Osnabrück

Rückholung von IS-Frauen: Osnabrückerin mit Kindern darunter

Dirk Fisser
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Von Dirk Fisser
| 07.10.2021 09:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Dieses Familienfoto aus einem Lager in Syrien schickte die Osnabrückerin ihrer Mutter. Nun ist die Familie offenbar zurück in Deutschland. Foto: Screenshot Fisser
Dieses Familienfoto aus einem Lager in Syrien schickte die Osnabrückerin ihrer Mutter. Nun ist die Familie offenbar zurück in Deutschland. Foto: Screenshot Fisser
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In der Nacht sind mutmaßliche Anhängerinnen der Terrororganisation IS aus einem Flüchtlingslager in Syrien ausgeflogen worden. Darunter eine junge Frau aus Osnabrück, die 2014 samt Tochter in das Kriegsgebiet gereist war.

Nun ist sie gemeinsam mit ihrer Tochter und zwei weiteren Kindern, die sie in den vergangenen Jahren mit zwischenzeitlich verstorbenen IS-Kämpfern bekommen haben soll, zurück in Deutschland. Das bestätigte die Generalbundesanwaltschaft unserer Redaktion.

Die 33-Jährige ist demnach direkt am Flughafen in Frankfurt festgenommen worden. Gegen sie und zwei weitere Frauen an Bord lag ein Haftbefehl vor. Hier landete die Chartermaschine in der Nacht zu Donnerstag. Neben der Osnabrückerin und ihren Kindern befanden sich weitere acht deutsche Frauen und mehr als 20 Kinder an Bord der Charter.

Die Liste der Vorwürfe gegen die junge Mutter ist lang. Ihr wird nicht nur die Mitgliedschaft im IS, sondern auch Kindeswohlgefährdung vorgeworfen. Sie hatte ihre älteste Tochter gegen den Willen des Vaters mit ins IS-Gebiet genommen.

(Weiterlesen: Aus Osnabrück ins IS-Gebiet: Großmutter bangt um Enkel in Syrien)

Die Mutter soll das Kind nach Auffassung der Ermittler im radikal-islamistischen Sinne erzogen und ihr auch Hinrichtungsvideos gezeigt haben. Darüber hinaus soll die Osnabrückerin noch in Deutschland im Internet für den IS geworben haben. Für eine damals 16-Jährige soll die Osnabrückerin entsprechend die Ausreise ins IS-Gebiet organisiert und sie dann dabei im Dezember 2014 begleitet haben. Die junge Mutter selbst hatte sich dem Vernehmen nach über das Internet radikalisiert.

„Sklavenhaltung“ im IS-Gebiet

Im IS-Gebiet soll sie sich zudem am System der „Sklavenhaltung“ beteiligt haben. So soll die Osnabrückerin einer jesidischen Frau, die als Sklavin im Haushalt eines IS-Kämpfers lebte, zumindest zeitweise Anweisungen gegeben und diese bei Einkäufen bewacht haben.

Die für Terror-Vorwürfe in Niedersachsen zuständige Generalstaatsanwaltschaft in Celle führte zuletzt ein entsprechendes Ermittlungsverfahren gegen die Osnabrückerin. Dieses hat der Generalbundesanwalt übernommen.

(Weiterlesen: IS-Anhängerin aus Osnabrück sitzt mit Kindern in syrischem Lager fest)

Ob die 33-Jährige mittlerweile dem IS und seiner Ideologie abgeschworen hat, ist unklar. 2016 soll sie auf dem Kurznachrichtendienst Twitter die Terroranschläge in Nizza und Würzburg begrüßt haben, die der IS für sich reklamierte. Die Osnabrückerin blieb bis zuletzt an der Seite der Terrororganisation und wurde nach deren Zusammenbruch vor einigen Jahren festgenommen.

Seitdem lebte sie gemeinsam mit mindestens drei Kindern in einem Flüchtlingslager in Syrien. Ein weiteres Kind soll zuvor bei der Geburt gestorben sein. Die Väter der Kinder sollen bei Kämpfen getötet worden sein. 

„Ich hoffe jeden Tag, dass...“

Per Whatsapp hielt die 33-Jährige unregelmäßigen Kontakt zu ihrer Mutter in Deutschland. „Ich hoffe jeden Tag, dass wir bald nach Hause kommen können. Ich hab‘ dich lieb“, lautete eine der Nachrichten aus dem Lager. In Interviews mit unterschiedlichen Medien trat sie mal im Nikab auf, mal nur mit Kopftuch und bekundete stets, nach Deutschland oder Spanien - das zweite Heimatland - zurückkehren zu wollen.

Die Bundesregierung verwies bis zuletzt immer wieder auf mangelnde diplomatische Möglichkeiten, Staatsbürger aus der Region zurückzuholen. Gerichte urteilten in der Zwischenzeit mehrfach, dass Deutschland zur Zurücknahme verpflichtet ist. Nun wurden insgesamt acht Frauen mit 23 Kindern ausgeflogen. In der Chartermaschine saßen zudem auch dänische Staatsbürger.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) betonte in der Nacht: „Die Kinder trifft keine Schuld an ihrer Lage.“ Die Mütter müssten sich indes vor der Strafjustiz für ihr Handeln verantworten. „Ein Großteil von Ihnen wurde nach der Ankunft in Haft genommen..

Hunderte Deutsche hatten sich zur Hochzeit des selbsternannten Islamischen Staates der Terrororganisation angeschlossen und für sie gekämpft. Viele starben oder gelten als verschollen. Andere sind zurückgekehrt. Vor verschiedenen Gerichten haben mittlerweile Prozesse stattgefunden.

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