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Abschied von Daniel Craig als 007: Alles zur Vorpremiere des neuen Bond-Films

Martin Schulte
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Von Martin Schulte
| 29.09.2021 01:40 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Letztmals als James Bond im Einsatz: Daniel Craig. Foto: Nicola Dove/DANJAQ, LLC AND MGM
Letztmals als James Bond im Einsatz: Daniel Craig. Foto: Nicola Dove/DANJAQ, LLC AND MGM
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Vier Mal wurde Kinostart des Bond-Films „Keine Zeit zu sterben“ verschoben. Nun feierte der letzte Einsatz von Daniel Craig als 007 Premiere.

James Bond kommt direkt aus dem privaten Lockdown, vielleicht ist er deshalb am Anfang von „Keine Zeit zu sterben“ so entspannt. „Wir haben alle Zeit der Welt“, sagt 007, während er mit seiner Freundin Madeleine Swann (Lea Seydoux), dem ersten Bond-Girl das für den nächsten Film wiederkommen darf, entspannt über italienische Serpentinen fährt. Wenige Minuten später fliegt ihm das ganze Idyll um die Ohren - und wenig später ist Bond  wieder im Bond-Modus. So weit, so wenig überraschend.

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Fast zwei Jahre mussten die Fans auf den neuen Bond-Film, den 25. und den letzten mit Daniel Craig, warten. Und zwei Jahre lang mussten die Macher des 250 Millionen Euro teuren Streifens alle Geheimnisse um die Handlung bewahren, das Ausstiegsszenario für Daniel Craig inklusive. Soviel sei verraten: Es ist ihnen gelungen, der Film nimmt einige überraschende Wendungen. 

Vorpremiere am Dienstagabend

Dienstagabend der neue Bond - parallel zur britischen Weltpremiere -  deutschlandweit um 21 Uhr in einer Art Vorpremiere gezeigt, es war der vorläufige Höhepunkt einer umfassenden Werbekampagne, die mit dem offiziellen Filmstart am Donnerstag sicherlich noch lange nicht vorbei ist.

In den vergangenen Wochen konnte man dem smarten Agenten nur schwer aus dem Weg gehen, großzügige Plakatierungen und flächendeckende Werbung in Magazinen und Online-Portalen ließen keinen Zweifel daran, was „Keine Zeit zu sterben“ werden soll - das Kinoereignis des Jahres. 

24 Monate Warten auf den neuen Bond

James Bond ist in diesem Fall nicht nur der Retter der Welt, sondern auch der seit der Corona-Pandemie darbenden Kinobranche. Der Erfolgsdruck ist also hoch wie nie. Filme mit 007 sind ja ohnehin immer mit Superlativen behaftet, aber dieses Mal muss der Superlativ des Superlativs her, schließlich haben 24 Monate Wartezeit eine Menge Geld gekostet, das zu den ohnehin üppigen Produktionskosten noch dazu kommt. Da werden selbst Menschen, die normalerweise nicht unbedingt für 007 ins Kino gehen, neugierig.

163 Minuten ist der Film lang und auch das ist natürlich ein Superlativ: Es ist der längste Bond aller Zeiten und er knüpft - natürlich ungewollt - an Theorien zum Ausbruch der Corona-Pandemie an. Ein künstlich entwickelter Biokampfstoff, der Menschen über Veränderungen in der DNA gezielt tötet, wird aus einem Labor gestohlen, das dummerweise vom britischen Auslandsgeheimdienst MI6, Bonds ehemaligem Arbeitgeber, betrieben wird.

Assoziationen zur Corona-Pandemie

Superschurke Lyutsifer Safin (Rami Malek) steckt hinter dem Diebstahl und wenn der Mann mit der schwierigen Kindheit zu Bond sagt „Hier bin ich, der Gott, der unter deine Haut kriecht“ entstehen die Assoziationen zum Virus fast von allein. Aber vielleicht ist das auch der Zeit geschuldet und dem pandemiegeplagten Gemüt, das selbst in Verfilmungen von Rosamunde-Pilcher-Romanen Andeutungen für den nächsten Lockdown herausliest.

Bond jedenfalls tut, was Bond immer tut: Er schießt und sprengt alles aus dem Weg, er läuft, fliegt und rast durch ansehnliche Landschafts-Kulissen, haut zwischen Scotch und Martini seine Sprüche raus und findet im letzten Moment den richtigen Weg aus dem ganzen Schlamassel - der erstaunlich selten im Bett endet. Aber er ist auch sensibel und hinterfragt die Dnge, sein Verhältnis zum Geheimdienst und seinem ehemaligen Vorgesetzten M ist von Zweifeln geprägt. Hier, das wird deutlich, entfernt sich ein Mann, der normalerweise nicht viele Fragen stellt, vom System, was vielleicht auch ein bisschen daran liegt, dass er den Dienstsitz seines ehemaligen Arbeitgebers nur noch mit Besucherausweis betreten darf. 

Beeindruckende Nebendarsteller Waltz und Malek

Natürlich reicht am Ende auch die Rekordzeit von 163 Minuten nicht für das ganze Spektakel, weil es doch zu viele Handlungsebenen gibt. Das ist besonders ärgerlich für die beeindruckenden Schauspieler in den Nebenrollen: Christoph Waltz, der Bonds Erzfeind Blofeld spielt, und Rami Malek als Safin bekommen nicht den Raum bekommen, den man ihnen für ihre ambivalenten Figuren wünscht würde. 

Es muss eben einiges erzählt und erklärt werden, wenn ein Bond geht und der oder die nächste kommt. Einiges deutet darauf hin, dass die nächste 007 in der britischen Schauspielerin Lashana Lynch gefunden ist. Sie tritt in „Keine Zeit zu sterben“ als Agentin Nomi auf und trägt recht offensiv die Nummer 007 vor sich her, was in einigen Kabbeleien mit dem Ruheständler Bond mündet. Bis Bond sie selbst als 007 anspricht, was durchaus als ein Ritterschlag für ein neues Rollenmodell verstanden werden kann.

Die Spur jedenfalls, soviel kann hier wohl verraten werden, ist gelegt. Ansonsten aber darf aus diesem neuen Bond, dessen Filmstart insgesamt vier Mal verschoben wurde, nicht zu viel erzählt werden - außer vielleicht, dass der harte James durchaus an persönlichen Facetten gewinnt und mehr denn je seine weiche Beschützer-Seite zeigt. Und dass Daniel Craig definitiv nicht mehr dabei sein wird - aber das war ja schon vorher klar.

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