Sylt

Urlauberin zum ersten Mal auf Sylt: „Freunde! Das ist doch kein Urlaub“

Birgit Walter
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Von Birgit Walter
| 01.09.2021 13:29 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Autos stehen an der Autozug-Verladestation zur Nordseeinsel Sylt in Schlangen. Foto: Daniel Bockwoldt/DPA
Autos stehen an der Autozug-Verladestation zur Nordseeinsel Sylt in Schlangen. Foto: Daniel Bockwoldt/DPA
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Die Berliner Journalistin Birgit Walter hat die Eindrücke ihres allerersten Sylt-Urlaubs in einem persönlichen Text verarbeitet. Dieser ist zuerst in der Berliner Zeitung erschienen.

Die Journalistin Birgit Walter hat in einem Artikel für die Berliner Zeitung die persönlichen Erfahrungen und Eindrücke ihres ersten Sylt-Besuchs beschrieben. Den Text möchten wir an dieser Stelle zur Diskussion stellen. Birgit Walter erhebt keinen Anspruch auf Objektivität und sicherlich sind die Meinungen dazu geteilt. Aber manches von dem, das sie beschreibt, dürfte jeder Sylt-Kenner schon mal erlebt haben. Birgit Walter schreibt:

„Mich hat nie einer vor Sylt gewarnt. Immer hieß es nur, was für eine umwerfende Insel das ist in einem tosenden Meer, dazu 40 Kilometer weißer, breiter, blitzsauberer Strand. Soghaft die Wellen, gewaltig die urige Dünenlandschaft. 

Dagegen sei die Ostsee niedlich, ja lächerlich. Ich lasse mir meine Ostsee nicht schlechtreden, gebe aber zu: Die Schwärmer haben Recht: der Strand von Sylt haut einen um. Sicher schafft er es in die Top Ten weltweit. Aber alles andere auf der Insel, Freunde! Das ist doch kein Urlaub, das ist eine Strafe. Ich habe es dahin geschafft, weil uns eine Freundin ihr alljährlich gebuchtes Apartment überlassen hat. Sie konnte es ausnahmsweise nicht nutzen, aber auch nicht zurückgeben, aus Sorge, es würde sich dann ein anderer schnappen, womöglich für immer.

Stau über viele Kilometer vor der Einfahrt zum Bahn-Gelände? 

Von der Zugfahrt mit häufigem Umsteigen rät sie ab, die Streikgefahr, die überfüllten Züge, einmal sei sie in Hamburg gestrandet. Und das Auto ist bequem, die Anfahrt bis zum Autozug in Niebüll in fünf Stunden geschafft. Gut, aber was war da vor uns auf der Straße los? Ein Stau über viele Kilometer vor der Einfahrt zum Bahn-Gelände? Die Frau an der Autozug-Hotline lacht grimmig: Soso, Sie wollen am Stau vorbei fahren mit Ihrer Reservierung für 14.30 Uhr. Hahaha, das ist in 90 Minuten. Den Zug können Sie vergessen! Sie sind zu spät losgefahren.“ Es beginnt zu regnen. Wir widerstehen dem Gedanken an Umkehr.

In die Zufahrtsstraße fädelt man sich ein: ein Auto von Norden, eins von Süden. Der rote Audi ignoriert das Prinzip, lässt uns nicht rein. Ich will raus und den Fahrer an den Haaren ziehen. Der Gatte sagt Nein. Ich beschwere mich bei den Sylt-Anbetern. Die Freundin tut arglos: Och, das Warten gehört zur Insel. Mein Bruder sagt: Wir standen mal fünf Stunden! Weiter erklären sie nichts zu ihrer bizarren Vorliebe. Mit unserer Reservierung rauschen wir Stunden später auf dem Bahngelände an dem roten Audi vorbei. Die erste Urlaubsfreude, niedere Instinkte sind geweckt. Kein Wort jetzt über Westerland, diese Bausünde. Das Apartment in Wenningstedt ist schön, vom Balkon sieht man einen Meereszipfel. Dafür kostet es so viel wie unser Lieblingshotel in Südtirol mit Bergblick, Sauna, See und himmlischem Menü am Abend.

Keine Strandkörbe

Auf Sylt dagegen stehe ich morgens beim Bäcker an, 32 Kunden vor mir. Der Fluchtimpuls nutzt nichts, die Konkurrenz ist genauso belagert. Die Freundin rät: Um sieben schläft die Schlange noch. Die Touristen-Information hat keine Fahrradwegekarte, der Strandkorbverleiher keine Strandkörbe, das Restaurant keinen freien Platz und vor dem Gosch warten hundert Leute. Wie früher im Osten an der Ostsee. Und der Ton ist auch rau.

Bier 7,90 Euro

In Kampen, einem Ort mit legendär hoher Promi-Dichte, rätseln wir über die Gelassenheit der Urlauber. Dann beobachten wir aus einem Café, das Bier 7,90 Euro, wie Autos aus einem Transporter rollen - Maserati, Aston Martin, Rolls-Royce-Cabrio. Klar, die passen nicht in den Privatjet und warum sollen die Reichen und Schönen hier auf ihre Lieblingsfahrzeuge verzichten?

Der Urlaub bringt viel Sturm und Regen, aber der Strand ist toll. Erwähnt sei noch, dass es auf der Rückreise eine Signalstörung gab. Der Rückstau soll die halbe Insel gefüllt haben, beidseitig. Wir standen eher vorn. Nutzte nichts.“

Und hier lesen Sie, was die Leser der Sylter Rundschau zu dem Artikel sagen:

Sylt „ist doch kein Urlaub“? - Leser reagieren auf Bericht von Berlinerin 

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