Aurich

Streit auf Familienfeier hat gerichtliches Nachspiel

Christiane Norda
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Von Christiane Norda
| 30.09.2021 17:29 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das Amtsgericht in Aurich. Archivfoto: Banik
Das Amtsgericht in Aurich. Archivfoto: Banik
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Drei Brüder sollen in Großefehn mit Baseballschlägern Gäste geschlagen haben. Die Angeklagten bagatellisierten die Anschuldigungen und störten die Verhandlung mit Rufen – zum Ärger des Richters.

Aurich - Weil sie an einer Massenschlägerei auf einem Familienfest in Großefehn beteiligt gewesen sein sollen, müssen sich seit Donnerstag drei Brüder im Alter von 27, 33 und 37 Jahren vor dem Auricher Amtsgericht verantworten. Laut Staatsanwaltschaft sollen sie im Juni 2019 auf einer Hochzeitsfeier in einer Veranstaltungshalle mit Baseballschlägern auf Gäste eingeschlagen und sie schwer verletzt haben.

Eine Frau und ein Mann seien nach einem Schlag auf den Kopf ohnmächtig zu Boden gesunken, der Frau sei ein Ohrring herausgerissen, einer weiteren ins Gesicht geschlagen worden. Darüber hinaus sollen sie Gäste, die in ihrem Auto hatten flüchten wollen, aufgehalten und den Wagen mit den Schlägern demoliert haben, heißt es in der Anklageschrift. Es sei ein Schaden in Höhe von 5000 Euro entstanden.

Angeklagter bagatellisierte Anschuldigung

Die Angeklagten bestreiten, derart aggressiv vorgegangen zu sein und bemühten sich, die Auseinandersetzung zu bagatellisieren. Er sei schockiert gewesen, als er von den Vorwürfen gehört habe, erklärte der 27-Jährige. Zwar habe es auf der Feier mit etwa 1000 Gästen Streit unter Cousinen gegeben, in den sich einige Männer eingemischt hätten und den sie hätten schlichten wollen. Dabei sei es zu Rangeleien gekommen, jedoch habe niemand einen Baseballschläger auf den Kopf bekommen, es habe sich vielmehr um einen „ganz normalen Streit“ gehandelt. Die Cousinen hätten bei der Schilderung der Auseinandersetzung „ein bisschen übertrieben“, weil sie „sauer“ gewesen seien. Sie alle seien zusammen aufgewachsen und gute Freunde. Inzwischen habe man sich ausgesöhnt, die nächsten Hochzeiten mit denselben Gästen stünden an.

Eine Zeugin berichtete hingegen, sie und ihre Familie seien unter anderem von den Angeklagten angegriffen worden, weil der Verwandtschaft die Wahl ihres Ehemannes missfallen habe. Es sei ihnen gelungen, in ihr Auto zu flüchten. Sie seien beschimpft und beleidigt worden, einer der Angeklagten habe mit einem Baseballschläger auf das Auto eingeschlagen, wobei die Scheiben zersplittert seien. Sie selbst und auch ihr Mann hätten jedoch keine Verletzungen davongetragen.

Richter sprach ein Machtwort

Die Schwester der Zeugin beschuldigte indes nur zwei der Angeklagten, sie und ihren Vater mit dem Baseballschläger geschlagen zu haben. Der 27-Jährige sei nicht beteiligt gewesen. Die widersprüchlichen und teilweise unverständlichen Angaben der Zeugin sowie mehrfache Zwischenrufe der Angeklagten stellten die Geduld des Vorsitzenden Richters Dr. Markus Gralla merklich auf die Probe. „Dies ist kein Gesprächskreis, sondern ein Gerichtsprozess“, stellte er fest. Von den neun geladenen Zeugen waren am Donnerstag lediglich zwei erschienen, sieben waren dem Prozess teilweise unentschuldigt ferngeblieben. Ihnen drohte Gralla eine Ordnungsstrafe an. Darüber hinaus müssen sie die Gerichtskosten tragen, die durch ihre Abwesenheit zusätzlich entstanden sind.

Die Verhandlung wird am 21. Oktober ab 13.30 Uhr fortgesetzt.

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