Schwerin
Sex-Partys im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern?
Ein AfD-Politiker behauptet, der Plenarsaal in Mecklenburg-Vorpommern sei mit Erlaubnis und unter den Augen des Landtags-Wachdienstes für Partys missbraucht worden.
Die Schlösser des französischen Adels waren sein Vorbild, aber das hätte der Großherzog selig denn doch nicht gewollt: Die Parlamentsverwaltung geht Hinweisen wegen möglicher Sex-Partys im Landtag Mecklenburg-Vorpommern nach. „Wir nehmen die Hinweise ernst“, sagt Landtagsdirektor Armin Tebben.
Ein früherer Beamter des Landeskriminalamtes, der zu seiner aktiven Zeit auch für den Landtag gearbeitet hat, sei mit der Recherche beim Wachdienst beauftragt worden. Landtagspräsidentin Birgit Hesse (SPD) wurde von der Verwaltung in Kenntnis gesetzt. Gegen Abgeordnete wird nicht ermittelt.
Nächtliche Damenbesuche
Im Raum steht sogar der Vorwurf, der Plenarsaal sei mit Erlaubnis und unter den Augen des Landtags-Wachdienstes für Partys missbraucht worden. „Das wäre ein ganz erheblicher Verstoß, der möglicherweise strafrechtlich relevant ist“, so Tebben. Über den Plenarsaal verfügt die Parlamentspräsidentin, eine illegale Nutzung wäre Hausfriedensbruch. In den Räumen der Fraktionen sieht das anders aus. Allerdings müssen dort nächtliche Aufenthalte bei der Verwaltung angezeigt werden. Ein Abgeordneter soll dort Besuch empfangen haben - von einer Dame, die man zu Großherzogs Zeiten wohl Kokotte genannt hätte.
Ein Video auf Facebook hatte den Stein ins Rollen gebracht. Hochgeladen von Thomas Kerl aus Greifswald, einer der führenden Köpfe der innerparteilichen Opposition in der Landes-AfD. Dort beruft sich Kerl auf einen Brief an ihn und verweist auf Einträge auf einer Erotik-Internetseite, deren Wahrheitsgehalt sich derzeit nicht verifizieren lässt. Deshalb verzichtet unsere Redaktion, der das Material ebenfalls vorliegt, auf die zum Teil unappetitlichen bis skandalösen Details. Die Einträge auf der Erotik-Plattform sollen vom Abgeordneten stammen.
Keine Videoaufzeichnung
Kerl zitiert dann aus dem angeblichen Brief zur Person des Abgeordneten: „Es ist mitnichten ein konservativer Politiker, dem es um Familie und Heimat geht.“ Weitere Informationen stammten laut dem Briefeschreiben von der Wache des Landtages: Dort erzähle man von „regelmäßig des Nachts veranstalteten Saufgelagen“ des Parlamentariers, „zu denen auch leicht bekleidete Mädchen geladen worden sind“. Diese seien dann auf Bitten des Abgeordneten von der Wache durchgelassen worden. Und weiter: „Hier soll man auch das eine oder andere Mal brisante Einblicke aus der Videoüberwachung des Plenarsaals erhalten haben.“ Laut Landtagsdirektor Tebben gibt es zwar eine Videoüberwachung - allerdings keine Aufzeichnungen. Der Briefeschreiber liefert auch eine längere Liste mit Terminen, an denen die Partys stattgefunden haben sollen.
Der Ex-Kriminalkommissar könnte viel zu tun bekommen.