Halle

Sat1 Gold greift Fall von Nelli Graf aus Halle auf

Anke Schneider
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Von Anke Schneider
| 12.08.2021 12:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
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In wenigen Wochen jährt sich der Mord an der dreifachen Mutter Nelli Graf aus Halle zum zehnten Mal. Ihr Mörder ist immer noch auf freiem Fuß. Nun beschäftigte sich der Fernsehsender Sat1 Gold erneut mit dem Fall.

„Ungeklärt und unvergessen“ heißt die Sendung, in der sich die Kriminalpsychologin Lydia Benecke mit ungelösten Mordfällen beschäftigt. Als psychologische Expertin tritt sie seit 2009 in unterschiedlichen Fernsehsendungen auf und ist dabei für die Einschätzung der Täter zuständig. Im Fall von Nelli Graf fällt das offenbar besonders schwer, denn es gibt bis heute wenige Anhaltspunkte, die auf den Täter hinweisen.

Am 14. Oktober 2011 verschwindet die 46-Jährige aus ihrer Wohnung. Sie steigt Ermittlungen zufolge auf ihr Fahrrad und fährt in den Tatenhausener Wald. Ungewöhnlich ist, dass sie persönliche Sachen wie Schlüssel und Handy zurücklässt. „Man ist nicht sofort von einem Verbrechen ausgegangen“, so der Sprecher der Sendung, die am Montagabend ausgestrahlt wurde.

Große Suchaktion

Warum Nelli Graf in den Wald gefahren ist, ist bis heute ungeklärt. „Wollte sie eine Verschnaufpause? Oder wollte sie jemanden treffen?“, fragt der Sprecher. Zwei Tage später wird das Fahrrad der Frau gefunden. „Der Fundort ist eine Stelle, die mit dem Rad nicht zu erreichen ist. Der Täter muss das Fahrrad also an diesen Ort verbracht haben.“

In Halle läuft daraufhin eine große Suchaktion an, an der sich hunderte von Bürgern beteiligen. Die Suche hat jedoch keinen Erfolg. Die Familie wendet sich übers Fernsehen an den möglichen Täter und an mögliche Zeugen und bittet um die Mithilfe der Menschen in der Lindenstadt. 

Quäldende Monate vergehen, bis der 9. Februar 2012 die grausame Gewissheit bringt, dass Nelli Graf tot ist. Ihre Leiche wird von einem Landwirt im Tatenhausener Wald gefunden. Die Frau ist an den Händen mit Kabelbindern gefesselt, ihr Mund und ihre Augen wurden mit Panzerband zugeklebt. Sie wurde durch mehrere Messerstiche in den Oberkörper getötet.

„Wahrscheinlich ist der Täter jemand, der sich in der Region auskennt“, mutmaßt Lydia Benecke. Der Ort, den er wählte, um die Leiche zu verstecken, liege einsam und verborgen. Der Fundort der Leiche ist den Ermittlungen zufolge nicht der Tatort. „An der Toten wurden Fasern gesichert, wie man sie von Autositzbezügen kennt“, so die Kriminalpsychologin. Es sei also davon auszugehen, dass Nelli Graf an den Fundort transportiert wurde.

Großangelegte DNA-Entnahme bleibt erfolglos

„Warum verklebt man Mund und Augen?“ fragt die Expertin und liefert die Antworten selbst. „Der Täter wollte nicht, dass sie etwas sieht oder dass sie schreit. Mit zugeklebtem Mund und Augen hatte er die maximale Kontrolle über sein Opfer.“ 

Nach der Obduktion, bei der männliche DNA gesichert wurde, werden 7000 Männer zur Speichelprobe gebeten. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Täter aus Halle kommt und Nelli Graf womöglich kannte. Die großangelegte DNA-Entnahme bleibt jedoch erfolglos.

Noch viele Fragen offen

Nach Auffassung von Lydia Benecke ist der Mord eine geplante Tat gewesen. „Niemand wartet mit Klebeband und Kabelbindern auf eine möglicherweise vorbeifahrende Frau“, sagt sie. War Nelli Graf das Zufallsopfer eines Täters mit Gewaltphantasien? Oder war sie das gezielte Opfer eines Menschen mit einem persönlichen Motiv? Weshalb fuhr sie in den Wald, obwohl ihre Schicht im Supermarkt kurz darauf beginnen sollte? Wurde sie sofort getötet oder möglicherweise erst nach Tagen?

„Es sind viele Fragen, die offen sind“, sagt Lydia Benecke. Sicher ist, dass die Polizei die Akte Nelli Graf noch nicht geschlossen hat. „Wenn Sie Hinweise geben können, melden Sie sich bei der Polizei“, wird am Ende des Beitrags über Nelli Graf auf dem Bildschirm eingeblendet. 

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