Aurich
Kleine Ursachen sorgen für große Überschwemmungen
Beim Starkregen am Donnerstag haben Laub und kleine Äste schnell die Gullys verstopft. Straßen wurden so überschwemmt. Insgesamt aber lief das Wasser besser ab als in früheren Jahren.
Aurich - Manch ein Auricher erinnerte sich am Donnerstagnachmittag an die Jahre 2000 und 2006. Starkregen hatte damals die Kanalisation überfordert und ganze Straßenzüge überflutet.
Der Breite Weg, die Esenser Straße oder der Parkplatz beim „Parkkauf“ glichen damals Seenlandschaften. Die ON brachten gar Sonderhefte zur Flut in Aurich heraus.
Zwölf Einsätze in drei Stunden
Ganz so schlimm war es am Donnerstagnachmittag nicht. Gleichwohl hat der Starkregen, der ungefähr eine Stunde andauerte, wieder einige Straßenzüge geflutet. Dennoch fiel der Schaden nicht so stark aus wie vor 15 Jahren. Insgesamt musste die Feuerwehr am Donnerstag und Freitag zu 14 Einsätzen ausrücken, wie es in einer Mitteilung des Kreisfeuerwehrverbandes heißt. Unter anderem musste der Keller eines Modehauses in der Innenstadt leergepumpt werden. Wie schon 2006 war auch der Fahrstuhlschacht eines Seniorenheimes wieder Wasser vollgelaufen. Am Donnerstag wurden so innerhalb von drei Stunden zwölf Einsätze bearbeitet. Am Freitag folgten zwei weitere Einsätze der Feuerwehr. Dabei ging es um Nachwirkungen des Starkregens.
Im Dauereinsatz waren auch die Mitarbeiter der Auricher Stadtentwässerung. Ab 17 Uhr bis ungefähr 22 Uhr seien die Leute unterwegs gewesen. Unter anderem sei der Schlammsaugwagen zu Einsatz gekommen, so Heinz Freese, stellvertretender Leiter des Auricher Betriebshofes, auf ON-Anfrage. Das Problem sei es gewesen, dass durch den Starkregen Blätter und kleine Zweige schnell in die Gullys gespült worden seien. Dadurch seien diese schnell dicht gewesen. Besonders betroffen war die Esenser Straße. „Dort stehen auch besonders viele Bäume“, so Freese. Sobald die Fangkörbe, die in den Gullys hängen, gereinigt worden seien, sei das Wasser auch wieder abgeflossen.
Ablaufen des Wassers dauerte etwas länger
An einigen Stellen habe das Ablaufen des Wassers wegen der großen Niederschlagsmenge auch etwas länger gedauert. So sei es bei einigen Regenrückhaltebecken vorgekommen, dass das Wasser über den Notauslauf ausgelaufen sei. Das habe sich aber im Laufe des Abends am Donnerstag auch wieder gegeben.
In den sozialen Medien kursierten schnell Vermutungen, dass die Stadt Aurich die Entwässerung nicht im Griff habe. Es sei in den vergangenen Jahren seit 2006 nichts unternommen worden, um die Oberflächenentwässerung besser zu regeln. Eine Aussage, die so aber nicht stimmt, wie Marc Schrieber, stellvertretender Leiter der Auricher Stadtentwässerung, auf ON-Anfrage sagt. Bereits 2008 sei das erste Kanalsanierungsprogramm für die Oberflächenentwässerung in der Altstadt begonnen worden. Weitere Gebiete wie Lambertistraße oder Glupe (dazu gehört die Popenser Straße) folgten. Diese Sanierungen sind noch nicht beendet. In der Popenser Straße laufe derzeit am Kreisel der vierte Sanierungsabschnitt. Das könne auch der Grund sein, warum dort sogar die Bürgersteige überschwemmt worden seien am Donnerstag. In der Fockenbollwerkstraße, die auch von Überschwemmungen betroffen war, sind für Ende dieses oder Anfang kommenden Jahres Baumaßnahmen geplant, um die Entwässerung zu ertüchtigen. Wie berichtet ist die komplette Sanierung der Straße geplant. Ebenfalls im kommenden Jahr soll nach Möglichkeit die Kanalsanierung in der Dwarsglupe begonnen werden. Dort komme bei Starkregen ein weiteres Problem hinzu: Eigentlich sollten Gräben entlang der Straße das Wasser aufnehmen, so Schrieber. Tatsächlich aber seien diese oft verrohrt worden und hätten sich dichtgesetzt.
Regenrückhaltebecken haben funktioniert
Nach den Erfahrungen des Jahres 2006, als das Wasser im „Parkkauf“ stand, wurde dort das Regenrückhaltebecken errichtet. Gleiches gilt für den Hammerkeweg, der immer ein Überschwemmungsschwerpunkt bei Starkregen war. Beide Rückhaltungen hätten sich bewährt, so Schrieber. Sie seien sogar größer gebaut worden als es die hydraulischen Berechnungen des Generalentwässerungsplanes 2002 vorgesehen hätten.
Regenrückhaltebecken haben die Aufgabe, das Wasser bei Starkregen zunächst aufzuhalten und dann gedrosselt abzugeben. Auf diese Weise wird eine Überlastung des gesamten Systems im besten Fall verhindert. Deswegen, so Schrieber, werden Neubaugebiete heute nur noch genehmigt, wenn entsprechende Rückhaltungen eingeplant sind. Ob bei Neubaugebieten wie „Im Timp“ auch die Ertüchtigung der Rohre notwendig ist, ist laut Schrieber eine Entscheidung der Genehmigungsbehörde. Es sei aber nicht möglich, die Durchmesser der Kanäle beliebig zu vergrößern. Denn irgendwann stoße man an die Oberfläche. Für die Stabilität der Fahrbahnen und Gehwege sei aber eine gewisse Deckschicht oberhalb der Rohre nötig. Dennoch müsse auch für Aurich geprüft werden, ob die Generalentwässerungsplanung noch ausreichend für den Klimawandel ausgelegt sei. Das Ergebnis könne zu größere Querschnitten beim Regenwasserkanal führen und zu einer Erweiterung von Regenrückhalteflächen in der Kernstadt und den Ortsteilen.
Jeder Regentropfen muss durch die Innenstadt
Das generelle Problem in Aurich sei, so Schrieber, dass jeder Regentropfen von Ost nach West fließt. Das bedeute, dass auch das Oberflächenwasser aus Egels durch einen der drei Hauptentwässerungskanäle geführt werden müsse. Zwei dieser großen Kanäle befänden sich auf dem Gebiet der Innenstadt. Sie wurden in den letzten Jahren auch erneuert. So wurde bei der Sanierung des Georgswalls auch ein Rohr mit einem Durchmesser von 1,20 Meter eingebaut, um mehr Wasser aufnehmen zu können.
Ein großes Problem bei Starkregen ist aber auch die Versiegelung von Flächen. Das merkt auch Bürgermeister Horst Feddermann auf ON-Anfrage an. Da müsse sich jeder Auricher einmal sein eigenes Grundstück anschauen. Sehr häufig sehe man Flächen, die fast komplett gepflastert seien. „Da sind dann nur noch fünf Quadratmeter Erde zu sehen, auf denen ein Baum steht.“ Könnte an dieser Stelle dich eine Regenwassergebühr, über die in der Stadt seit Jahren diskutiert wird, helfen? „Diese Diskussion müssen andere eröffnen“, so Feddermann, der kein Freund einer neuen Gebühr ist. Denn die Grundstücksbesitzer würden dann mit einem zweistelligen Betrag zusätzlich belastet. „Dafür würden die Grundstücke aber dennoch nicht entsiegelt“, ist der Bürgermeister überzeugt. Stattdessen müsse ein grundlegendes Umdenken bei den Grundbesitzern erfolgen.