Berumerfehn
Baumkontrolleur: Berumerfehn wird nie wieder so sein wie vorher
Holger Boekhoff ist Baumkontrolleur und hilft der Gemeinde Großheide nach dem Tornado. Er beziffert den monetären Schaden auf Millionen. Viel schlimmer sei der irreparable Schaden im Ort.
Berumerfehn - Viele Menschen packen gerade in Berumerfehn mit an, nehmen ihre Nachbarn bei sich auf, kümmern sich darum, dass die Häuser instandgesetzt werden und räumen auf. Auch Holger Boekhoff aus Filsum ist gekommen, um zu helfen. Aber er hat etwas ganz anderes im Blick: die vielen Bäume, die dem Tornado am Montag zum Opfer gefallen sind.
„Mir blutet das Herz, wenn ich sehe, was da an Baumbestand verloren gegangen ist“, sagte der zertifizierte Baumkontrolleur im Gespräch mit den ON. Dabei wolle er das Leid der Privatpersonen nicht schmälern, betonte er, aber das sei mit Geld wieder zu ersetzen. Die Bäume, die der Ort verloren hat, seien nicht zu ersetzen, sagte Boekhoff. Und das sind nicht wenige: Etwa 300 bis 500 Bäume müssen laut Boekhoff gefällt werden. Das seien alles Bäume im Alter zwischen 80 und 100 Jahren. Manche seien sogar noch älter, wie die alte Eiche am Denkmal. „Die ist 150 Jahre alt und kaputt“, so der Baumexperte. Da sieht man in 50 Jahren noch, so Boekhoff.
Baumkontrolleur war erschüttert
Als er sich ein Luftbild von Berumerfehn vor dem Tornado angesah, hat Harald Boekhoff gesehen, wie viel Baumbestand der Ort hatte. Die Schule war ja ein richtiger Wald, sagte er. „Jetzt ist da plötzlich nichts mehr. Das hat mich richtig erschüttert“, sagte Boekhoff.
Privatpersonen mussten vom Fällen abgehalten werden
Dabei geht es Boekhoff darum, so viele Bäume zu retten, wie irgendmöglich. Im Ellernweg habe er deshalb auch einige Privatleute bremsen müssen. „Die waren munter dabei, alle betroffenen Bäume abzusägen. Aber ich habe ihnen gesagt, dass sie sie nicht fällen sollen, weil wir die erhalten wollen“, sagte Boekhoff. Überhaupt habe er am Dienstag etwas Tempo aus der Fällaktion genommen, sagte er. „Natürlich ging es darum, eine Strategie zu entwickeln, wie der Ort wieder verkehrssicher wird“, sagte Boekhoff. „Aber das ganze Gebiet war abgesperrt, eigentlich hatte da keiner was zu suchen“, betone er. Das gebe Zeit, sich manchen Baum genauer anzusehen, bevor man ihm fällt. Ohnehin warnte er davor, den Ort zurzeit zu betreten, wenn es nicht unbedingt nötig sei. „Das dauert sicher noch eine Woche bis die Gefahren behoben sind“, sagte er. Das Problem sind vor allem abgeknickte, noch nicht entfernte Äste, die aus den Baumkronen fallen könnten. Und davon gebe es noch eine Menge.
Die Vielfalt geht verloren
Natürlich könne man den Ort wieder aufforsten, sagte Boekhoff. Und das werde in Berumerfehn auch nötig sein, weil der Ortskern ziemlich kahl geworden sei. Das Problem sei, dass man die vorherige Vielfalt nicht mehr hinbekomme, mit Erle, Esche, Weißdorn. Erst Recht nicht in dem Alter der Bäume. Umso größer die Bäume sind, umso schwieriger seien sie zu verpflanzen. Deshalb würden vermutlich Alleebäume mit einem Stammdurchschnitt von sechs bis acht Zentimetern gepflanzt. „Bis die wieder groß sind, dauert es und kostet viel Arbeit“, sagte Boekhoff.
Mit der Zusammenarbeit mit der Gemeinde ist Boekhoff sehr zufrieden. „Das läuft wirklich gut“, sagte er. Mit fünf Mitarbeitern und einem ganzen Fuhrpark an großen Spezialmaschinen ist er vor Ort. Alle seine Mitarbeiter haben Fachwissen. Deshalb habe die Gemeinde ihnen die weitere Aufgabe des Baumschnitts übertragen. Holger Boekhoff wird sich also noch die ganze Woche um die stummen Opfer des Tornados in Berumerfehn kümmern.