Osnabrück
Windkraftbetrug: Noch diesen Monat muss Hendrik Holt vor Gericht
Gut 500 Tage nach der spektakulären Festnahme von Windkraftunternehmer Hendrik Holt und weiterer Familienmitglieder beginnt am Dienstag, 31. August, vor dem Landgericht Osnabrück der Prozess gegen die mutmaßlichen Millionenbetrüger.
Insgesamt 52 Verhandlungstage hat die zuständige Wirtschaftsstrafkammer angesetzt, um über die Vorwürfe gegen die Familienmitglieder aus dem Emsland und Finanzdirektor Heinz L. zu verhandeln. Das hat das Landgericht jetzt mitgeteilt.
Die Angeklagten sollen mehrere internationale Energiekonzerne teilweise oder gänzlich erfundene Windparkprojekte verkauft haben. Dazu sollen massenhaft Unterschriften beispielsweise von Grundstücksbesitzern oder Bürgermeistern gefälscht worden sein.
Die so frisierten Unterlagen wurden wohl den Konzernvertretern präsentiert, um sie über die Realisierungschancen der Projekte zu täuschen. Der Schaden soll sich auf mehr als zehn Millionen Euro belaufen. (Weiterlesen: Der Wind und die Millionen: Emsländischer Jungunternehmer ein Betrüger?)
Den Konzernen fiel der Schwindel wohl erst auf, als Staatsanwaltschaft und Polizei Hendrik Holt, das Gesicht der Unternehmensgruppe, am 17. April 2020 im Berliner Luxushotel Adlon festnahmen. Weitere Vertragsabschlüsse standen offenbar unmittelbar bevor.
Holt sitzt weiter in Untersuchungshaft
Bis heute sitzt der mittlerweile 31 Jahre alte gebürtige Haselünner in Untersuchungshaft. Seine Mutter, sein Bruder und eine Schwester wurden ebenfalls verhaftet, nach Geständnissen aber unter Auflagen aus der Untersuchungshaft entlassen.
Auch Hendrik Holt soll die Vorwürfe weitgehend eingeräumt haben. Einzig Finanzdirektor L. soll sich bislang nicht umfassend geständig eingelassen haben. Der 64-Jährige sitzt ebenfalls in Untersuchungshaft. Den Osnabrücker Ermittlern war es gelungen, den Manager im Libanon aufzuspüren und nach Deutschland ausliefern zu lassen. In dem kleinen Land am Mittelmeer unterhielt die Holt-Gruppe eine Niederlassung.
Anklagen zusammengefasst
Die Staatsanwaltschaft hatte mit Blick auf unterschiedliche Betrugskomplexe ursprünglich zwei Anklagen erhoben. Das Gericht will diese nun gemeinsam verhandeln. Die Vorwürfe gleichen sich, betroffen sind jeweils unterschiedliche Konzerne. Alle fünf Angeklagten müssen sich wegen banden- und gewerbsmäßigen Betruges verantworten. Im Falle einer Verurteilung droht den Holts und Heinz L. eine mehrjährige Gefängnisstrafe.
Die Liste der Anklagepunkte umfasst darüber hinaus laut Landgericht den Vorwurf der Untreue im besonders schweren Fall sowie gegen eine der weiblichen Familienmitglieder den Vorwurf der Geldwäsche. (Weiterlesen: Fall Holt: Begannen die mutmaßlichen Betrügereien in der Region?)
Hendrik Holt und Heinz L. vertraten die Unternehmensgruppe zwar nach außen hin und verhandelten mit den vermeintlichen Geschäftspartnern. Im Hintergrund sollen die übrigen angeklagten Familienmitglieder aber mit der Fälschung der Unterlagen beschäftigt gewesen sein.
Die Fälscherwerkstatt soll sich dabei zumindest zeitweise in Sichtweite der Staatsanwaltschaft Osnabrück und unweit des Landgerichtes befunden haben, wo ab Ende August der Prozess stattfinden wird. Die Termine erstrecken sich bis in den Januar 2022 hinein.
Unsere Redaktion hat den Fall Holt in dem Podcast „Windmacher“ aufgearbeitet - überall dort zu hören, wo es Podcasts gibt oder auf dieser Internetseite.