Sörup
Wer ist der Mann aus Sörup, der AfD-Bundesvorsitzender werden will?
Rüdiger Lucassen ist AfD-Vorsitzender in Nordrhein-Westfalen. Gegenüber shz.de erzählt er, wie ihn seine Herkunft prägt und welche Verbindungen er heute noch nach Flensburg hat.
AfD-Bundeschef Jörg Meuthen hat seinen Rückzug angekündigt, und ein Name wird besonders häufig genannt, wenn es um die Nachfolge geht: Rüdiger Lucassen.
Der 70-jährige Bundestagsabgeordnete lebt in der Nähe von Düsseldorf und ist Landesvorsitzender seiner Partei in Nordrhein-Westfalen. Er stammt aber aus Schleswig-Holstein, genauer aus Angeln. Sich selbst beschreibt er als „Norddeutschen durch und durch“.
Geboren wurde er 1951 in Dollerupholz. Aufgewachsen ist er in Sörup. Dorthin zog seine Familie nach einer Zwischenstation in Grundhof, als er fünf Jahre alt war. Noch heute verbringt er regelmäßig Zeit im Ferienhaus, das er gemeinsam mit seiner Schwester in Pottloch bei Gelting besitzt. Seine Mutter Marga lebte bis zu ihrem Tod vor vier Jahren zuletzt in Flensburg.
Klare Ambitionen auf Parteivorsitz
„Meine Herkunft prägt mich bis heute“, sagt er im Gespräch mit shz.de, und damit meint er vor allem seine direkte Art. Damit falle er im Rheinland auf jeden Fall auf. So war er auch der erste, der am Montag ganz direkt seine Ambitionen öffentlich machte, den AfD-Bundesvorsitz zu übernehmen. Am Dienstagmorgen im Deutschlandfunk-Interview stellte er die bisher übliche AfD-Doppelspitze in Frage - und forderte damit indirekt auch den Co-Vorsitzenden Tino Chrupalla aus Sachsen heraus.
Seit 2019 Landeschef in NRW
Wer ist der Mann, der in seiner Partei eine steile Karriere hingelegt hat und jetzt ganz nach oben will? Rüdiger Lucassen brachte es bei der Bundeswehr bis zum Oberst im Generalstab. 2016 trat er in die AfD ein, nur ein Jahr später wurde er Bundestagsabgeordneter und profilierte sich vor allem als Verteidigungspolitiker. Seit 2019 ist er Landesvorsitzender in Nordrhein-Westfalen.
Lucassen zählt sich selbst zum gemäßigten Flügel seiner Partei und galt lange als Unterstützer Jörg Meuthens. Jetzt sieht er sich als den Richtigen, um die Konflikte zwischen den ost- und westdeutschen Landesverbänden zu befrieden. „Mit meiner norddeutschen Art komme ich vielleicht nicht überall im Osten, aber auf jeden Fall in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt gut an“, meint er. Das verschaffe ihm Respekt, auch wenn er mit den Parteikollegen von dort nicht immer einer Meinung sei. Manche Beobachter räumen ihm in der Tat Chancen ein, sich gegen die oft polarisierende Fraktionschefin Alice Weidel durchzusetzen.
Gymnasium in Satrup, Abitur in Büsum
Auch wenn er bald zu den A-Promis der Bundespolitik gehören sollte: Spätestens am Karfreitag will er seine Heimat wieder besuchen. Dann findet regelmäßig das große Familientreffen der Lucassens in Gelting statt, mit bis zu 50 Teilnehmern. Mit seinen Töchtern hat er bereits verabredet, ein paar Tage länger zu bleiben und zu den Orten seiner Kindheit und Jugend zu fahren - zur Grundschule in Sörup zum Beispiel und zum Gymnasium Satrup.
Das hatte er anderthalb Jahre vor dem Abschluss verlassen. „Ich war Schülersprecher und hatte Konflikte mit dem Schulleiter“, erzählt er. Deshalb habe sein Vater damals gesagt, es sei besser, die Schule zu wechseln. Sein Abitur machte er 1973 auf dem Internat in Büsum.
Tätigkeit im Verteidigungsministerium
Er studierte an der Universität der Bundeswehr in Hamburg und wurde Hubschrauberpilot, später Referent für Flugbetrieb im Bundesverteidigungsministerium. Als Soldat war er an vielen verschiedenen Standorten in Deutschland. Einmal kehrte auch nach Schleswig-Holstein zurück und wohnte mit seiner Familie bei Itzehoe, als er auf dem Heeresflugplatz Hungriger Wolf stationiert war.
Kann er sich vorstellen, nach dem Ende seiner politischen Laufbahn wieder ganz in die Heimat zurückkehren? Eher nein, sagt Lucassen. „Meine Frau ist Rheinländerin.“ Wenn er doch noch einmal umziehen sollte, dann wohl eher Richtung Süden in den mediterranen Raum.