Osnabrück
Luftfilter gegen Corona: Erstmal nicht an Niedersachsens Schulen?
An Niedersachsens Schulen bleibt im Kampf gegen die Corona-Pandemie das regelmäßige Lüften auch nach den Sommerferien das Mittel der Wahl. Mit mobilen Luftfiltern wird es nämlich in den kommenden Monaten erst einmal nichts.
Darauf weist Jan Arning, Hauptgeschäftsführer des Niedersächsischen Städtetages, im Gespräch mit unserer Redaktion hin. Er muss es wissen, denn unter dem Dach seines Verbandes haben sich viele Städte im Land zusammengeschlossen. Sie waren es in vielen Fällen, die als sogenannte Schulträger die gefragten Geräte anschaffen müssten.
Arning sagt: „Landes- und Bundesregierung haben in der Öffentlichkeit große Erwartungen geweckt, die jetzt enttäuscht werden.“ Er verweist auf diverse Ankündigungen der politischen Ebene und auch auf Förderprogramme, mit denen das Land Niedersachsen die Kommunen bei der Anschaffung der mehrere Tausend Euro teuren mobilen Geräte unterstützen will.
Das Problem daran: Es gibt dieses Förderprogramm zumindest in Niedersachsen noch gar nicht. Bislang sind lediglich einige Eckdaten bekannt. Arning rechnet damit, dass der entsprechende Rechtsrahmen seitens der Landesregierung erst gegen Ende der Sommerferien festgezurrt werden wird.
Noch Monate bis Anlagen laufen?
Bis die Geräte dann tatsächlich in den Klassenräumen stünden, würden noch weitere Wochen oder Monate vergehen, sagt Arning. Die Kritik ist nicht neu. Das Kultusministerium in Hannover erneuerte auf Anfrage unserer Redaktion den Hinweis, dass die Eckdaten bereits vor gut einem Monat veröffentlicht worden seien. „Wer handeln will, kann das auch tun vor dem Hintergrund rückwirkender Förderung zu Mitte Juli“, teilt ein Ministeriumssprecher mit.
Tatsächlich haben auch eine Reihe von Kommunen in den vergangenen Wochen bekannt gegeben, dass sie entsprechende Geräte angeschafft hätten oder zeitnah anschaffen werden. Wie viele zum Schulstart Anfang September in den Klassen stehen werden, ist daher unklar.
Verbandsvertreter Arning sagt: „Wer jetzt als Kommune etwas anschafft, macht das auf eigenes finanzielles Risiko. Da reden wir über sechs- und ganz schnell auch siebenstellige Beträge.“ Das geplante Förderprogramm sieht vor, dass das Land 80 Prozent der Kosten übernimmt.
Wie das Ministerium erklärt, wurden zuletzt Änderungsvorschläge in den entsprechenden Entwurf der Förderrichtlinie eingearbeitet. Demnach soll die Anschaffung eines mobilen Filters für solche Schulräume unterstützt werden, „die nur eingeschränkt belüftbar sind“ - etwa weil sich nur Oberlichter kippen, nicht aber das Fenster öffnen lässt. Die Fördermöglichkeit soll für alle Jahrgangsstufen gelten.
Beschränkt auf die Jahrgänge 1 bis 6 ist die Unterstützung bei der Anschaffung sogenannter Fensterventilatoren oder anderer Lüftungsmechanismen, die in oder an die Fenster gebaut werden müssen.
„Für vierte Welle vorsorgen“
Dieser enge geplante Zuschnitt bei der Förderung der Luftfilter sorgt ebenfalls für Kritik. Städtetagsvertreter Arning sagt: „Das kann es nicht sein. Die Erwartungshaltung der Schüler, Eltern und Lehrkräfte ist eine andere. Das Land muss dafür sorgen, dass insbesondere bei einer vierten Welle im Herbst gegebenenfalls für alle Räume mobile Luftfilteranlagen angeschafft werden können“, fordert der Verbandsvertreter.
Tatsächlich steigen derzeit gerade unter Kindern und Jugendlichen die Infektionszahlen. Die vierte Welle ist aus Sicht des Robert-Koch-Instituts erreicht. In Niedersachsen beginnt das neue Schuljahr am 2. September In anderen Bundesländern sind die Schüler indes längst wieder in den Klassenräumen. Auch hier laufen Diskussionen um die Luftfilter.
Hamburg kauft 21.000 Geräte
Hamburg beispielsweise will bis zum Ende der Herbstferien 18.000 mobile Anlagen an die Schulen ausgeliefert haben. Insgesamt 21.000 Geräte hat die Hansestadt bereits bestellt. „Mit unserer sehr umfangreichen Bestellung von mobilen Luftfiltergeräten wollen wir Hamburgs Schulen noch besser vor Corona-Infektionen schützen“, kommentierte Schulsenator Ties Rabe (SPD). Die Gesamtkosten für die Luftfilter bezifferte die Behörde auf mehr als 21 Millionen Euro. In Niedersachsen soll der gesamte Fördertopf 20 Millionen Euro umfassen.
Dabei ist es in Hamburg auch egal, wie alt die Schüler sind. Insgesamt 10.000 Klassenräume sollen mit jeweils zwei Geräten ausgestattet werden. 800 Räume sind nach Angaben der Schulbehörde bereits versorgt.
Der Nutzen gerade der mobilen Geräte - im Gegensatz zu festinstallierten aber entsprechend aufwendiger einzubauenden Luftaustauschern - ist umstritten. Untersuchungen haben gezeigt, dass mobile Geräte das Infektionsrisiko senken können. Das klassische Lüften, zu diesem Ergebnis kam eine andere Untersuchung, sei indes noch besser. (Weiterlesen: Luftfilter in Schulen: Was können sie leisten - was nicht?)