London
Drama um getötetes Alpaka: „Darüber werde ich nie hinwegkommen“
Helen MacDonald, die Besitzerin des getöteten Alpaka Geronimo, berichtet im Interview, wie sie mit dem Verlust umgeht und wie Menschen auf der ganzen Welt Anteil nehmen.
Auch ein Fluchtversuch in letzter Minute war nicht erfolgreich: Nach langem Streit ist das Alpaka Geronimo in England getötet worden. Das Tier sei eingeschläfert worden, um die Ausbreitung der tödlichen und ansteckenden Rindertuberkulose zu verhindern, teilte das Landwirtschaftsministerium in London am Dienstag mit. Die Besitzerin von Geronimo, Helen Macdonald, forderte bis zum Schluss einen weiteren und - nach ihren Angaben - genaueren Test. Nun spricht sie im Interview über Ihren Verlust.
Frau MacDonald, vor zwei Wochen wurde Geronimo von Tierärzten in Begleitung der Polizei abgeholt und dann getötet, weil er angeblich Rindertuberkulose hatte. Wie geht es Ihnen jetzt?
Helen MacDonald: Ich bekomme die Bilder nicht aus meinem Kopf, darüber werde ich nie hinwegkommen. Die Tierärzte wussten nicht einmal, wie man ihm einen Halfter anlegt und drängten ihn brutal in die Box. Es ist schrecklich, dass ich nicht genau weiß, wie er gestorben ist und wo genau sie ihn hingebracht haben. Es war einfach so unnötig.
Das Landwirtschaftsministerium behauptet weiterhin, dass Geronimo Rindertuberkulose hatte.
Ja, aber sie haben seit seiner Tötung nach wie vor keinen Beweis dafür vorgelegt, keinen einzigen. Es gibt keinen Laborbefund, der dies belegt. Es sind bloße Behauptungen.
Sie haben vier Jahre lang für das Leben von Geronimo gekämpft. Wie kam es dazu?
Damals kam der Verdacht auf, dass Geronimo Rindertuberkulose hat. Herausgefunden hatte man dies durch Hauttests, die jedoch wenig zuverlässig ist sind. Ich wollte dann gerichtlich erwirken, dass ein Bluttest gemacht wird. So wollte ich beweisen, dass er gesund ist. Dies hat man mir jedoch immer wieder verwehrt.
Das Landwirtschaftsministerium entgegnet, dass sie sich an die wissenschaftlichen Beweise halten und Tiere töten müssen, die positiv auf Rindertuberkulose getestet worden sind.
Ich sage ja auch nicht, dass diese Krankheit kein Problem darstellt. Es ist ein großes Problem. In Großbritannien werden jährlich zehntausende Tiere getötet, um nach Ausbrüchen eine Weiterverbreitung zu verhindern. Aber erstens hatte Geronimo ja gar keine Rindertuberkulose und zweitens gibt es Alternativen: bessere Tests zum Beispiel - oder auch die Isolation der Tiere.
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Das Schicksal von Geronimo bewegt Menschen auf der ganzen Welt. Wie drücken diese ihre Anteilnahme aus?
Die Bestürzung über das, was passiert ist, ist groß. Viele Menschen schicken mir Emails und Briefe, in denen sie beschreiben, wie traurig sie sind. Manche senden Blumen, andere Geld. Kinder malen Bilder von Geronimo - und das, obwohl er jetzt tot ist.
Wie erklären Sie sich das?
Ich glaube, dass seine Geschichte die Menschen gerade in Zeiten der Pandemie besonders berührt hat. Außerdem sind Alpaka sehr süße Tiere. So wurde er zu einer Art „Posterboy“ für meinen Kampf gegen die Behörden und erhielt immer mehr mediale Aufmerksamkeit.
Bis er vor laufenden Kameras von den Behörden abgeholt wurde.
Ich glaube, dass man damit öffentlich zeigen wollte, dass man sich besser nicht mit dem Landwirtschaftsministerium anlegen sollte. Dabei hätte dieses Land gute Nachrichten in diesen düsteren Zeiten gut gebrauchen können. Sie hätten sagen können: Wir töten das kleine Alpaka jetzt nicht. Wir lassen es einfach, wo es ist, so dass es keinem Schaden kann.
Sie hätten Geronimo also behalten?
Ja, sicher. Ich hätte ihn niemals verkauft. Er hätte hier weiterleben können. Aber stattdessen haben sie ihn getötet und jetzt muss ich die Scherben aufsammeln und mir überlegen, wie ich weitermache.
Haben Sie das Gefühl, dass Ihr jahrelanger Kampf nun umsonst war?
Nein, denn so schlimm die Sache auch ist: Ich bin froh, dass Geronimo nicht in aller Stille gestorben ist. Viele Menschen haben mitbekommen, dass er ohne Grund getötet wurde. Wir haben auf ein größeres Problem aufmerksam gemacht.
Was planen Sie nun?
Ich brauche jetzt mal eine Pause. Langfristig müssen wir aber herausfinden, was genau mit Geronimo passiert ist. Jemand muss zur Verantwortung gezogen werden. Und für den Fall, dass auch meine verbliebenen 18 Alpakas getestet werden sollen, werde ich erneut vor Gericht ziehen.