Frankfurt
Gegen EZB und Co.: Fridays for Future nimmt Banken ins Visier
Fridays for Future will die Finanzindustrie dazu zu bewegen, nicht mehr in klimaschädliche Energieformen zu investieren. Künftig soll es wieder mehr Proteste auf der Straße geben.
In Frankfurt haben sich am Freitag Aktivisten von Fridays for Future und anderer Organisationen aus dem ganzen Bundesgebiet zu Klimastreik und Demonstrationen versammelt. Die Proteste richteten sich insbesondere gegen die Finanzindustrie, weil die nach wie vor mit Milliardeninvestitionen in CO2-intensive Industrien den Klimawandel anheize.
Fridays for Future in Frankfurt
In zentraler Lage am Mainufer, direkt neben der Europäischen Zentralbank, haben die jungen Aktivistinnen und Aktivisten ihre Zelte aufgeschlagen. An diesem Freitagvormittag sind sie dabei, Transparente zu malen, zu organisieren und sich untereinander auszutauschen. Das Ziel ihrer Proteste liegt in Sichtweite: Nur rund einen Kilometer entfernt ragen die Hochhäuser der Banken in den wolkenlosen Himmel.
„Ich glaube, das ist ein sehr wichtiges Thema. Über den Finanzsektor haben wir lange nicht nachgedacht. Der ist aber absolut notwendig in einem Umdenken in unserer Gesellschaft hin zur sozial-ökologischen Transformation die wir uns wünschen“, sagt Lukas, der aus Göttingen angereist ist.
Investitionen in Kohle-, Öl- und Gasindustrie
Die Finanzindustrie dazu zu bewegen, nicht mehr in Kohle-, Öl- und Gasindustrien zu investieren, ist das Ziel von Demonstranten wie Lukas. Jana Voges, eine der bundesweiten Pressesprecherinnen der Fridays-for-Future-Bewegung sagt, dass es bei diesen Aktionen und Protesten gegen das Finanzsystem auch um grundlegende Fragen der bestehenden Wirtschaftsordnung geht: „Unsere Proteste heute richten sich gegen Aspekte der kapitalistischen Wirtschaftsweise, die wir in Frage stellen wollen, das sind Profitzwang und Wachstumszwang. Beide stehen einer klimagerechten Wirtschaftsweise im Weg.“
Die meisten Investitionen in die Kohle-, Öl- und Gasindustrie stammen nach wie vor von Banken und Großinvestoren. Basierend auf Daten des Umweltprogramms der Vereinten Nationen hat die Umweltorganisation „urgewald“ gerade eine Studie veröffentlicht, der zu Folge Investitionen in fossile Energien statt zurückzugehen jährlich um zwei Prozent ansteigen. Um die Klimaziele zu erreichen, müssten sie sich allerdings in eine andere Richtung bewegen - sie müssten um sechs Prozent jährlich zurückgehen.
EZB will Klimaziele stärker berücksichtigen
Sorgen bereiten solche Nachrichten auch Mauricio Vargas. Er hat als Ökonom lange im Finanzwesen gearbeitet. Vor dem Eingang der Europäischen Zentralbank freut er sich bei Temperaturen um 30 Grad, den Anzug gegen ein grünes T-Shirt und kurze Hose getauscht zu haben. Das grüne T-Shirt mit der Aufschrift Greenpeace weist ihn nun als Finanzexperten der Umweltorganisation aus. „Die Welt- und die Wirtschaftsordnung von morgen wird über die Investitionen von heute determiniert“, stellt Vargas fest. Und dabei spiele die Europäische Zentralbank auch eine Schlüsselrolle.
Die hatte vor wenigen Wochen zwar angekündigt, Klimaziele künftig stärker zu berücksichtigen. Als Regelmacher für das europäische Finanzsystem aber handele die EZB viel zu langsam. „Nach 18 Monaten Diskussion hat sich die EZB endlich dazu entschieden, die Klimakrise ernst zu nehmen. Allerdings möchte ich Sie sich jetzt noch bis zu drei Jahre Zeit nehmen, um das 'Wie' zu klären. Das ist angesichts der Dringlichkeit der Klimakrise völlig inakzeptabel“.
Fridays for Future will Protest wieder mehr auf die Straße bringen
Als Ökonom, der auch die „andere“ Seite kennt, glaubt Vargas, dass die heute schädlichen Investitionen in Zukunft auch den notwendigen Wandel befördern können. „Dem Finanzwesen wohnt auch eine schöpferische Kraft inne. Gelder, die in zukunftsträchtige und klimafreundliche Technologien fließen, schaffen natürlich auch den Raum, dass wir zukünftig eben eine klimafreundliche Wirtschaftsordnung bekommen werden“.
Darin sind sich offenbar nicht alle Demonstranten an diesem Tag einig. Einig aber sind sich die Aktivisten von Fridays for Future und anderer Organisationen aber, dass es gut ist, ihren Protest wieder in größerer Zahl auf die Straßen zu bringen. „Ich bin hier, weil das eine Riesensache ist, dass wir zentral streiken. Letztes Jahr hat das wegen der Corona-Pandemie nicht oft geklappt, ich finde es richtig gut, dass wir die Bewegung hier heute zusammenbringen“, sagt Sophie von Fridays for Future aus Heidelberg. Gerade vor der anstehenden Bundestagswahl sei das ein wichtiges Zeichen.