Hannover
Mit diesen Regeln startet Niedersachsen ins neue Schuljahr
In Niedersachsen geht an diesem Donnerstag die Schule wieder los - für alle in Präsenz. Allerdings sind einige wichtige Grundregeln zu beachten. Ein Überblick.
Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne hält trotz steigender Coronazahlen daran fest, mit Präsenzunterricht und vollen Klassen ins neue Schuljahr zu starten (Szenario A). Möglich mache dies ein „enges Sicherheitsnetz“, wie der SPD-Politiker am Mittwoch in Hannover erläuterte. Der Unterricht geht für insgesamt rund 1,1 Millionen Schüler an den rund 3000 allgemein bildenden und berufsbildenden Schulen an diesem Donnerstag wieder los. Auch die Kitas starten im Regelbetrieb
Tägliche Tests und dann drei Mal wöchentlich
An den ersten sieben Schultagen von Donnerstag 2. September, bis Freitag 10. September, sind tägliche Corona-Tests vorgesehen. Ab Montag, 13. September, sind dann drei Tests pro Woche nötig - vor der Schule zu Hause, so wie vor den Ferien auch. Dadurch, dass die Schüler zunächst täglich und dann drei Mal wöchentlich getestet werden, entfällt für sie in vielen Fällen wie etwa bei Großveranstaltungen die Testpflicht. Neu ist, dass die Tests nun verpflichtend für alle sind. Bislang konnten Eltern, die ihre Kinder nicht testen lassen wollen, vom Präsenzunterricht abmelden. Das geht nun nicht mehr. Laut Minister Tonne erwägt das Land nicht, die täglichen Testungen über den 10. September hinaus zu verlängern. Ausgenommen von der Testpflicht sind vollständig geimpfte und genesene Schüler und Lehrer.
Strenge Maskenpflicht
Neu ist auch, dass strenge Maskenregeln an die Schulen zurückkehren. So besteht an allen Schulformen eine umfassende Maskenpflicht für alle Schüler. In den Schulgebäuden ist eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. Dies gilt auch in den Unterrichtsräumen, wenn sich die Schüler am Sitzplatz befinden. Während der Pausen im Freien auf den Außengeländen, in den Mensen beim Essen und Trinken sowie beim Sportunterricht kann die Mund-Nasen-Bedeckung abgelegt werden. Zusätzlich sind „Maskenpausen“ in den Schulalltag zu integrieren, insbesondere in den Lüftungspausen, womit das Maskentragen zirka alle 20 Minuten unterbrochen wird.
Maske kann vor Quarantäne schützen
Minister Tonne stellte bereits in Aussicht, zum Auslaufen der aktuellen Corona-Verordnung am 22. September überprüfen zu wollen, ob die Maskenpflicht zumindest in den jüngeren Jahrgängen gelockert werden kann. Gleichzeitig wies der Minister aber darauf hin, dass die Maskenpflicht ein Beitrag dazu leiste, dass bei einem Corona-Fall nicht mehr alle Schüler einer Klasse, sondern möglicherweise neben dem Betroffenen nur die unmittelbaren Sitznachbarn in Quarantäne müssten. Über die konkreten Quarantänemaßnahmen entscheide das jeweilige Gesundheitsamt vor Ort.
Wann geht´s ins Szenario B oder C?
Ein flächendeckender Wechsel ins Szenario B (halbe Klassen in der Schule, die andere Hälfte im Homeschooling) oder gar ins Szenario C (komplett Homeschooling) ist für ganze Landkreise oder Städte laut Kultusminister Tonne nicht mehr vorgesehen. Darüber solle „schulscharf“ von den Gesundheitsämtern vor Ort entschieden werden, wenn das Infektionsgeschehen an einer Schule überhand nehme.
Was ist mit den Kitas?
Auch die Kindergärten werden vollständig geöffnet. Allerdings sollen auch die Kleinen drei Mal wöchentlich getestet werden. Im Gegensatz zu den Schulen sind die Kita-Tests aber freiwillig. Die Kosten für die Tests trägt das Land.
Sind Einschulungsfeiern möglich?
Einschulungsfeiern an den Grundschulen sind unter der Beachtung zweier Grundregeln möglich:
1. Es gilt die 3G-Regel: Alle Teilnehmenden ab sechs Jahren müssen geimpft, genesen oder getestet sein.
2. Maskenpflicht drinnen: Ebenso wie im regulären Schulalltag gilt in den Schulgebäuden die Maskenpflicht für alle.
Das sagen die Lehrerverbände
Der Verband Niedersächsischer Lehrkräfte (VNL) begrüßt das engmaschige Testnetz an den Schulen. „Auch wir wollen ein Schuljahr in sicherer Präsenz. Was die Kinder und Jugendlichen in den letzten 18 Monaten erleben mussten, darf sich nicht wiederholen“, meint der VNL-Landesvorsitzende Torsten Neumann. Gleichzeitig übten der VNL, der Philologenverband Niedersachsen (PHVN), der Verband Bildung und Erziehung (VBE), der Verband für Lehrerinnen und Lehrer an Wirtschaftsschulen in Niedersachsen (VLWN) und der Berufsschullehrerverband Niedersachsen (BLVN) deutliche Kritik am Kultusministerium, was die Beschaffung von Luftfilteranlagen angeht. „Dieses politische Versprechen erweist sich zunehmend als Luftnummer, da bisher nur wenige Schulen diese Geräte erhalten haben und aufstellen konnten“, heißt es. Tonne entgegnete, dass Luftfilteranlagen kein Allheilmittel, sondern lediglich als Ergänzung zum Testen, Lüften, Masketragen und zu Hygienekonzepten seien.
Kritische Töne aus der Opposition
Kritik am Schulkurs der Großen Koalition kommt aus der Opposition. „Die Schulen starten so schlecht vorbereitet ins neue Schuljahr, wie sie aus dem alten gekommen sind. Die jetzt neu hinzukommenden Maßnahmen an den Schulen sind das Ergebnis des viel zu späten Handelns von Minister Tonne. Er hat es verschlafen, rechtzeitig den Weg frei zu machen, damit die Kommunen Luftfilter und Luftaustauschsysteme anschaffen können, um die Schulen pandemiesicher zu machen“, erklärt der bildungspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Björn Försterling. Julia Willie Hamburg, Fraktionsvorsitzende der Grünen und schulpolitische Sprecherin, sieht mit Blick auf den Winter „keine Perspektive, um die Schule zu einem besonders sicheren Ort zu machen“. Der Minister habe die vergangenen Monate und die Sommerferien ungenutzt verstreichen lassen. „Das Schönreden der tatsächlichen Situation setzt sich leider auch bei den Corona-Maßnahmen fort“, kritisiert Hamburg.