Aurich

Klimaschutz könnte Aurich die Bahn bringen

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 03.08.2021 20:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Noch versperren Prellböcke die Weiterfahrt der Züge in Richtung Aurich. Die Hoffnung ist, dass sich das wieder ändert. Foto: Romuald Banik
Noch versperren Prellböcke die Weiterfahrt der Züge in Richtung Aurich. Die Hoffnung ist, dass sich das wieder ändert. Foto: Romuald Banik
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Im September findet die Bundestagswahl statt. Alle möglichen Regierungsparteien wollen die Schiene für den Klimaschutz stärken. Überzeugt werden müssen aber noch andere vom Auricher Bahnanschluss.

Aurich - Schon bei der Reaktivierung der Strecke Aurich-Abelitz gab es Widerstand in Moordorf. Nicht jeder Anwohner war damals begeistert davon, dass wieder Züge durch den Ort rollen sollten. Nicht wenige waren davon ausgegangen, dass mit der Stilllegung Ende 1993 tatsächlich das endgültige Aus gekommen sei.

Es kam bekanntlich anders. Die Gemeinde Südbrookmerland beteiligte sich sogar finanziell an der Reaktivierung, damit auch das Gewerbegebiet Georgsheil mit einem Bahnanschluss versorgt werden würde. Moordorf profitierte vom Aus- und Umbau der Bundesstraße.

Feddermann: Kein ICE soll durch Moordorf fahren

Sollte die Strecke für den Schienenpersonennahverkehr reaktiviert werden, müssten weitere Umbauten vorgenommen werden. Damit Züge schneller als die nun erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 25 Stundenkilometern fahren dürfen, müssten unter anderem viele Bahnübergänge geschlossen, Straßen und Zufahrten zu Grundstücken verlegt werden. Anders ginge es auch gar nicht, so der Auricher Bürgermeister Horst Feddermann. Denn verlegen könne man die Strecke nicht.

Zu den wenigen Personenzügen, die in den letzten Jahren durch Moordorf fuhren, gehörte auch ein historisches Gespann mit Dampflok. Archivfoto: Heino Hermanns
Zu den wenigen Personenzügen, die in den letzten Jahren durch Moordorf fuhren, gehörte auch ein historisches Gespann mit Dampflok. Archivfoto: Heino Hermanns

Das müsse ja auch nicht sein. Denn grade durch die Schiene wüchsen die Städte und Gemeinden zusammen, so Feddermann im ON-Gespräch. Abgesehen davon werde ja auch zwischen Aurich und Abelitz kein ICE mit Tempo 120 verkehren. Vielmehr müsse man sich eher eine Straßenbahn vorstellen, die die Fahrgäste von der Kreisstadt bis nach Emden zum Bahnhof bringen könnte. Das wäre vom Lärm her nicht einmal so schlimm wie ein Güterzug.

Bahn-Auftrieb hat Auswirkungen auf Südbrookmerland

Auswirkungen auf Südbrookmerland könnte der jüngste Auftrieb für die Bahn allerdings jetzt schon haben. Denn die Eisenbahninfrastrukturgesellschaft Aurich-Emden (EAE), die zu 51 Prozent der Stadt Aurich gehört, plant derzeit eigentlich den Verkauf von drei Gebäude und zwei unbebauten Grundstücken entlang der Bahnstrecke sowohl in Moordorf als auch in Uthwerdum. Darunter auch jenes Haus, in dem die Tafel Südbrookmerland derzeit residiert. Die EAE hat den Mietvertrag zum Jahresende gekündigt.

Mit den positiven Signalen aus Hannover und Berlin für die Reaktivierung der Strecke könnte auch der Verkauf zunächst gestoppt werden. Denn niemand weiß, ob die Gebäude und Grundstücke benötigt werden könnten, wenn Personenzüge entlang der Strecke fahren sollen. „Die Frage ist aufgetreten. Wir befinden uns in der Klärung“, sagt Horst Feddermann auf diese Frage.

Aurich konkurriert mit der Küstenbahn

Zuversichtlich ist Feddermann, dass das Thema SPNV nicht wieder an Fahrt verliert wie zuletzt 2015. Denn dank des Klimawandels sei die Bahn heutzutage ein großes Thema. „Es ist den Menschen wichtig, es ist nicht nur Wahlkampf.“

Vor allem hängt nun alles daran, wie leicht die Beteiligten an die Mittel des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG) kommen. Dafür müssen die Förderrichtlinien um die Kriterien „Klimaschutz“ und „Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse“ erweitert werden. Ein Vorhaben, dass laut dem Auricher Landtagsabgeordneten Wiard Siebels (SPD) wohl bis Ende dieses Jahres abgeschlossen werden soll.

„Der Zug wird nicht morgen wieder fahren“, so Siebels im ON-Gespräch. Aber alle nach der kommenden Bundestagswahl denkbaren Regierungskoalitionen wollten mehr Klimaschutz, wollten mehr Verkehr auf der Schiene. Relevant für die Chancen von Aurich-Abelitz könne die Frage sein, wie ein direkter Konkurrent im Ranking positioniert ist: die Küstenbahn zwischen Norden und Sande. Deren Teilstück zwischen Dornum und Esens wurde 1986 demontiert. Noch 2015 war Aurich im Ranking vor der Reaktivierung der Küstenbahn. Damals habe es aber auch noch die Ausbaupläne von Enercon gegeben, so Siebels. Das müsse geklärt werden.

Über die Finanzierung macht Siebels sich keine zu großen Gedanken. „Das hat 2008 auch funktioniert“, so der Landtagsabgeordnete.

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