Großwolde
Tausende Flaschen für ein neues Fahrrad
Der Großwolder Helmut Bron sammelt seit Jahren bei seinen Radtouren Pfand. Eine enorme Summe kam zusammen.
Großwolde - Helmut Bron ist wie immer in Lauerstellung, während er mit dem Fahrrad durch den Großwolder Hammrich fährt. Mit wachsamen Blicken schaut er sich die Umgebung ganz genau an. „Da!“, blitzt es plötzlich in ihm auf, als er am Wegesrand eine herumliegende Plastikflasche erspäht. Der 68-Jährige springt förmlich von seinem Fahrrad herunter, zückt seine Greifzange und packt damit zu. Zufrieden verstaut er seine Beute in einer seiner bereits mit unzähligen weiteren Flaschen gefüllten Fahrradtaschen.
Seit mehr als viereinhalb Jahren hebt der Frührentner aus Großwolde bei seinen Fahrradtouren alle Pfandflaschen- und Dosen auf, die ihm ins Auge stechen und nimmt sie mit nach Hause. Ist seine Sammlung groß genug, nimmt er alle Flaschen gebündelt mit in den Supermarkt und löst den Pfand dort ein. Weil Bron nicht nur vor der Haustür fährt, sondern teilweise bis nach Papenburg und Rhauderfehn radelt, kommt einiges zusammen. „Bis zu 80 Flaschen am Tag sind keine Seltenheit“, sagt er. 3600 Euro habe er bisher eingenommen. 3000 davon investierte er vor Kurzem in den Kauf eines neuen E-Bikes, mit dem er nun seine Touren fährt.
Umweltschutz steht im Vordergrund
Das Finanzielle steht für ihn jedoch nicht im Vordergrund, sondern der Umweltschutz. „Ich kann nicht verstehen, warum so viele Menschen ihre Pfandflaschen einfach in die Natur schmeißen. Das muss doch nicht sein“, sagt er. Weil er darüber so verärgert war, fing er irgendwann an, einige Flaschen aufzuheben. „Ich sammele überwiegend Pfandflaschen, die herumliegen oder aus Mülleimern herausgucken. Viele scheinen das Geld nicht zu würdigen, das sie dafür bekommen würden“, so Bron. „Aber wenn ich Einwegflaschen herumliegen sehe, hebe ich diese auch auf und nehme sie mit.“
Am Schlimmsten sei die Vermüllung rund um das Schulzentrum Collhusen, neben dem der 68-Jährige mit seiner Frau Monika wohnt. „Da laufe ich fast jeden Abend lang und es liegt überall Müll herum. Und das obwohl der Mülleimer teilweise nur fünf Meter entfernt ist“, zeigt sich Bron verärgert. Einmal habe er einen Müllsack voller Flaschen an die Eingangstür des Schulzentrums gehängt „Das war einfach zu viel. Die Schüler sollten sehen, wie viel Müll sie hinterlassen haben“, so Bron.
Ärger über Vermüllung am Schulzentrum
Aber was muss passieren, damit die Vermüllung zumindest ein wenig abnimmt? „Den Schülern muss es von ihren Eltern vorgelebt werden. Leider gibt es auch genug Erwachsene, die ihren Müll überall liegen lassen“, so der 68-Jährige. Gerade im Bezug auf Pfandflaschen sollte sich außerdem jeder vor Augen führen, wie viel Geld er durch das Wegwerfen liegen lässt. In einem Monat habe er mal 190 Euro durch Pfand eingenommen.
Das Flaschensammeln ist für den Großwolder mittlerweile ein richtiges Hobby geworden, mit der er auch seine Familie infiziert hat. „Meine Schwester und mein Schwager können nicht mehr anders, als Flaschen aufzusammeln, wenn sie welche sehen“, sagt Bron. Bei ihm sei das Aufsammeln in Fleisch und Blut übergegangen. „Wenn er eine Flasche sieht, springt er sofort vom Rad“, sagt seine Frau Monika. Sie sei begeistert von seinem Einsatz und lasse ihn „einfach machen“. Begleiten tue sie ihn allerdings nicht. „Dafür ist er mir einfach zu langsam. Ich muss ständig auf ihn warten, weil er wieder was entdeckt hat und aufhebt“, sagt sie und lacht.