Aurich
Maskenpflicht in Grundschulen: Erleichterung und Unverständnis bei Direktoren
Schon ab nächster Woche könnte die Maskenpflicht für Erst- und Zweitklässler fallen. In die Erleichterung mischt sich bei Auricher Schulleitern allerdings auch Unverständnis.
Aurich - Schon am kommenden Mittwoch könnte es soweit sein: Die Maskenpflicht für Erst- und Zweitklässler im Unterricht soll dann laut dem neuen Entwurf der Corona-Verordnung wieder fallen. Bei Auricher Schulleitern ist die Erleichterung darüber groß, auch wenn der Entwurf sich noch ändern kann.
In erster Linie freuten sich die befragten Schulleiter für ihre Schüler. „Für sie ist das ein echter Gewinn“, sagte der Leiter der Grundschule Upstalsboom, Uwe Schumacher. Für die Kinder sei es eine Umstellung gewesen, immerhin hätten sie in der Pandemie bisher im Unterricht keine Maske tragen müssen. Grundschüler waren von der Pflicht dazu bislang ausgenommen. Erst nach den Sommerferien in diesem Jahr mussten sie auch im Unterricht den Mund-Nase-Schutz tragen.
Kinder nahmen Maskenpflicht gut an
Für viele Kinder sei das Tragen der Maske kein Problem gewesen, sagte der Leiter der Grundschule Mittegroßefehn, Joachim Speckmann. „Die Kinder sind da sehr diszipliniert. Sie haben das gut angenommen“, so Speckmann. Ganz unproblematisch lief der Unterricht mit Maske aber nicht immer ab. In der Grundschule Westerende-Kirchloog wurden den Kindern zum Beispiel Pausen zum Luftschnappen eingeräumt, sagte die stellvertretende Direktorin Gertrud de Witt-Windorf. Die Kinder gingen dann nach draußen, dort dürften sie die Masken absetzen. Ohne frische Luft könne man schließlich schlecht lernen, sagte sie. Aber die Pausen hätten wiederum den Unterrichtsfluss gestört.
Gerade für die Erst- und Zweitklässler ist das Tragen der Maske im Unterricht hinderlich beim Lernen, sind sich die Schulleiter einig. Lehrer könnten nicht sehen, ob die Kinder Laute richtig bilden, sagte der Direktor der Finkenburgschule in Aurich, Wolfgang Neiweiser. Aber auch für die Zweitklässler sei wichtig, möglichst ungehindert lernen zu können. Den Ausfall von Präsenzunterricht während der Pandemie hätten die Schüler unterschiedlich gut weggesteckt, je nachdem, wie viel Unterstützung sie zu Hause erhielten. Bei manchen merke man noch Leistungsrückstände, sagte Neiweiser. „Aber es pendelt sich langsam ein“, fügte er hinzu.
Lernen läuft mit Maske schlechter
Die Maskenpflicht für Grundschüler könnte gerade für Kinder mit Migrationshintergrund Folgen haben, so die Sorge Speckmanns. „Sie haben es schon schwer genug damit, eine neue Sprache zu lernen“, sagte er. Einerseits müssten sie die Mundbewegung des Gegenübers beim Sprechen sehen, um die Laute gut nachbilden zu können. Andererseits könnten die Kinder durch die Maske gesprochene Worte schlechter verstehen. „Wenn ich zum Beispiel Arabisch lernen müsste, ohne es richtig zu sehen oder zu hören – wie soll das gehen?“, fragte er.
Ob Dritt- und Viertklässler bald auch wieder ohne Maske am Unterricht teilnehmen dürfen, ist noch nicht klar. Im aktuellen Entwurf gibt es darauf keinen Hinweis. Für einige Direktoren ist das nicht nachvollziehbar. Überall werde geöffnet, so Speckmann, und immer mehr Erwachsene seien geimpft. Warum die Lockerungen nicht auch in den Schulen ankommen, könne er nicht ganz verstehen. Auch Schumacher ärgert sich darüber, wie mit Kindern bisher in der Pandemie umgegangen worden ist. Dass in den ersten zwei Wochen nach den Sommerferien Maskenpflicht gilt, könne er gut verstehen. Immerhin sollten somit mögliche Infektionsketten durch Reiserückkehrer unterbunden werden. Dass die Hälfte der Schüler nun ohne und die andere Hälfte mit Maske im Unterricht sitzen soll, dass vestehe er allerdings nicht, sagte der Schulleiter. Immerhin hätten Grundschüler noch relativ viel Präsenzunterricht in der Pandemie gehabt – ohne Maske. Und jetzt, wo in mehreren gesellschaftlichen Bereichen gelockert werde, seien für Grundschüler die Corona-Regeln verschärft worden, sagte Schumacher.