Südbrookmerland
Auricher Amtsgericht: Sprachbarriere zu hoch für Angeklagte
Vor dem Auricher Amtsgericht musste sich am Dienstag eine 27-Jährige wegen einer Körperverletzung in Südbrookmerland verantworten. Das funktionierte jedoch nicht.
Südbrookmerland/Aurich Infolge massiver Verständigungsschwierigkeiten zwischen Angeklagter und Gericht ist am Dienstag die Verhandlung gegen eine 27-Jährige abgebrochen worden. Sie hatte sich wegen Körperverletzung vor dem Auricher Amtsgericht zu verantworten. Die Frau aus Montenegro lebt mit ihrer Familie in einer Gemeinschaftsunterkunft in Südbrookmerland.
Laut Anklage hatte sie dort einen Mitarbeiter angegriffen, der ihr eine „unerfreuliche Nachricht“ überbracht hatte. Zornig hatte sie ihn mit ihren Flipflops und einer Tasse beworfen. In ihrer Rage hatte sie ihn außerdem mit einem Messer oberflächlich an der Hand verletzt.
Private Hilfe ist nicht zulässig
Vor Gericht erschien die Frau ohne Dolmetscher. Bereits bei der routinemäßigen Belehrung über ihre Rechte und Pflichten als Angeklagte regten sich bei Richterin Stellmacher erste Zweifel an den deutschen Sprachkenntnissen der 27-Jährigen, die auf Nachfragen wiederholt beteuerte, dem Verfahren durchaus folgen zu können. Fragen nach den Inhalten der Anklageschrift konnte sie jedoch nicht beantworten. Vergeblich versuchte ihr Ehemann aus dem Zuschauerraum heraus, seiner Frau zur Seite zu springen, wann immer sie ins Trudeln geriet.
Es sei bestimmt freundlich gemeint, wenn er versuche zu helfen, bedankte sich die Richterin, jedoch sei er als neutraler und damit gerichtsfester Übersetzer nicht geeignet. Die Angeklagte habe ein Recht auf ein faires Verfahren, das unter diesen Umständen nicht durchzuführen sei. Die Verhandlung wurde abgebrochen. Als neuer Termin wurde der 31. August anberaumt, dann aber mit Sprachmittler.
Der angegriffene Mitarbeiter wollte die Vorwürfe im Gerichtssaal noch zurückziehen und die Sache auf sich beruhen lassen. Da die Ermittlungen aber nicht auf seine Anzeige hin, sondern auf Betreiben der Staatsanwaltschaft aufgenommen wurden, wird es zur Verhandlung kommen.