Celle/Schleswig
Frankreich schickt „Maskenmann“ zurück nach Deutschland
Die Tat erinnert an seine Verbrechen in Deutschland, doch die Beweise reichen offenbar nicht aus. Nach seiner Auslieferung nach Frankreich kehrt Kindermörder Martin Ney ins Gefängnis in Niedersachsen zurück.
Für die Morde an drei Jungen verbüßt Martin Ney eine lebenslange Haft in der JVA Celle. Im Januar 2021 wurde der sogenannte Maskenmann allerdings von den deutschen Behörden nach Nantes ausgeliefert. Dort sollte dem heute 50-Jährigen der Prozess gemacht werden, weil er auch in Frankreich einen Jungen umgebracht haben soll.
Doch zu diesem Verfahren wird es nicht kommen. Ney wird in den kommenden Tagen in seine Zelle in Deutschland zurückkehren. Das bestätigte das zuständige niedersächsische Justizministerium unserer Zeitung.
Serientäter wurde in Frankreich viermal vernommen
Zuvor hatte die französische Zeitung „Ouest-France“ berichtet, dass eine achtmonatige Frist zur Vorbereitung eines Prozesses verstrichen sei. Offenbar gibt es nicht genügend Beweise dafür, dass Ney den elfjährigen Jonathan Coulom im April 2004 aus einem Zeltlager an der Atlantikküste entführt und anschließend getötet hatte.
Demnach hat der Verdächtige, der seit seiner Ankunft in Frankreich viermal intensiv vernommen wurde, jede Tatbeteiligung bestritten. Ney habe versichert, dass er weder zur Tatzeit noch an einem anderen Tag in Saint-Brevin-les-Pins gewesen sei.
Mord erinnert an die Taten in Deutschland
Jonathan war am 6. April 2004 aus dem Jugendlager an der französischen Westküste entführt worden. Sechs Wochen später wurde 30 Kilometer entfernt ein mit Steinen beschwertes Bündel in einem Teich gefunden, darin die gefesselte Leiche des Jungen.
Die grausame Tat erinnert an die Morde in Norddeutschland, die Martin Ney nach seiner Festnahme 2011 gestanden hatte. Am 31. März 1992 verschleppte er den 13 Jahre alten Stefan Jahr aus einem Internat im niedersächsischen Scheeßel. Fünf Wochen später entdeckte eine Spaziergängerin die Leiche in den rund 40 Kilometer entfernten Verdener Dünen, die Hände auf dem Rücken gefesselt.
In der Nacht auf den 24. Juli 1995 lockte er den acht Jahre alten Dennis Rostel aus dem Zeltlager Selker Noor bei Schleswig und fuhr mit dem Jungen nach Dänemark. Zwei Wochen später fanden Touristen die gefesselte Leiche in einer Sanddüne bei Skive.
Am 5. September 2001 entführte der Maskenmann den neunjährigen Dennis Klein während einer Klassenfahrt aus einem Zimmer im Schullandheim in Wulfsbüttel, missbrauchte und tötete das Kind. Pilzsammler entdeckten das Opfer vierzehn Tage danach an einem Waldweg.
Aussage eines Mithäftlings führte zur Auslieferung
2012 wurde der ehemalige Pädagoge wegen Mordes und sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen in Stade zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt.
Dass es nun zur Auslieferung nach Frankreich kam, lag an der Aussage eines Mithäftlings. Dieser behauptete, Ney habe ihm gegenüber bei mehreren Gelegenheiten erklärt, in Frankreich einen Jungen missbraucht und getötet zu haben. Auch wundere er sich darüber, nie überführt worden zu sein, denn er habe am Tatort einen Rucksack mit persönlichen Gegenständen darin verloren.
Französischen Medien zufolge habe er im Verhör dagegen ausgesagt: „Ich kann Ihnen sagen, dass das, was er (der Mithäftling, d. Red.) gesagt hat, absolut nicht der Wahrheit entspricht.“
Fallanalytiker geht von Täterschaft aus
Das Gegenteil konnten die französischen Ermittler ihm offenbar nicht nachweisen, obwohl viel für ihn als Täter spricht. So geht der Fallanalytiker Alexander Horn, dem Ney nach seiner Festnahme 2011 in Hamburg gestanden hatte der „Schwarze Mann“ zu sein, davon aus, dass Norddeutschland nach dem dritten Kindermord „als Tatgebiet verbrannt“ gewesen sei und er deswegen nach Frankreich auswich. Der Mörder von Jonathan Coulom sei mit großer Wahrscheinlichkeit derselbe wie der von Stefan Jahr, Dennis Rostel und Dennis Klein, darauf deute der Tathergang hin.
Nun sieht es so aus, als würde der Mord an dem französischen Jungen niemals gesühnt werden. Auch wenn der Vorwurf des Mordes an einem Minderjährigen bestehen bleibe und die Ermittlungen weiterlaufen sollen, wird Martin Ney laut „Ouest-France“ bereits vor Ablauf der Frist am 22. September nach Deutschland zurückkehren. Dies bestätigte das Ministerium indes nicht. Der Zeitpunkt sei noch offen.