Schwerin

Preise für Fischbrötchen schießen in die Höhe

Torsten Roth
|
Von Torsten Roth
| 13.10.2021 19:46 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Werden teurer: Fischbrötchen am Imbissstand Foto: Monika Skolimowska/dpa
Werden teurer: Fischbrötchen am Imbissstand Foto: Monika Skolimowska/dpa
Artikel teilen:

Die von der EU beschlossene drastische Fangquotenkürzung für Hering und Dorsch treibt Preise hoch. Die ersten Fischer an der Ostsee machen dicht.

Abschied vom frischen Matjes- oder Bismarckhering im Kutterverkauf: Nach den von der EU drastisch reduzierten Fangquoten werden Fischbrötchen mit frischem Hering aus der Ostsee künftig zur Mangelware. Mit der Entscheidung geht den Kutter- und Küstenfischern in Mecklenburg-Vorpommern (MV) der Frischfisch aus. Künftig könnten frische Heringsbrötchen kaum noch angeboten werden, erklärte Bärbel Schreiber, Geschäftsführerin des Landesverbandes der Kutter- und Küstenfischer MV und Chefin der Fischereigenossenschaft Wismarbucht gestern.

Preise für Fischbrötchen steigen

Brüssel verdirbt Fischbrötchenliebhabern den Appetit: Statt Frischware müsse künftig Frostfisch beispielsweise aus Dänemark zugekauft werden, sagte die Fischereichefin. Das treibe die Kosten hoch und komme Verbrauchern teuer zu stehen. So müssten Kunden mit deutlich steigenden Preisen rechnen, sagte Schreiber: „Frischer Fisch wird mit einem guten Stück Fleisch vergleichbar.“ 

Auch interessant:

Statt derzeit vier Euro für ein Fischbrötchen könnten die Preise auf sechs bis sieben Euro steigen. Nach dem Beschluss der EU-Minister dürfen deutsche Fischer im kommenden Jahr nur noch 435 Tonnen Hering und 104 Tonnen Dorsch fangen. Hering darf künftig nur noch als Beifang eingeholt werden.

Fangmengen reichen nicht mehr

Zu wenig für die nur noch etwa 100 verbliebenen Kutter- und Küstenfischer an der Ostseeküste: Schon seit Jahren seien die Fangquoten immer wieder gekürzt worden. Die Fischer hätten bereits eine lange Durststrecke hinter sich, meinte Schreiber. Der diesjährige Quotenbeschluss aber - „das ist das Ende“. 

 Die verbleibenden Fangmengen reichten nicht mehr aus, die Berufsfischerei aufrechtzuerhalten. Auch könnten Einbußen beim Hering und Dorsch durch den Fang von Flunder, Aal oder Forelle nicht mehr ausgeglichen werden.

Kürzungen zu Lasten Deutschlands

Mit ihrer Entscheidung beerdige die EU die Dorsch- und Heringsfischerei in der westlichen Ostsee, hatte Agrarminister Till Backhaus (SPD) die Quotenkürzung kritisiert. Die Kürzungen gingen erneut zu Lasten der deutschen Fischerei. Darunter würde vor allem das strukturschwache Vorpommern leiden, das ein Hauptfanggebiet für Hering sei. Backhaus forderte, den Bestand an Ostsee-Hering als Ganzes zu betrachten und so zu bewirtschaften, dass keine Fischereiregion mehr massiv benachteiligt werde.

Von den bisherigen Entscheidungen hätten immer wieder dänische und schwedische Fischer profitiert, die überwiegend mit größeren Kuttern fischen. „Es darf nicht sein, dass der Fischerei dort mehr Fangmöglichkeiten eingeräumt werden als im Laichgebiet vor der vorpommerschen Küste“, verlangte Backhaus.

Der Bund für Umwelt und Natur (BUND) begrüßte indes die EU-Entscheidung. „Uns bleibt nicht mehr lange, um einen vollständigen Kollaps des Ökosystems in der Ostsee zu verhindern“, sagte BUND-Vorsitzende Olaf Bandt: „Die Zeit für kosmetische Anpassungen ist endgültig vorbei.“ Gebraucht würden tiefgreifende Veränderungen in der Fischerei.

Fischer holen für immer Netze ein

Dutzende Fischer in MV ziehen die Konsequenzen: Hiddensee, Lauterbach, Stahlbrode - inzwischen hätten drei Fischereigenossenschaften mit knapp 30 Fischern angekündigt, in diesem Jahr für immer die Netze einzuholen, erklärt Schreiber. Thiessow und Gager auf Rügen wollten 2022 schließen. Andere werden folgen: „In zehn Jahren wird es in Mecklenburg-Vorpommern keine Kutterfischer mehr geben“, erwartet Schreiber. Da werde auch die für das zweite Halbjahr 2022 angekündigte Neuauflage der Stilllegungsprämie nicht mehr helfen. Die Fischer bräuchten jetzt Hilfe zum Überleben, meinte Schreiber. Mit den Beihilfen sollen Fischer für die zweitweilige Stillegung ihrer Kutter einen Ausgleich erhalten. In den 90er-Jahren hatten in MV noch 1000 Fischer ihr Auskommen.

Ähnliche Artikel