Oberledingerland

Gottesdienst-Störer soll Mit-Patienten getötet haben

Günter Radtke
|
Von Günter Radtke
| 02.08.2021 17:17 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Auch in der katholischen St.-Bonifatius-Kirche in Westrhauderfehn hatte der Mann Anfang 2020 die Messe gestört. Foto: Archiv
Auch in der katholischen St.-Bonifatius-Kirche in Westrhauderfehn hatte der Mann Anfang 2020 die Messe gestört. Foto: Archiv
Artikel teilen:

Der Mann, der Anfang 2020 im Oberledingerland und in Leer Gottesdienste störte, soll in der Emder Psychiatrie einen Mitpatienten getötet haben. Dafür muss er sich nun vor Gericht verantworten.

Oberledingerland/Leer/Emden/Aurich - Ein 35-Jähriger, der im Januar 2020 im Oberledingerland und in Leer mehrfach Sonntags-Gottesdienste gestört hatte und deshalb in die Psychiatrie eingewiesen worden war, soll dort Anfang dieses Jahres einen Mit-Patienten totgeschlagen und zwei weitere Patienten verletzt haben. Die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Aurich muss in einem sogenannten Sicherungsverfahren entscheiden, ob der Mann dauerhaft in einer geschlossenen Psychiatrie untergebracht wird.

Es geht darum, ob der Angeklagte die Körperverletzung mit Todesfolge und weitere ihm zur Last gelegte Taten im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen hat.

Er soll Patienten tödliche Schläge ins Gesicht versetzt haben

Er hatte nach Angaben des Landgerichts im Januar 2021 auf der geschlossenen Psychiatrie des Klinikums Emden einem Mit-Patienten durch Schläge ins Gesicht derart heftige Verletzungen zugefügt, dass der daran wenige Tage später starb. Danach soll der 35-Jährige zwei weitere Patienten im Gesicht verletzt haben.

Die Staatsanwaltschaft legt dem Mann außerdem zur Last, im März 2020 in Emden zwei Polizeibeamte beleidigt und im Dezember 2020 jeweils in Supermärkten in Rhauderfehn drei Kundinnen in sexueller Weise berührt und dadurch belästigt zu haben.

„Augenscheinlich psychisch krank“

Im Januar 2020 war der in Collinghorst ansässige Mann sonntags in fünf Rhauderfehner und Ostrhauderfehner Kirchen in die Gottesdienste geprescht, hatte die Gläubigen angebrüllt, bedroht, sie in Angst und Schrecken versetzt. „Ich habe gedacht, gleich sind wir alle tot“, hatte eine Gottesdienstbesucherin berichtet. Eine andere hatte geschildert: „Als der sich nach seinem Rucksack bückte, den er vorher auf den Boden geworfen hatte, dachte ich: So, das war’s jetzt. Das ist unser letzter Tag. Der sprengt uns jetzt alle in die Luft.“

Der zu der Zeit 33-jährige war daraufhin in Polizei-Gewahrsam genommen worden und auch vorübergehend in einer psychiatrischen Klinik behandelt worden. Danach war er vom Sozialpsychiatrischen Dienst des Landkreises Leer begleitet und beraten worden. Diese Angebote seien freiwillig. Psychisch Kranke hätten keine Verpflichtung, sie anzunehmen, hatte ein Kreissprecher vor eineinhalb Jahren erklärt.

Der damalige Leiter der Polizeiinspektion in Leer, Johannes Lind, hatte, nachdem der Mann die Gottesdienste gestört, islamistische Parolen gerufen und Flugblätter verteilt hatte, gegenüber dieser Zeitung erklärt: „Es gab ausdrücklich keine Terrorgefahr. Der Mann hatte keinen Knüppel, kein Messer und keine andere Waffe bei sich. Der ist ungefährlich. Er ist augenscheinlich psychisch krank.“ Lind hatte aber auch eingeräumt, dass es „eine 100-prozentige Sicherheit nicht gibt“.

Ähnliche Artikel