Osnabrück

Mensen in Berlin: Kaum noch Schnitzel für Studierende

Ralf Döring
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Von Ralf Döring
| 30.08.2021 14:14 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Es geht auch ohne Fleisch: Die erste vegane Mensa hat in Berlin bereits 2019 eröffnet. Jetzt ziehen die anderen Mensen nach kochen künftig vegetarisch und vegan. Ein bisschen Fleisch gibt's aber auch noch. Foto: dpa/Monika Skolimowska
Es geht auch ohne Fleisch: Die erste vegane Mensa hat in Berlin bereits 2019 eröffnet. Jetzt ziehen die anderen Mensen nach kochen künftig vegetarisch und vegan. Ein bisschen Fleisch gibt's aber auch noch. Foto: dpa/Monika Skolimowska
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Ab dem Wintersemester müssen die Berliner Studierenden auf Fleisch und Fisch verzichten - zumindest weitgehend. Dann wird dem Klima zuliebe der Essensplan umgestellt. Verbotskultur auf dem Teller?

Beunruhigende Nachrichten aus Berlin: Die Mensen der Hauptstadt-Hochschulen setzen auf vegetarisch und vegan. Begründet wird der Schritt mit dem Klimaschutz: „Das neue Ernährungskonzept wurde insbesondere entwickelt, weil Studierende immer wieder an uns herangetreten sind mit dem Wunsch, das Angebot in den Mensen noch klimafreundlicher zu gestalten“, erklärt Daniela Kummle vom Studierendenwerk. Erst verbannt VW die legendäre Currywurst aus der Kantine, jetzt gibt's in der Berliner Mensa nur noch Studentenfutter - geht's noch?

Verbotskultur auf dem Teller?

Aber auch in Berliner Mensen wird nicht so heiß gegessen, wie gekocht wird. Ja, das Angebot soll umgestellt werden: 96 Prozent sollen vegetarisch oder vegan sein; wenn's geht saisonal und aus der Region. „Langweilig“, wird da die Fleischfraktion rufen und Verbotskultur wittern - leerer Bauch studiert nicht gern, oder wie war das? Allerdings: Die Studierenden selbst lehnen ja das viele Fleisch ab, und seien wir ehrlich - vegetarisches und auch veganes Essen ist ziemlich lecker.

Die subversive Kunst der Köche

Das Studierendenwerk selbst gibt da auf seiner Homepage viele Anregungen im „Mensa Kochstudio“. Dort findet sich eine Tomatensauce oder Gemüseeintopf mit geräuchertem Tofu, aber auch - Weihnachtsente und Hähnchen in Erdnusssoße. Ganz so dogmatisch kann das Studierendenwerk in Berlin also nicht sein. Außerdem führt die Seite auch vor, wie sich strenge Vorgaben unterlaufen lassen: „Veganer Kartoffelsalat“ findet sich da, der mit den Worten „Ohne viel Schnick-Schnack und soo gut“ beworben wird. Nun weiß jeder: Kartoffelsalat ist die perfekte Beilage zum Wiener Schnitzel; das Studierendenwerk geht aber viel subversiver vor: Als „Tipp“ steht da einmal die Binsenweisheit, „dieser Kartoffelsalat schmeckt lauwarm am besten.“ Zum U-Boot für Fleischeslust wird die vegane Köstlichkeit aber erst im zweiten Halbsatz: Der Kartoffelsalat passe „hervorragend zu Grillgerichten.“ Und auf welchem Grill landet schon ausschließlich Halloumi und Grillgemüse?

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Aber eigentlich brauch das Studierendenwerk die vegane Camouflage gar nicht. Es wird ja weiterhin Fleisch und Fisch geben, wenn auch nur noch vier Prozent des Gesamtangebots. Wer nun aber generell die Verbotskultur auf dem eigenen Teller fürchtet, der sollte sich klar machen: Die meisten Berliner müssen sich keine Gedanken über das Mensaessen machen. Von den rund 3,7 Millionen Berlinern müssen sich lediglich die 196.000 Studierende Gedanken machen, ob sie vegan und klimafreundlich essen wollen - oder eben nicht. Außerdem: Vier Prozent Fisch und Fleisch, das bedeutet immer noch an die 8000 Schnitzel pro Tag. 

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