Osnabrück
Zur Kinopremiere: Was wir über den neuen Bond-Film wissen
An diesem Dienstag erlebt die Kinowelt, wie James Bond zum 25. Mal die Welt rettet. Lesen Sie hier, was wir über „Keine Zeit zu sterben“ wissen - und wer als Nachfolger von Daniel Craig hoch im Kurs steht.
All zu viel wissen wir ja noch nicht über den neuen James-Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“. Klar, Bond rettet die Welt, nach offizieller Zählung zum 25. Mal, und zum fünften Mal spielt Daniel Craig den Retter. Was wir auch wissen: Bond genießt eigentlich seinen Ruhestand, und zwar auf Jamaika. Das ist sicher kein Zufall: Im ersten Bond-Abenteuer aus dem Jahr 1962 begann Sean Connery als Agent 007 seine Jagd auf das Böse in Person von Dr. No auf Jamaika.
Jetzt finden sich die Kampfarenen zwischen Gut und Böse in Schottland (der Heimat von Sean Connery), im italienischen Matera - zur Zeit der Dreharbeiten war das süditalienische Städtchen europäische Kulturhauptstadt - oder auf den Färöer-Inseln. Bonds Gegenspieler wird von Rami Malek dargestellt, der für seine Darstellung des Freddy Mercury in „Bohemian Rhapsody“ einen Oscar erhalten hat. Jetzt spielt er einen Bösewicht namens Safin, der auch noch den bezeichnenden Vornamen Lyutsifer trägt: Kann man das Böse deutlicher benennen? Jedenfalls muss Bond einen Wissenschaftler befreien, der eine ebenso bahnbrechende wie weltzerstörerische Bio-Technologie entwickelt hat.So etwas sieht man die nicht gern in den Händen eines Mannes, der Lyutsifer heißt.
Ist der neue Bond die neue Bond?
Vermutlich wird Bond auch diesmal dem Guten zum Sieg verhelfen; genaueres werden wir nach der Weltpremiere an diesem Dienstagabend in London wissen. Was aber weiterhin offen bleibt ist die Frage, wer den 26. Bond spielen wird. Vielleicht eine Frau? Eine Spur legt der neue Film ja: Dort tritt mit Lashana Lynch eine atemberaubende Frau als Agentin mit dem 00-Status auf - wie unter anderem die „Vogue“ im August 2019 berichtet, sogar als Agentin 007. Ist das ein Hinweis auf die Craig-Nachfolge?
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Barbara Broccoli hat das bereits verneint. Sie leitet, gemeinsam mit Michael G. Wilson Eon Productions, das Unternehmen, das die Bond-Filme produziert. „Wir wollen uns die Zeit nehmen, um Daniel Craig zu feiern, seine Amtszeit, die 15 Jahre, die fünf Filme“, sagte sie laut dpa dem amerikanischen Magazin „HeyUGuys“. „Wir wollen ihm seinen Moment geben. Deswegen haben wir nicht vor, in naher Zukunft mit unserer Suche nach dem nächsten Bond anzufangen“, wird Broccoli weiter zitiert.
Gage für Daniel Craig: 50 Millionen Pfund
Dabei war es keineswegs selbstverständlich, dass Craig zum fünften Mal in die Rolle des James Bond schlüpfen würde. „Ich würde eher dieses Glas zerschmettern und mir die Handgelenke aufschlitzen“, hatte Craig vor dem Filmstart des 24. Bond-Abenteuers „Spectre“ im Oktober 2015 auf die Frage nach dem nächsten Bond gesagt. Eine Gage von 50 Millionen Pfund überzeugte Craig dann aber offenbar doch.
Aber auch sonst lief es nicht rund bei der Produktion von „Keine Zeit zu Sterben“. Danny Boyle sprang 2018 als Regisseur ab, weil das Studio mit dem Drehbuch von Boyles Stammautor John Hodge nicht zufrieden war. Als Ersatz wurde der amerikanische Regisseur Cary Joji Fukunaga gefunden; am Drehbuch schrieben zunächst die traditionellen Bond-Autoren Neal Purvis und Robert Wade, dann Scott Z. Burns und Phoebe Waller-Bridge. Letztere ist angeblich auch dafür verantwortlich, Bond ein paar Aussagen in den Mund zu legen, die einer #MeToo-Debatte standhalten. Waller-Bridge dürfte auch zuzuschreiben sein, dass nun erstmals eine Person of Colour und eine Frau den Bond-Kosmos als Agentin mit der Lizenz zum Töten betritt.
Dann kam Corona
Ursprünglich hätte „Keine Zeit zu sterben“ am 8. November 2019 in die Kinos kommen sollen. Nach Boyles Absprung war der Start zunächst auf den 14. Februar 2020 und schließlich auf den 8. April 2020 verschoben worden. Dann kam Corona, und die Startverschiebungen spiegeln perfekt die Einschätzungen des Pandemieverlaufs wider: Zunächst wurde der Start für November 2020, dann für April 2021 angesetzt; geworden ist es der 28. September. Angeblich mussten wegen der Verzögerung sogar Szenen nachgedreht werden - die Produkte der Sponsoren wie Nokia oder Omega waren inzwischen veraltet.
Streamingdienste kreisen wie Haie um Bond
Das rief die Streamingdienste auf den Plan: Netflix und Apple kreisten wie Haie um den 25. Bond; 600 Millionen Dollar wollten sie angeblich auf den Tisch legen. Die Vertriebsfirma Metro-Goldwyn-Mayer lehnte aber ab, was man durchaus als Bekenntnis zum Kino werten kann. Zumal schon die Produktionsfirma beim Dreh von der Kino-Auswertung ausgegangen ist. Sonst wären kaum Teile des Filmes auf 65-Millimeter-IMAX-Film gedreht worden, einem analogen Format, das besonders kontrastreiche Projektion auf großen Leinwänden garantiert.
Und wer wird nun der neue Bond? Längst versuchen Buchmacher, die Gerüchte zu konkretisieren und mit Quoten zu hinterlegen. An erster Stelle sehen die Wettbüros laut der Plattfom „sportwettentest.net“ Tom Hardy, gefolgt von „Bridgerton“-Star Regé-Jean Page. Den beiden gestehen die Buchmacher eine Wahrscheinlichkeit von 35 und 30 Prozent zu. Etwas abgeschlagen rangiert James Norton mit 21,5 Prozent auf Platz 3. Immerhin: Auf Platz 9 taucht Lashana Lynch auf. Außerdem unter den Top Ten: Clive Standen, Luke Evans und Idris Elba.
Glaubt man nun dem britischen Literaturwissenschaflter und Bond-Experten Dr. Ian Kinane vom „International Journal of James Bond Studies“, wird keiner der Genannten der neue Bond. Der Grund: Die Schauspieler seien allesamt zu berühmt. Die meisten Bond-Darsteller hätten vor Bond nicht den Bekanntheitsgrad wie danach, schreibt das Onlineportal „kino.de“ unter Berufung auf Kinane. Deswegen favorisiert Kinane den Schauspieler Jamie Bell. Der sei im richtigen Alter und habe außerdem schon mit Broccoli zusammengearbeitet. Gute Chancen räumt Kinane außerdem James Norton ein - der habe „das gewisse Britische“ - und Richard Madden.
Und die Frauen? Im richtigen Leben setzen sich Doppelspitzen mehr und mehr durch. Das gilt nicht nur für die deutsche SPD (Esken/Bohjans) und die Grünen (Baerbock/Habeck), sondern auch für die Präsidentschaft der USA: Es ist ja kein Zufall, wenn sich Präsident Joe Biden mit Kamala Harris eine Frau als Vizepräsidentin und potenzielle Nachfolgerin an die Seite holt. Warum also sollte auf Daniel Craig nicht ein Team aus Agent und Agentin folgen?