Großefehn
Aus Dorfladen wird Backshop
Das Leinerstift in Großefehn eröffnet im Herbst ein Geschäft, das Teil eines neuen Konzepts der Teilhabe für Jugendliche wird. Dort werden Jugendliche und junge Erwachsene nicht nur Brötchen backen.
Großefehn - Vor zwei Jahren wurde der Dorfladen in Mittegroßefehn geschlossen. Nun wollen die Verantwortlichen des Leinerstifts Bildung, Beruf, Leben gGmbH dem Gebäude an der Auricher Landstraße neues Leben einhauchen – mit einem Backshop.
Das besondere: Der Backshop soll ab Herbst im Rahmen von Bildungsangeboten von Schülern, jungen Menschen mit Behinderung und Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung betrieben werden. Ein Eröffnungstermin steht noch nicht fest. „Unser Ziel ist es, die Arbeitsbereiche so arbeitsmarktnah wie möglich zu gestalten und vielen Menschen den Weg auf den ersten Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Die Arbeit in den eigenen Betrieben bietet einen geschützten Rahmen, in dem sich die jungen Menschen mit oder ohne Behinderung „ausprobieren“ können“, berichtet Janna Higgen.
Jugendliche werden ihren Fähigkeiten entsprechend gefördert
Der „Campus Praxis“ mit seinem Jugend- und Berufsatelier, wo alle Maßnahmen zusammenlaufen, so die Leiterin, biete in Mittegroßefehn jungen Menschen ab zwölf Jahren eine Mischung an Angeboten und berufsvorbereitenden und tagesstrukturierenden Maßnahmen aus der Kinder- und Jugendhilfe, dem Bundesteilhabegesetz und der Eingliederungshilfe unter einem Dach an. Junge Menschen mit einer Behinderung oder psychischen Beeinträchtigungen können, ihren Fähigkeiten und Neigungen entsprechend, sich dabei beruflich orientieren und qualifizieren. Das war vorher nur in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung möglich. Seit 2018 können sie jedoch nunmehr ihrem Wunsch- und Wahlrecht nach diesen Leistungen auch bei einem sogenannten „anderen Leistungsanbieter“ in Anspruch nehmen.
Nach einer Anlaufphase von fast zwei Jahren, so Janna Higgen, habe jetzt ein hoher Bedarf an Angeboten in diesem Bereich bestanden. Um der Nachfrage gerecht zu werden und Menschen neue Betätigungsfelder zu eröffnen, wurde nunmehr das Angebot um den Backshop erweitert.
Rohlinge kommen von Bäckerei aus Rhede
Die Kinder und Jugendlichen, die in dem Backshop tätig seien und dort von einem Betreuer angeleitet werden, erhalten die Teigwaren und Rohlinge für den Backshop von der Bäckerei und Konditorei Musswessels aus Rhede, die sie nach dem Backen an jedermann verkaufen dürfen.
Mit dem Laden möchte das Leinerstift auch der Bevölkerung wieder ein Angebot machen und dabei gleichzeitig den Kunden wissen lassen, was eigentlich hinter dem Projekt steckt. Wie die beiden neuen Vorstände des Leinerstifts, André Barghoorn, kaufmännischer Vorstand, und Wolfgang Vorwerk, pädagogischer Vorstand, kundtaten, hätten sie sich schon seit einiger Zeit intensiv mit der Frage beschäftigt, was mit dem Gebäude passieren solle. Der Backshop sei schon länger ein Thema gewesen, so Vorwerk. Dies sei nun etwas Sinnvolles und das beste Ergebnis.
„Wir wollen uns jetzt Schritt für Schritt mit den jungen Menschen auf den Weg machen und gemeinsam etwas entwickeln. Sie sollen dort grundlegende Dinge erlernen können. Mit jedem Kind und Jugendlichen wollen wir versuchen, einen individuellen Weg zu finden, damit sie einen Platz in der Gesellschaft finden“, meinte Wolfgang Vorwerk optimistisch.