Berumerfehn
Nach dem Tornado: Das Aufräumen wird noch Tage dauern
Die Feuerwehr bezeichnet die Schäden durch den Tornado schlimmer als die durch den Jahrhundertsturm Kyrill im Jahr 2007. Bürgermeister Fredy Fischer glaubt, der Schrecken wird über Jahre bleiben.
So viele Menschen sind in Berumerfehn selten gleichzeitig unterwegs. Am Dienstagmorgen waren seit den frühen Morgenstunden nahezu alle Anwohner, Freunde, Verwandte, Firmen der Umgebung, Feuerwehr und Straßenmeisterei auf der Straße. Alle waren damit beschäftigt, die Schäden des Tornados aufzuräumen. Der hatte am Montagabend eine Schneise der Verwüstung durch Teile von Berumerfehn, Westermoordorf und Ostermoordorf gezogen.
Der Schaden lässt sich noch nicht beziffern
„Es ist ein Wunder, dass niemand verletzt wurde“, sagte Goldenstein im Gespräch mit den ON. Alles Mögliche sei durch die Gegend geflogen, darunter Dachziegel, Zaunelemente, Dachelemente, Gartenmöbel. Beziffern lasse sich der Schaden laut Goldenstein bisher nicht. Das werde noch Tage dauern. Genauso wie die Aufräumarbeiten. Die Feuerwehr lobte dabei ausdrücklich das Engagement der Helfer. „Die Nachbarschaftshilfe war enorm“, sagte Kreisfeuerwehrsprecher Manuel Goldenstein. „Die Geschädigten halfen sich gegenseitig unermüdlich.“
Weniger erfreulich für die Feuerwehr waren private Aufrufe in sozialen Netzwerken, doch mit Kettensägen nach Berumerfehn zu kommen, um zu helfen. Grundsätzlich sei es natürlich ehrenwert, zu helfen, sagte Goldenstein, aber unkoordiniertes Arbeiten bringe nichts – außer ein erhöhtes Verletzungsrisiko, so der Kreisfeuerwehrsprecher.
Probleme mit Schaulustigen
Ein weiteres Problem für die Feuerwehr waren Touristen und Schaulustige. Laut Manuel Goldenstein mussten etliche Straßen für den Verkehr gesperrt werden, damit die Helfer in Ruhe arbeiten konnten. „Wir haben leider einen ganz hohen Anteil an Touristen. Die Arbeiten können hier nicht erfolgen, wenn die Straßen nicht gesperrt sind. Wir haben ein Übermaß an Verkehr gerade“, sagte er den ON am Dienstag.
Die Menschen im Ort halfen sich unterdessen auch gegenseitig. So deckten einige Helfer die Dachziegel eines unbewohnten Hauses ab, das nach Aussagen der Besitzer ohnehin einmal abgerissen werden sollte. Die Dachziegel gaben sie Nachbarn, die sie benötigten, um ihre Häuser notdürftig vor dem Regen zu schützen. Auch Bauunternehmen, Dachdeckerfirmen, Baustoffhändler waren vor Ort und packten überall mit an.
Viele Firmen boten ihre Hilfe an
Der Bürgermeister der Gemeinde Großheide, Fredy Fischer, war den ganzen Tag im Ort unterwegs. „Heute war es eine sehr ruhige und sachliche Stimmung im Ort“, beschrieb er die Lage. Alle hätten gearbeitet und am Abend sei schon vieles aufgeräumt gewesen, so Fischer im Gespräch mit den ON.
Dennoch sei in einigen Bereichen noch unwahrscheinlich viel zu tun. „Bei der Dorfstraße sind wir mit schweren Maschinen dabei, die umgestürzten Bäume zu häckseln“, so Fischer. In den nächsten Tagen würden auch noch schiefstehende Bäume abgesägt werden.
Neben vielen ehrenamtlichen Helfern seien am Dienstag auch viele Betriebe vor Ort gewesen. Einige Handwerker seien die ganze Nacht in Berumerfehn gewesen, sagte Fischer. Auch die Gemeinde Dornum habe ihren kompletten Bauhof zur Verfügung gestellt. Die Mitarbeiter werden laut Fischer auch am Mittwoch wieder mit anpacken.
Bürgermeister rechnet mit Millionenschäden
Was ihn ärgerte: „Trotz Sperrung der Straßen fuhren viele Autos durch den Ort, einfach, um zu gaffen“, sagte Fischer. Auf den Aufruf der Gemeinden nach Ferienwohnungen sei das Angebot so riesig gewesen, dass der Bürgermeister einige Wohnungen schon wieder absagen musste. Für die Familien, die längerfristig eine Ersatzbleibe brauchen, könne die Gemeinde aber problemlos vermitteln.
Um die Schäden monetär beurteilen zu können, müsse zunächst ein Gutachter kommen, sagte der Bürgermeister. Fischer selbst schätzt die Schadenshöhe aber auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag.
Bis alles repariert ist, werde aber noch sehr viel Zeit für den ein oder anderen vergehen. Aber nicht alles lasse sich reparieren. „Der Schrecken bleibt über Jahre“, sagte Fischer. Wenn jemand dafür Hilfe benötige, werde sich das aber auch regeln lassen.