl habe Spaß gemacht, auch wenn am Ende das Ergebnis für die Linke nicht so gut gewesen sei.
„An jeder Auricher Schule gibt es Drogen“
Eine eindeutige Meinung haben Adden, Maurer und Beitelmann auch zum Thema Cannabis. Die Droge sollte schnellstens legalisiert werden, so Adden. Dafür setze er sich ein. Denn der Schwarzmarkt sei in Aurich schon seit Jahren ein Thema. An jeder Schule in der Stadt gebe es Drogen. „Und man kann nicht wissen, was genau da verkauft wird.“ Deshalb sei der Vorschlag, Cannabis künftig in Fachgeschäften anzubieten, vernünftig.
Im Augenblick diskutieren SPD, Grüne und FDP bei ihren Sondierungsgesprächen genau über dieses Thema. „Jeder Jugendliche in Aurich, egal, ob an Drogen interessiert oder nicht, weiß, wie er da ran kommt“, sagt Maurer. Auch das Argument, dass der Straßenverkehr bei einer Legalisierung gefährlicher würde, zähle nicht. Denn nach der Logik müsse Alkohol auch verboten werden, so Adden. „Und die Leute fahren jetzt auch bekifft mit dem Auto“, so Beitelmann.
„Busse müssen eine gleichwertige Alternative zum Auto werden“
Nicht nur Bundespolitik, auch lokale Themen sollen auf der Agenda der Linksjugend stehen. „Aurich muss mit dem öffentlichen Personennahverkehr besser vernetzt werden“, sagt Maurer. Es sei ein Riesenproblem, nicht nur wegen des Klimawandels, dass der ÖPNV in der Region nicht funktioniere. Nicht jeder wohne im Zentrum Aurichs. „Wir wollen das Auto nicht verbieten.“ Aber es könne nicht sein, dass Auto fahren günstiger sei als mit dem Bus zu fahren. Maurer betont, dass nicht das Auto teurer gemacht werden soll. „Der Bus muss günstiger und so eine gleichwertige Alternative werden.“
Sorge bereitet den drei Jugendlichen, dass sie von Erwachsenen sofort in Schubladen gesteckt werden. „Wir hatten den Gründungsantrag noch nicht ganz ausgefüllt, da wurden wir schon gefragt, ob wir uns zur Nato bekennen würden“, erzählt Maurer. Dabei müssten zunächst mal die Strukturen aufgebaut werden. Inhaltlich sei beim ersten Plenum am vorigen Freitag noch gar nicht diskutiert worden. Und dann wolle man sich auch vor Ort einmischen, ehe es zu Debatten über die Bündnistreue Deutschlands komme. Aus dem Weg werde man aber keinem Thema gehen, so Adden. „Wir haben alle Lust auf politische Debatten.“