Osnabrück

Land Niedersachsen bringt kommunale Theater in Geldnot

Ralf Döring
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Von Ralf Döring
| 06.10.2021 17:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
So leer wie das Berliner Ensemble im Mai müssen Theater heute nicht mehr bleiben. Aber es wird dauern, bis die Reihen wieder voll besetzt sind. Umso misslicher ist es, wenn Niedersachsen die Tarifsteigerungen an Theatern nicht übernehmen will. Foto: Jens Kalaene/dpa
So leer wie das Berliner Ensemble im Mai müssen Theater heute nicht mehr bleiben. Aber es wird dauern, bis die Reihen wieder voll besetzt sind. Umso misslicher ist es, wenn Niedersachsen die Tarifsteigerungen an Theatern nicht übernehmen will. Foto: Jens Kalaene/dpa
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Das Land Niedersachsen spart an der Kultur: Der Entwurf für den Doppelhaushalt 2022/2023 sieht vor, die Tarifsteigerungen für Theatermitarbeiter nicht zu übernehmen. Dabei steigen nicht nur die Lohnkosten.

Den kommunalen Theatern in Niedersachsen stehen finanzielle Einschnitte in die Häuser. Denn der Haushaltsentwurf der Landesregierung sieht vor, die Tarifsteigerungen nicht zu übernehmen. Besonders prekär ist das, weil der Landtag wegen der anstehenden Landtagswahl im nächsten Jahr einen Doppelhaushalt beschließen wird. Da der Entwurf vermutlich beschlossen wird, wie er vorliegt, müssen die Theater für die Jahre 2022 und 2023 die Tarifsteigerungen selbst auffangen.

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Die kommunalen Theater finanzieren sich zum einen über Zuschüsse der jeweiligen Kommunen, zum anderen des Landes. Die Höhe der Zuschüsse handeln die Theater mit dem Land und den Kommunen aus, und die Tarifsteigerungen sind dabei ein wichtiger Verhandlungsgegenstand. Denn die Bezahlung der Theatermitarbeiter, vom Bühnentechniker bis zur Opernsängerin, erfolgt nach den Maßgaben der Tarifverträge, wie sie für die Angestellten des Landes und der Kommunen gelten. „Das wird nicht von uns verhandelt, aber wir sollen das selbst erwirtschaften“, sagt Torben Schumacher, Verwaltungsdirektor der Landesbühne Nord in Wilhelmshaven.

„Falsches Signal“

Matthias Köhn, kaufmännischer Direktor am größten kommunalen Theater in Niedersachsen, dem Theater Osnabrück, sieht im Sparkurs des Landes ein „falsches Signal an die Mitarbeiter“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. „Vor wenigen Jahren haben wir die Gagen mithilfe einer Einmalzahlung angehoben“, sagt Köhn weiter: Damals hatte das Land den kommunalen Theatern drei Millionen Euro zur Verfügung gestellt, um die Gagen für Berufseinsteiger anzuheben. Das konterkariert der aktuelle Haushaltsentwurf.

„Ich finde das nicht gut“, sagt der Osnabrücker Landtagsabgeordnete Burkhard Jasper (CDU) zu den Plänen. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Kulturausschusses im Landtag, und er setzt sich dafür ein, die Gelder auf andere Weise zu besorgen. Auch der Vorsitzende des Kulturausschusses, Matthias Möhle (SPD) hofft auf Kompensation - das probate Mittel ist die sogenannte „Politische Liste“, ein Geldtopf, den das Landesparlament nach eigenen Maßgaben verteilen kann.

Kosten steigen, Einnahmen sinken

Fest steht: Es wird schwierig für die Theater, die fehlenden Gelder aus eigener Kraft zu erwirtschaften. Zwar konnten sie während des Lockdowns Rücklagen bilden, weil die Mitarbeiter in Kurzarbeit waren und dadurch die Lohnkosten gesunken sind. Doch seit die Theater wieder spielen, fallen die vollen Kosten an - die Zuschauerräume bleiben aber aufgrund der Corona-Beschränkungen halb leer. Und selbst wenn die 2G-Regelung wieder eine volle Auslastung möglich macht, rechnen die Verwaltungsdirektoren nicht mit ausverkauften Häusern - noch sind die Vorbehalte beim Publikum groß. Das heißt: Es fehlen Einnahmen aus dem Ticketverkauf.

Gleichzeitig steigen die Kosten. Energie wird teurer, die Preise für Stahl und Holz, aus dem die Techniker die Bühnenbilder bauen, sind erheblich gestiegen, und um das Publikum wieder zurück ins Theater zu holen, müssen zusätzliche Werbekampagnen aufgelegt werden. Die drohende faktische Kürzung der Mittel für die Theater wertet Köhn deshalb als „Einschränkung der Politik für die Kultur.“ Nach den strengen Corona-Maßnahmen für die Kulturschaffenden „straft man uns nochmal ab“, so Köhn weiter. Und er zieht ein beunruhigendes Fazit: „Die Kultur hat in Niedersachsen einen niedrigen Stellenwert.“

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