Aurich

Vorbereitet auf mehr Starkregen

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 22.09.2021 18:55 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Bauarbeiten in der Fußgängerzone haben das engste Teilstück erreicht. Vor allem Regen- und Schmutzwasserkanäle werden dort erneuert. Foto: Heino Hermanns
Die Bauarbeiten in der Fußgängerzone haben das engste Teilstück erreicht. Vor allem Regen- und Schmutzwasserkanäle werden dort erneuert. Foto: Heino Hermanns
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Der Klimawandel sorgt auch in Aurich für mehr Starkregenereignisse. Das hat Folgen für die Stadtentwässerung.

Aurich - Auch in der Stadt Aurich muss auf den Klimawandel und dessen Auswirkungen auf das Wetter reagiert werden. Die Stadtentwässerung plant wegen der immer häufigeren Starkregenereignisse eine Ertüchtigung der Oberflächenentwässerung. Das bestätigt Ehlke Ubben, Leiter der Stadtentwässerung, auf ON-Anfrage. Wurden Rohre, Gräben, Rückhaltebecken und Pumpen bislang für einen Starkregen ausgelegt, der statistisch alle fünf Jahre vorkommt, wird nun von stärkererem Niederschlag ausgegangen. „Wir richten die Anlagen nun auf Zehn-Jahres-Regen aus“, so Ubben. Das bedeutet, die Oberflächenentwässerung, die in Aurich vom Schmutzwasser getrennt ist, soll künftig mit Niederschlagsmengen zurechtkommen, die statistisch nur alle zehn Jahre vorkommen. Es sei aber nicht möglich, die Kanäle für alle Niederschlagsmengen auszubauen, so Ubben. Dann würde die Infrastruktur zu teuer werden. Bei einem Jahrhundertregen wie Anfang August könne es daher immer zu Problemen kommen.

Seit Juni laufen die Bauarbeiten auf dem Ende der Burgstraße in Richtung Julianenburger Straße. Die Abwasserkanäle werden erneuert. Foto: Heino Hermanns
Seit Juni laufen die Bauarbeiten auf dem Ende der Burgstraße in Richtung Julianenburger Straße. Die Abwasserkanäle werden erneuert. Foto: Heino Hermanns
Am 6. August hatte sich ein Starkregen rund 30 Minuten über der Innenstadt ergossen. Die Folge waren überflutete Straßen und ein paar vollgelaufene Keller. Die Feuerwehr verzeichnete damals 14 Einsätze. So nass dieser Nachmittag auch war – die Folgen waren gering im Vergleich zu Starkregenereignissen in den Jahren 2000 und 2006. Denn das Wasser konnte schnell wieder abfließen. Wären alle Gullys sauber gewesen, hätte die Kanalisation den Starkregen Anfang August weitgehend aufnehmen können.

Ubben sieht die Stadtentwässerung daher auf einem guten Weg. Seit vielen Jahren schon würden die Regen- und die Schmutzwasserkanäle saniert. Insgesamt seien vor einigen Jahren 60 Kilometer Kanalstrecke für die Sanierung vorgesehen worden. Ein Sechstel davon sei mittlerweile geschafft, so Ubben. In der Altstadt nähere man sich nun mit den Arbeiten in der Burgstraße dem Ende. „Damit werden wir in diesem Jahr fertig.“ Schon 2011 wurden die zentralen Rohre, zum Beispiel unter dem Georgswall, erneuert.

Wasser soll versickern, nicht schnell abfließen

„Natürlich könnten wir immer noch mehr bauen“, sagt Ubben. Dann aber würde der Straßenverkehr in Aurich, schon jetzt durch Baustellen belastet, völlig zusammenbrechen. Es sei nu einmal nicht möglich, neben der Popenser Straße auch noch die Fockenbollwerkstraße und die Glupe aufzureißen. „Dann würde nichts mehr gehen.“ Daher habe man zunächst die kritischen Punkte in Angriff genommen. Regenrückhaltungen wurden zum Beispiel bei E-Center Parkkauf und im Hammerkeweg gebaut – Auricher kennen die früheren Überflutungsbereiche.

Einen zweistelligen Millionenbetrag will die Auricher Stadtentwässerung in den kommenden Jahren in die Kanäle investieren. Über 80 Millionen Euro, die in einem Medienbericht genannt worden sind, werden es laut Ubben definitiv nicht sein. Eine genaue Summe könne er aber angesichts der steigenden Materialkosten nicht nennen. Momentan müsse mit 500 bis 1000 Euro pro Meter gerechnet werden. Das hänge vom Durchmesser der Rohre ab und davon, ob im offenen Verfahren gearbeitet werden müsse. Preiswerter werde es, wenn im Inliner-Verfahren alte Rohre von innen gestärkt werden könnten.

Größere Regenrückhaltebecken, Polderflächen und stärkere Pumpen – nicht immer müssen es größere Rohre sein, um die Leistungsfähigkeit des Systems zu erhöhen, sagt Ubben. Schon kleine Kniffe würden viel ausmachen. So werde dafür gesorgt, dass in Gräben das Wasser nicht schnell abfließe, sondern länger stehen bleibe. „Es soll ja an Ort und Stelle versickern.“ Denn nur so könne das kostbare Süßwasser wieder zu Grundwasser werden, anstatt in die Nordsee zu fließen. Genau hingeschaut werde bei Nachverdichtungen, so Ubben. Wenn statt eines kleinen Gebäudes aus den 1950er-Jahren ein großes Vier-Parteien-Haus entstehe, werde mehr Fläche versiegelt. Dann müsste in der Folge in dem Bereich unter Umständen mehr für die Regenrückhaltung getan werden.

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