Hamburg
Papst lehnt Rücktritt von Hamburger Bischof Stefan Heße ab
Im März hatte der Hamburger Erzbischof seinen Rücktritt angeboten. Nun liegt das Ergebnis vor. Interessant ist vor allem die Begründung des Papstes.
Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße bleibt im Amt. Am Mittwoch teilte der Vatikan mit, dass der Papst Heßes Rücktrittsangebot nicht annimmt. Bereits am 19. März hatte der Hamburger Erzbischof diesen Schritt angeboten, nachdem in Köln ein Gutachten vorgestellt worden war, in dem es um sexualisierte Gewalt in der Erzdiözese ging. Heße waren darin als damaliger Leiter der Personalabteilung und Generalvikar Pflichtverletzungen vorgeworfen worden.
Diese Vorwürfe seien im Juni von den Bischöfen von Stockholm und Rotterdam geprüft worden, heißt es in einer Pressemitteilung der Apostolischen Nuntiatur in Berlin, der diplomatischen Vertretung des Heiligen Stuhls in Deutschland. Der Vatikan habe daraufhin „für den fraglichen Zeitraum Mängel in der Organisation und Arbeitsweise des Erzbischöflichen Generalvikariates sowie persönliche Verfahrensfehler Mons. Heßes festgestellt“. Die Untersuchung, so heißt es, habe jedoch nicht gezeigt, dass diese Fehler „mit der Absicht begangen wurden, Fälle sexuellen Missbrauchs zu vertuschen“.
Der Papst habe nun nach Einbeziehung der Bischöfe und vatikanischen Behörden entschieden, den Amtsverzicht des Hamburger Erzbischofs nicht anzunehmen, „sondern ihn zu bitten, seine Sendung als Erzbischof von Hamburg im Geist der Versöhnung und es Dienstes an Gott und den seiner Hirtensorge anvertrauten Gläubigen fortzuführen.“
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Georg Bätzing, erklärte, mit der Entscheidung des Papstes ende eine „schwierige Zeit der Ungewissheit. Das ist gut so, und dafür bin ich dankbar.“ Er wünsche dem Erzbistum einen guten Neustart, so Bätzing. „Vieles, was im vergangenen halben Jahr liegenbleiben musste, kann nun wieder beherzt angegangen werden. Bei allen, die nun möglicherweise irritiert sind, werbe ich um das Zutrauen, dass die Entscheidung des Papstes aufgrund von Beratung wohl überlegt und begründet ist.“
Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode erklärte gegenüber unserer Redaktion, er sei froh, „dass es nach reiflicher Prüfung nun eine Entscheidung gibt. Eine Entscheidung in vielfach schweren Zeiten.“ Er sei sicher, so Bode, „dass Erzbischof Heße sie demütig und entschlossen annehmen wird. Er wird alles in seiner Kraft stehende tun zum Wohle der Menschen und des Erzbistums Hamburg, mit dem wir Osnabrücker von jeher eng verbunden sind. Gern gehen wir den Weg mit ihm als Erzbischof weiter.“