Aurich
Kapazitätsgrenze des Auricher Hafens wurde erreicht
Wegen der Corona-Pandemie ist Urlaub im eigenen Land immer noch beliebt. Das hat Auswirkungen nicht nur auf den Wassertourismus.
Aurich - Viele Deutsche verbrachten ihren Urlaub in diesem Jahr im Inland. Dieser pandemiebedingte Trend zeichnet sich auch im Auricher Hafen deutlich ab. Der Auricher Bootstourismus verzeichnete in diesem Jahr den stärksten Juli und August überhaupt, sagt Marco Bordasch, Geschäftsführer des Verkehrsverein Aurich, auf ON-Nachfrage. Es habe in der diesjährigen Sommersaison rund 3000 Übernachtungsbuchungen an den Stegen des Auricher Hafens gegeben. Im vorigen Jahr seien es rund 700 weniger gewesen, so Bordasch. Man habe die Kapazitätsgrenze der rund 45 Liegeplätze erstmals erreicht, jedoch keinen Gast weiterschicken müssen. Es gebe genug Ausweichstege.
Diese Entwicklung fällt laut dem Geschäftsführer des Verkehrsvereins nicht nur in Ostfriesland auf. „Der Bootsmarkt ist leer gefegt“, sagt er auf ON-Nachfrage. Es gebe derzeit kaum Boote zum Verkauf oder Verleih. Ebenso sehe es bei Wohnmobilen und Wohnwagen aus. Da mache sich der Trend des individualisierten Urlaubs, wie Bordasch es nennt, besonders bemerkbar.
Klientel änderte sich
Die typischen „Sommerzielurlauber“ fänden durch die Pandemie den Weg nach Ostfriesland. Deutlich mehr Familien mit Kindern und junge Leute würden Urlaub mit dem Boot machen. Und das, obwohl die Prognosen für den Bootstourismus vor einiger Zeit laut Bordasch noch ganz anders aussahen. Vor der Pandemie sei der Urlaub auf dem Wasser für junge Leute eher unattraktiv gewesen.
Den Grund für diese Entwicklung in Aurich und Ostfriesland sieht der Geschäftsführer des Verkehrsvereins vor allem in den niedrigen Inzidenzen, die der Landkreis Aurich im Sommer verzeichnete. „Da reiben sich einige die Augen“, sagt Bordasch. Gäste aus Großstädten würden gern nach Aurich kommen. Die Pandemie habe dem Tourismus diesbezüglich in die Karten gespielt.
Hoffen auf neue Stammkunden
Bordasch ist guter Hoffnung, dass der große Ansturm bestehen bleibt. Im Auricher Hafen habe man immer einen hohen Stammkundenanteil, so auch in diesem Jahr. Man erhoffe sich, dass auch die vielen Neukunden zu solchen werden. Auch in der Auricher Hotellerie gebe es immer mehr „ungewöhnliche Kunden“, die vor der Pandemie eher in Ferienhäusern untergekommen seien, sagt Bordasch.
Der Andrang sei schwer zu planen, da es keine Vorbuchungen gebe. Man müsse von Woche zu Woche schauen, sagt Bordasch. Die nächsten Wochen lasse man auf sich zukommen. Doch er ist optimistisch. Auf ansteigenden Bootstourismus sei man auch mit Blick auf die nächste Saison vorbereitet. Die Anlagen des Auricher Hafens seien ausreichend. Das habe sich in diesem Jahr bewährt.
Das Ende dieser Saison ist für Bordasch noch nicht absehbar. In der Regel lasse die Besucheranzahl ab Mitte Oktober stark nach. Die Saison gehe offiziell nur bis Ende September. Man hoffe auf einen sonnigen Oktober, dann sei auch in den bevorstehenden Herbstferien noch mit einigen Besuchern zu rechnen. Theoretisch sei der Auricher Hafen das ganze Jahr über für Bootstouristen geöffnet, sagt Bordasch.