Großefehn
Ex-Nationalspieler fasziniert von Fehntjer Begeisterung
Ex-Fußball-Profi Philipp Lahm hat als Schirmherr für ein Projekt des SV Großefehn ein Video-Gespräch mit dessen Initiator Tamme Bölts geführt. Der Münchner verabschiedete sich auf plattdeutsch.
Großefehn - Dass Begeisterung ansteckend ist, dafür sind der SV Großefehn und Philipp Lahm das Paradebeispiel. Der Weltmeister-Kapitän der deutschen Fußballnationalmannschaft von 2014 hatte die Schirmherrschaft über das Projekt „Sozialer Jahresplan“ des Vereins übernommen. Zum Abschluss führten Lahm und Tamme Bölts, der Initiator des Jahresplans, am Donnerstagabend per Video ein Gespräch. So fasziniert, wie Lahm im Vorfeld von dem Projekt der Fehntjer gewesen war, so dynamisch nahmen Bölts und er die Zuhörer mit in den Bereich des Amateurfußballs mit einem Abstecher in die Welt des Profispiels. Und am Ende hatte der Münchner sogar ein bisschen Plattdeutsch gelernt.
Das Corona-Virus war der Auslöser dafür, dass sich die Fehntjer in der fußballlosen Zeit anderweitig engagierten. Ein Team um Bölts arbeitete einen Jahresplan mit monatlichen Aktivitäten aus und klopfte einfach mal bei der Philipp-Lahm-Stiftung an, ob sie die Schirmherrschaft übernehmen wollte. Die sagte tatsächlich zu.
Begeisterung hat Lahm fasziniert
Was Lahm dazu bewogen hat? „Ich habe eure Begeisterung gemerkt. Das hat mich fasziniert. Ich habe gespürt, ihr meint es wirklich ernst und gesagt, da bleiben wir dran“, antwortet er auf die Frage von Bölts. Es sei wichtig, dass sich Menschen engagieren, so Lahm. Bestes Beispiel ist seine Mutter, die knapp 30 Jahre Jugendleiterin in dem kleinen Verein in München war, in dem für Lahm alles begann. Bei der FT Gern. Vor eineinhalb Monaten hat sie das Amt abgegeben. Sein Papa sei die gute Seele des Vereins gewesen. Sein Opa, sein Onkel hätten dort Fußball gespielt. 200 Meter entfernt sei ein Waisenhaus gewesen. „Ich war immer ein Vereinskind. Das hat auch mich geprägt“, sagt der 37-Jährige.
Tiergarten-Aktion hat Lahm besonders gefallen
Lahm hat jede Aktivität der Fehntjer über das Jahr verfolgt. Besonders gut hat ihm die Tiergarten-Aktion gefallen, als sich die Fehntjer zu einem Arbeitseinsatz in Birgit’s Tiergarten in Rechtsupweg trafen: „Das war top.“ Aber auch die Videos mit dem Aufruf zur Knochenmarkspende und dem zum Thema Kinder und Bewegung haben es ihm angetan.
Was Lahm Jugendtrainern mit auf den Weg geben kann? Da unterscheidet er zunächst zwischen Leistungs- und Breitensport. Ganz oben an steht für ihn, Spaß und Freude an der Sache Fußball zu haben. Aber auch, Respekt gegenüber Mitspielern, Trainern und Schiedsrichtern zu vermitteln. Sportlich sind für ihn die Grundlagen das Wichtigste, dazu das Training variabel zu gestalten und andere Sportarten einzubringen. Warum zur Abwechslung nicht mal werfen, fangen, Handball spielen? Damit liegt er auf einer Wellenlänge mit Bölts, der ebenfalls eine große Bewegungsvielfalt befürwortet. „Ich habe verdammt viel Tennis und Basketball gespielt. Im Winter natürlich Skifahren“, sagt Lahm. Aber das meiste Talent habe er im Fußball gehabt, fügt er mit einem Schmunzeln hinzu. Mit seinem Sohn Julian („Der ist jetzt neun“) spielt Lahm im Garten Fußball. Das sei dann definitiv Spaß: „Im Training ist er gut aufgehoben.“
Wenn einer Bayern Konkurrenz machen kann, dann Dortmund
Themenwechsel zum großen Fußball. Daran, dass der FC Bayern München auch in dieser Saison Deutscher Meister wird, daran hat Lahm keine Zweifel. Dortmund ist noch der Konkurrent, den er am nächsten zu den Bayern sieht. „Aber wenn’s drauf ankommt, sind die Bayern einfach da“, sagt er mit Blick auf das Supercup-Finale vom Dienstag.
Und was bei der Europameisterschaft 2024 im eigenen Land besser werden soll als bei der EM in diesem Jahr? „Weiter kommen als Achtelfinale“, sagt Lahm pfeilschnell. Ihm, der EM-Botschafter 2024 ist, hat in diesem Jahr die Begeisterung gefehlt. „Die müssen wir zurückgewinnen.“ Aber auch fußballerisch müsse die Mannschaft besser werden, fügt er noch hinzu: „Am besten schon nächstes Jahr.“ Dann ist die Weltmeisterschaft in Katar.
Aus Zusammenarbeit ist schöne Partnerschaft geworden
Lahm aber steckt schon tief drin in der Organisation für die EM. Am 5. Oktober soll das Logo präsentiert werden. Es folgt eine Deutschland-Reise in die zehn Städte, in denen die Spiele stattfinden. Als Spieler hat Lahm bereits viele Großveranstaltungen erlebt: „Es ist interessant, jetzt mal die andere Seite kennenzulernen.“
Aus der Zusammenarbeit mit dem SV Großefehn ist für Lahm nach eigener Aussage eine schöne Partnerschaft geworden. „Macht so weiter“, gibt er Bölts nach dem gut halbstündigen Gespräch mit auf den Weg. Er freut sich schon auf das Nächste. Im Auftrag aller aus dem Organisationsteam entließ Bölts Lahm jedoch nicht ohne ein tschüss auf plattdeutsch. Lahm war drauf vorbereitet. „Munterhollen“, verabschiedet er sich. Hakt aber schnell noch mal nach. „Geht das so?“ Und ob das ging.
Bölts erreichten nach dem Video-Gespräch, das die Sparkasse Aurich-Norden technisch möglich machte, viele positive Rückmeldungen. Ihm selbst hat es mit einem Partner, der so locker rüberkam, der so viele Facetten des Fußballs aufzeigte, sich aber auch privat gab, als wär er der Nachbar von nebenan, viel Spaß gemacht: „Philipp hat einem wirklich das Gefühl gegeben, dass er das gerne macht.“