Berlin

Von Günther bis Spahn: Wer in der CDU die Macht übernehmen könnte

Rena Lehmann
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Von Rena Lehmann
| 28.09.2021 19:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Kommt bald seine Stunde in der CDU? CDU-Chef Armin Laschet wackelt, das Machtvakuum in der Partei ist mit Händen zu greifen. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther könnte zugreifen. Foto: Foto: dpa/Gregor Fischer
Kommt bald seine Stunde in der CDU? CDU-Chef Armin Laschet wackelt, das Machtvakuum in der Partei ist mit Händen zu greifen. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther könnte zugreifen. Foto: Foto: dpa/Gregor Fischer
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Armin Laschet wackelt als Parteichef der CDU. Wir haben spekuliert, wer bei einem Generationenwechsel eine Rolle spielen könnte.

Nach ihrem Absturz bei der Bundestagswahl mehren sich die Rufe in der CDU nach einem Generationenwechsel. CDU-Vize und Noch-Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mahnte eine „Verjüngung“ an. In der Generation 40 plus gibt es mehrere Männer, die zuletzt immer wieder Ambitionen erkennen ließen. Solange die Beteiligung an einer Jamaika-Koalition im Raum steht, könnte Armin Laschet als Parteichef im Amt bleiben. Doch er gilt seit Sonntag als angezählt. Wer in der CDU künftig das Zepter in die Hand nehmen könnte: 

Jens Spahn: Der 41-jährige Bundesgesundheitsminister hat zwar in der Corona-Pandemie Fehler gemacht, sich aber in der CDU und über die Parteigrenzen hinweg großen Respekt erworben. Stehvermögen hat er ohne Frage - und so eine Krise muss man als Minister erstmal durchstehen. Als Kabinettsmitglied von Angela Merkel und Kompagnon von Armin Laschet im Team um den CDU-Vorsitz zählt er zwar schon fast zur alten Garde. Doch Spahn war immer auch auf eigenem Ticket unterwegs. Er galt stets als Gegenspieler Merkels, der Schulterschluss mit Laschet war geschickt, weil er damit den Eindruck konterkarierte, er könne kein Teamspieler sein und sei nur von eigenem Ehrgeiz durchdrungen. Parteichef wollte er schon einmal werden - und scheiterte 2018. Dass er noch immer will und die Chance ergreifen würde, wenn er sie sieht, daran besteht kein Zweifel. 

Daniel Günther: Der 48-jährige Ministerpräsident von Schleswig-Holstein gilt eigentlich als „im Herzen“ konservativ, steht in der CDU inzwischen aber für einen modernen Kurs. Zwischenzeitlich schüttelten Parteifreunde den Kopf, als er etwa Lockerungsübungen für eine etwaige Zusammenarbeit mit der Linken vorschlug. Im Norden allerdings regiert er souverän in einem Jamaika-Bündnis, das jetzt als Wunsch-Koalition der Union im Bund gilt. Im Mai nächsten Jahres hat er allerdings auch eine Landtagswahl vor der Brust. Günther zählt auf jeden Fall zu denen, deren Stimme an Gewicht gewonnen hat. Die ältere Garde mit Wolfgang Schäuble und Volker Bouffier hat ihren Einfluss verloren. 

Michael Kretschmer: Der 46-jährige Ministerpräsident war der erste, der nach der Niederlage der CDU klare Worte fand und sich gegen Armin Laschets Deutung stellte, man müsste jetzt eine Regierung bilden. Das Ergebnis von 24,1 sei ein Erdbeben und kein Regierungsauftrag für die Union, stellte Kretschmer klar. Die Ost-CDU ist seit Langem nicht mehr einverstanden mit dem Kurs der Partei, und dass die AfD in Sachsen stärkste Kraft wurde, lässt die Kritiker am Merkel-Laschet-Kurs umso lauter werden. Kretschmer startete zwar schwach ins Amt des Ministerpräsidenten, genießt seit seinem Sieg über die AfD bei der Landtagswahl 2019 aber großen Respekt. Ob er die großen Landesverbände Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Niedersachsen von sich überzeugen könnte, wäre noch eine andere Frage. 

Carsten Linnemann: Kaum jemand in der CDU wird schon so lange als junges Talent gehandelt wie Carsten Linnemann. Nur kam er bislang nie wirklich nicht zum Zug. Der 44-Jährige hätte im Fall eines Wahlsiegs wohl gute Aussichten auf einen Kabinettsposten gehabt. Das Direktmandat in seiner Heimatstadt Paderborn holte er mit großem Vorsprung. Der bisherige stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion hat eine eigene Hausmacht: Er ist Vorsitzender der Mittelstands- und Wirtschafsunion MIT mit mehreren Tausend Mitgliedern, die sich seit Langem wünscht, dass Wirtschaftspolitik wieder zum Markenkern der Union wird. Bei der Wahl des CDU-Vorsitzenden stand Linnemann Merz näher als Laschet. Bisher traute er sich noch nicht, selbst weiter vorzurücken. Vielleicht kommt jetzt seine Stunde? 

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