Stuttgart

Die deutsche Nationalelf begeistert und soll dieses Level halten

Malte Schlaack
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Von Malte Schlaack
| 06.09.2021 21:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Daumen hoch vom Chef: Der neue Bundestrainer Hansi Flick (großes Foto) erlebte in seinem ersten Heimspiel einen Einstand nach Maß mit sechs schönen Toren beim 6:0-Sieg in Stuttgart gegen Armenien. Foto: imago/Jan Huebner
Daumen hoch vom Chef: Der neue Bundestrainer Hansi Flick (großes Foto) erlebte in seinem ersten Heimspiel einen Einstand nach Maß mit sechs schönen Toren beim 6:0-Sieg in Stuttgart gegen Armenien. Foto: imago/Jan Huebner
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Bundestrainer Hansi Flick hat mit dem 6:0 gegen Armenien ein rauschendes Heimdebüt mit der deutschen Fußbal-Nationalmannschaft hingelegt. Das soll aber erst der Anfang gewesen sein.

Wie heftig die emotionalen Ausschläge rund um die Nationalmannschaft sein können, weiß Hansi Flick schon länger. Als Co-Trainer von Joachim Löw war er schließlich schon acht Jahre lang dabei. Nun ist Flick seit zwei Spielen selbst als Bundestrainer ganz vorne dabei und hat eigentlich schon die ganze Bandbreite der Gefühle erlebt. Nach dem 6:0 gegen Armenien in Stuttgart war sogar Euphorie zu spüren. Flick weiß das in richtige Bahnen zu lenken - wie offenbar auch das deutsche Spiel in der Offensive.

Ein Satz bleibt besonders im Gedächtnis

Der neue Bundestrainer wird das Ergebnis gegen den bisherigen Tabellenführer der WM-Qualifikationsgruppe nicht zu hoch hängen, genau wie er es mit der schwachen Leistung beim 2:0 gegen Liechtenstein einige Tage zuvor nicht getan hat. Dennoch blieb ein Satz Flicks nach dem Auftritt in Stuttgart besonders im Gedächtnis: „Das wird so sein, dass das der Maßstab ist.“

Es geht auch ohne zentralen Torjäger

Vor, während und nach der EM - oder eigentlich immer, wenn es nicht läuft - gibt es Diskussionen über den deutschen Angriff. Es gibt aktuell keinen echten Abschlussstürmer. Schon gar keinen wie den gerade verstorbenen Gerd Müller, dessen vor dem Spiel gegen Armenien gedacht worden war. Die Nationalelf lieferte nun aber einen eindrucksvollen Beweis, dass es auch anders gehen kann. Die Offensive agierte kreativ, zielstrebig und auch abschlussstark. Das größte Plus dabei: Es steht sehr viel Personal zur Verfügung. Da ist vielleicht kein Zielspieler für den Strafraum dabei, aber Doppeltorschütze Serge Gnabry, der formstarke Marco Reus, Leroy Sané (Flick: „Er ist mit einer Leichtigkeit unterwegs , die schon beeindruckend ist“) und Timo Werner machten und hatten ganz vorne Spaß.

Goretzka der Mann des Tages

Das war aber nicht alles in dieser Partie, die zum Maßstab werden soll. Mann des Spiels war eigentlich Leon Goretzka, der aus dem defensiven Mittelfeld heraus alles ordnete, Bälle abfing und viele gute Aktionen einleitete. Darüber hinaus wird es Flick gefallen haben, als er in der zweiten Halbzeit erst Jamal Musiala und Florian Wirtz und kurz danach noch Karim Adeyemi brachte, der den 6:0-Endstand erzielte. Wohlgemerkt, von den drei Letztgenannten ist Adeyemi mit 19 Jahren der Älteste.

Fans als „Balsam für unsere Seele“

„Wir wollen einfach zeigen, dass wir einen tollen Fußball spielen können und dass die Mannschaft auch die Präzision im Abschluss hat und auch das Vertrauen in ihre Qualität“, erklärte Flick den neuen Maßstab. Dass die Rückkehr der Zuschauer ein weiterer Faktor zu diesem perfekten Fußballabend war, wollte ebenfalls niemand verhehlen. „Wir machen nach dem Spiel die Runde, man sieht die Fahnen schwenken, blickt in strahlende Augen und leuchtende Gesichter. Das war Balsam für unsere Seele, das ist das, worum es im Fußball geht“, sagte Goretzka über die positive und irgendwann ausgelassene Stimmung in Stuttgart.

Wohin fährt die Achterbahn in Reykjavik?

Das dürfte am Mittwoch etwas anders sein. Für das Spiel in Reykjavík gegen Island sind elf Grad und Regen vorhergesagt. Dazu ein Gegner, der mit erst vier Punkten eh nichts mehr zu verlieren hat. Die Gefahr besteht also durchaus, dass die Gefühlsachterbahn des deutschen Fußballs wieder in die andere Richtung fährt. Oder, Herr Flick? „Da fokussiert zu sein, das ist für uns, für einen Leistungssportler, absolut das Wichtigste“, sagte der Bundestrainer. Der neue Maßstab will ja schließlich gehalten werden. 

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