Osnabrück
Nach KSK-Skandalen: Neuer Kommandeur soll Eliteeinheit umkrempeln
Ein neuer Kommandeur soll nach rechtsextremen Skandalen bei der Bundeswehr-Eliteeinheit KSK aufräumen. Brigadegeneral Ansgar Meyer ist erfahren und bringt viel mit. Doch seine neue Aufgabe ist sehr schwierig.
In seiner langen Karriere bei der Bundeswehr hatte Ansgar Meyer mit dem KSK bislang nichts zu tun - vielleicht ist er gerade deswegen besonders geeignet für die neue Aufgabe. An diesem Donnerstag (30. September) übernimmt der Brigadegeneral am KSK-Standort im baden-württembergischen Calw in einer kleinen Feier das Kommando über die Eliteeinheit namens Kommando Spezialkräfte. Zuvor war Meyer Kommandeur des letzten deutschen Afghanistan-Kontingents. Seine Aufgabe lautet, das skandalumwitterte KSK wieder in ruhiges Fahrwasser zu bringen.
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Rechtsradikale Vorfälle
In den vergangenen Jahren rankte sich ein Skandal um den anderen, immer wieder kam es zu rechtsradikalen Vorfällen beim KSK. Der Wirbel begann 2017 mit der sogenannten Schweinekopf-Party für einen scheidenden Offizier. Später flog ein rechtsgesinntes Chat-Netzwerk des KSK-Elitesoldaten „Hannibal“ auf sowie ein Waffenlager im Garten eines KSK-Soldaten.
Dem KSK drohte die Auflösung
Zeitweise stand sogar die Auflösung der Einheit mit 1500 Angehörigen zur Debatte, doch Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) entschied sich für eine gründliche Reform. Dazu gehörten etwa personelle Konsequenzen, aber auch die Auflösung einer von vier Einsatzkompanien, die als Keimzelle einer „toxischen Verbandskultur“ und neonazistischer Skandale wie der berüchtigten „Schweinekopfparty“ galt.
Vorgänger Kreitmayr scheiterte
Der 56-jährige Meyer löst den glücklosen Vorgänger Markus Kreitmayr ab. Dieser war angetreten, das von rechtsextremen Umtrieben erschütterte Kommando Spezialkräfte zu reformieren, aber letztlich daran gescheitert. So geriet er mit einer Amnestie in die Kritik, bei der KSK-Soldaten zuvor abgezweigte Munition anonym und ohne rechtliche Konsequenzen abgeben konnten.
Wehrbeauftragte: Neuer Kommandeur muss Aufklärung fortsetzen
Unmittelbar vor dem Wechsel des Kommandos gab es bereits Forderungen an den neuen Kommandanten. So verlangte die Wehrbeauftragte des Bundestages, Eva Högl, auch vom neuen Kommandeur die konsequente Aufklärung von Missständen. Die SPD-Politikerin sagte unserer Redaktion: „Die strafrechtliche und disziplinarrechtliche Aufarbeitung der rechtsextremistischen Umtriebe muss noch konsequent abgeschlossen werden.“ Högl fügte hinzu: „Es muss immer wieder klargemacht werden, dass Rechtsextremismus keinen Platz hat - weder in den Spezialkräften noch in der Bundeswehr.“
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Meyer hat viel Erfahrung
Der neue Kommandeur Ansgar Meyer bringe für diese Aufgabe viel Erfahrung mit, sagte Högl: „Das ist eine gute Basis, damit sich das KSK wieder auf seinen Kernauftrag konzentrieren kann.“ Dazu gehört, härteste militärische Einsätze für die Bundeswehr zu übernehmen. Auch die Wehrbeauftragte unterstrich die Bedeutung des KSK gegenüber unserer Redaktion: „Wir brauchen das KSK, das haben wir jetzt bei der Evakuierungsmission der Bundeswehr in Afghanistan gesehen“, sagte Högl.
Meyer gilt als einer der fähigsten Generäle der Bundeswehr, als ruhig und fair sowie als Mann von natürlicher Autorität. Er trat 1984 in die Bundeswehr ein und war bereits in Auslandseinsätzen im Kosovo und in Afghanistan aktiv. Erfahrung bringt Meyer auch durch Führungspositionen in der Panzertruppe und dem Verteidigungsministerium mit, wo er sehr gut vernetzt sein soll.
Offiziell ist Meyer bereits seit 1. September Kommandeur des KSK, nun erfolgt in Calw im Rahmen einer kleinen Feier die Kommando-Übergabe.