Hannover/Berlin

Wird er bei einem Wahlsieg von Olaf Scholz Bundesinnenminister?

Lars Laue
|
Von Lars Laue
| 17.09.2021 18:17 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Geht er bei einem Wahlsieg von Olaf Scholz nach Berlin? Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius werden immer wieder bundespolitische Ambitionen nachgesagt. Foto: picture alliance/dpa
Geht er bei einem Wahlsieg von Olaf Scholz nach Berlin? Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius werden immer wieder bundespolitische Ambitionen nachgesagt. Foto: picture alliance/dpa
Artikel teilen:

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) hat schon mehrfach seine Fühler in Richtung Berlin ausgestreckt. Klappt es dieses Mal?

Wird Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius bei einem Wahlsieg von Olaf Scholz neuer Bundesinnenminister? Diese Frage stellen sich nicht nur Journalisten, sondern auch etliche Landespolitiker und -minister. „Das Zeug dazu hätte er“, sagt einer aus der SPD-Landtagsfraktion, der sich genau wie Pistorius selbst „nicht an Spekulationen beteiligen“ möchte. Freilich.

Pistorius mauert

Auch SPD-Mann Pistorius - zuletzt hatte sich der gebürtige Osnabrücker und frühere Oberbürgermeister seiner Heimatstadt vergeblich um den Bundesvorsitz seiner Partei beworben - antwortet auf mögliche Bundesminister-Ambitionen angesprochen: „Mit dieser Frage beschäftige ich mich momentan nicht.“ Aha.

Der „rote Sheriff aus Niedersachsen“

Dabei wurde der machtbewusste Jurist in der Vergangenheit nicht nur bereits als Bundesjustizminister gehandelt, sondern der für seine klare innenpolitische Haltung bekannte „rote Sheriff aus Niedersachsen“ war schon 2017 im Wahlkampf häufig an der Seite des damaligen SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz zu sehen. „Martin Schulz setzt mit Boris Pistorius auf innere Sicherheit“ titele die „Frankfurter Allgemeine“ damals und schrieb: „In seiner Heimat zählt der frühere Oberbürgermeister von Osnabrück schon seit der Regierungsübernahme von Rot-Grün im Jahr 2013 zu den auffälligen Köpfen im rot-grünen Kabinett von Ministerpräsident Stephan Weil. Pistorius, ein agiles kleines Kraftpaket, ist mit seinen markigen Formulierungen in der Landespolitik stets präsent.“

Weil lobt Pistorius in höchsten Tönen

Dass Pistorius in Weils mittlerweile rot-schwarzem Kabinett ein „auffälliger Kopf“ ist, gilt bis heute. Natürlich sagt auch Weil „im Vorfeld nichts zu Personalfragen“. Klar. „Über die Zusammensetzung eines Kabinetts hätte ein Bundeskanzler Scholz zu entscheiden.“ Versteht sich von selbst. Und dann lässt der Ministerpräsident sich im Interview mit unserer Redaktion doch noch zu einer handfesten Aussage über seinen Parteikollegen hinreißen: „Boris Pistorius ist aus meiner Sicht derzeit der beste deutsche Innenminister“, lobt Weil seinen Mann an der Spitze des Innenressorts, fügt aber auch unmittelbar hinzu: „Und ich freue mich sehr, dass wir in Niedersachsen einen so guten Innenminister haben.“

Er würde keinen Moment zögern

Noch. Politikbeobachter wissen längst, dass der ehrgeizige Politiker Pistorius keinen Moment zögern würde, wenn ihn ein Ruf aus Berlin ereilen würde. Andererseits ist der aus diversen Talkshows bundesweit bekannte Spitzenpolitiker mittlerweile auch 61 Jahre alt und muss sich nichts mehr beweisen. Hinzu kommt, dass mit dem jetzigen Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (48) bereits ein Niedersachse in einem möglichen Scholz-Kabinett gesetzt sein dürfte. Und dann ist da mit SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil (43) ein weiterer Niedersachse, der nach vorne strebt, allerdings mit dem Vorsitz der Bundestagsfraktion bedacht werden könnte.

Bleibt neben Heil und Klingbeil Platz für einen weiteren männlichen Niedersachsen?

Einfache Rechnung: Wird die SPD stärkste Kraft, kommt es zu einer Ampelkoalition im Bund und bleibt es bei 14 Bundesministerien, entfallen womöglich sechs auf die SPD, fünf auf die Grünen und drei auf die FDP. Scholz hatte schon deutlich gemacht, seine Posten zu gleichen Teilen mit Männern und Frauen besetzen zu wollen. Und ein Ministeramt soll mit einer Person aus Ostdeutschland besetzt werden. Nun stammt Pistorius weder aus dem Osten, noch ist er eine Frau. Bleibt da Platz für ihn? Unter diesen Voraussetzungen wohl kaum. Andererseits ist die Politik gerade in Personalfragen auch immer wieder für Überraschungen gut.

Ähnliche Artikel