Osnabrück
Kinderbetreuung in Deutschland – Der große Fehlschlag
Wer betreut mein Kind? Viele junge Eltern suchen händeringend nach einem Kita-Platz. Dass in Deutschland immer noch hunderttausende Erzieher fehlen, ist eine Schande. Lösungsansätze gibt es - man muss sie nur wollen.
Mehr als 20 Jahre ist es her, dass Altbundeskanzler Gerhard Schröder gedankenverloren von „Familie und Gedöns“ sprach. Die Politik scheint das Thema bis heute nicht wirklich ernst zu nehmen, wie das Beispiel Kinderbetreuung zeigt. Wie kann es sonst sein, dass acht Jahre, nachdem die Bundesregierung den einklagbaren Rechtsanspruch auf Kita- und Krippenplätze eingeführt hat, immer noch hunderttausende Erzieherinnen und Erzieher in Deutschland fehlen? Wie kann es sein, dass sich das trotz aller vollmundigen Initiativen auch bis 2030 laut einer Bertelsmann-Studie nicht ändern wird? Dabei müssen wohlgemerkt nur 40 Prozent der Kleinsten überhaupt betreut werden - alle anderen bleiben in ihren Familien.
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Steuermilliarden allein reichen nicht
Die Regierung tut so, als würde es reichen, ein paar Steuer-Milliarden zu verteilen und Fotos mit fröhlichen Kindern zu machen, damit alles irgendwie besser wird. Doch das werbemäßig sogenannte „Gute-Kita-Gesetz“ mit seinen satten 5,5 Milliarden Euro von Ex-Familienministerin Franziska Giffey entpuppt sich zweieinhalb Jahre nach seinem Start schlicht als Etikettenschwindel. Einheitliche Standards? Gibt es nicht. Mal stecken Landesregierungen das Geld in beitragsfreie Plätze, mal in die Qualifizierung der Kita-Leitung, mal in längere Betreuungszeiten, eine Qualitäts-Kontrolle fehlt. Dass Kitas und Kindergärten dadurch wirklich „gut“ werden, ist zu bezweifeln. Fakt ist: In Niedersachsen betreut eine Fachkraft acht Ganztags-Kindergartenkinder - wissenschaftlich empfohlen werden aber maximal sieben Kinder.
Beruf ist unattraktiv
Wer möchte schon so viele herumflitzende Energiebündel hüten, bei denen klar ist, dass man nicht jedem einzelnen Kind gerecht werden kann? Kein Wunder, dass sich junge Menschen so nicht für den Beruf des Erziehers und der Erzieherin begeistern lassen. Zumal das Einstiegsgehalt bei vergleichsweise geringen 2500 Euro brutto liegt und die Arbeit mit kleinen Kindern gesellschaftlich nicht gerade hip ist. Eine neue Bundesregierung muss da umsteuern - vor allem in Richtung Qualität. Bessere Bezahlung, besserer Betreuungs-Schlüssel und eine bessere Ausstattung stehen ganz oben auf der Liste.
Mehr als nur „Gedöns“
Denn eine gute Kleinkind-Betreuung ist die Voraussetzung dafür, dass Kinder ihr Potenzial ausschöpfen können und ausgeglichene, leistungsfähige Erwachsene werden - die dann das Wirtschaftswachstum ankurbeln und Steuern zahlen. Nicht zuletzt sind junge Eltern eine wichtige Wählergruppe. Das alles kann die Politik nicht unter „Gedöns“ abtun.