Ostfriesland
Übung: Rettung in 100 Meter Höhe
Im Offshore-Windpark Hohe See vor Borkum wurde ein Techniker aus der Gondel geborgen, der Symptome eines Herzinfaktes zeigte. Die Übungsrettung erfolgte mit Hilfe eines Helikopters.
Borkum - Der Mann fühlt einen beengenden Druck in der Brust und fasst sich ans Herz. Seine Kollegen erkennen die Situation. Doch was tun bei einem Notfall auf einer Windkraftanlage in 100 Meter Höhe, mitten im Meer, 100 Kilometer von der Küste entfernt? EnBW, Betreiber von vier Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee, übt regelmäßig solche Szenarien, um die Sicherheit der Mitarbeitenden zu gewähren – so auch in ihrem Offshore-Windpark Hohe See.
Geplant hat die Übung Jochen Kolb, Fachkraft für Arbeitssicherheit. „Wir haben natürlich Notfallkonzepte, die jeder hier draußen in- und auswendig kennt. Trotzdem üben wir immer wieder Situationen auf See. Bei einem wirklichen Notfall muss jeder Handgriff sitzen.“
Helikopter brachte Notarzt zum Windpark
Kolb half bei der Übung an Bord des Serviceschiffs „Bibby Wavemaster Horizon“, bei der ein Techniker in der Gondel Symptome eines Herzinfarkts erlitt. Der alarmierte Rettungshubschrauber brachte laut einer Mitteilung den Notarzt zum Windpark. Mit einer Seilwinde wurde der Patient, durch eine Puppe simuliert, mit dem Arzt in den Helikopter gezogen und an Land geflogen. Dann die Nachricht aus Emden: Der Helikopter ist sicher gelandet. Erleichterung bei Kolb: „Wir sind für den Ernstfall gut gerüstet. Jeder im Team hat richtig gehandelt.“ Denn für die Rettung in ihren Offshore-Windparks ist die EnBW selbst verantwortlich. „Auf See haben wir sehr hohe Sicherheitsstandards. Das zahlt sich aus: Unsere Techniker hatten bisher nur sehr wenige und wenn, dann leichte Unfälle“, sagt Ralf Neulinger, Leiter Produktion bei der EnBW.
Die Northern Helicopter GmbH steht rund um die Uhr mit einer Crew und einem Notarzt bereit für den Einsatz auf See. Für die Koordination ist die Gesellschaft für maritimes Notfallmanagement engagiert. Außerdem gibt es auf der „Bibby“ medizinisch geschultes Personal und ein Behandlungszimmer. Digitale Hilfe kommt von der Telemedizin. Speziell ausgebildetes Personal in einem Krankenhaus kann zum Beispiel den Rettungsassistent vor Ort anleiten, ein EKG anzuschließen. Die Daten werden ins Krankenhaus übermittelt, so dass eine Diagnose selbst aus der Ferne gestellt werden kann.